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20.04.2017

Aaron Parks - Musik mit ozeanischen Qualitäten und in der Luft hängenden Noten

Drei weibliche Jazzikonen standen dem Pianisten Aaron Parks bei seinem neuen Album "Find The Way" Pate: Alice Coltrane, Rosemary Clooney und vor allem Shirley Horn.

Aaron Parks, Aaron Parks  - Musik mit ozeanischen Qualitäten und in der Luft hängenden Noten © BART BABINSKI / ECM RECORDS

Bei seinem ECM-Debüt "Arborescence" präsentierte sich Aaron Parks vor vier Jahren als Solist. Die JazzTimes nannte das Album damals "mitteilsam, impressionistisch... wie eine Visionssuche". Für die Einspielung seines zweiten ECM-Albums "Find The Way" tat sich der Pianist nun mit Bassist Ben Street und Schlagzeuger Billy Hart zusammen. Die beiden kombinieren in ihrem Spiel Fluidität und Kraft mit etwas, das Parks "eine ozeanische Qualität" nennt: sie kreieren Energiewellen, auf denen der Pianist wahlweise reitet oder in die er hineintaucht. "Find the Way" besitzt die Aura einer klassischen Piano-Trio-Aufnahme: vom melodiereichen Opener "Adrift" bis zur Schlussnummer, die dem Album den Titel gab und eine Coverversion eines Liebesliedes ist, das Parks auf einer LP von Rosemary Clooney und Nelson Riddle entdeckte. Inspiration für dieses Album bezog der Pianist außerdem von Alice Coltrane und Shirley Horn.

Mit Ben Street spielte der Pianist einst in der Band des Gitarristen Kurt Rosenwinkel zusammen. Billy Hart bewundert er seit langem, vor allem aufgrund seiner Arbeiten mit Shirley Horn, Herbie Hancocks funkiger Mwandishi-Band und Dave Liebmans Quest. Besonders beeindruckt hat ihn aber auch Billy Harts eigenes Quartett mit Ethan Iverson, Mark Turner und Ben Street, das 2012 für ECM das Album "All Our Reasons" aufnahm. "Ich habe mir dieses Quartett oft angehört. Mir gefällt, wie er mit dort mit Ben interagiert. Ben und Billy haben einen so ausgeprägten Sinn dafür, wo der ‘Mittelpunkt’ ist, dass sie ihn gar nicht spielen, sondern nur andeuten müssen. Ihr Spiel hat eine zentrifugale Kraft - es ist wie ein Strudel. Vor allem Billy strahlt, wenn er spielt, eine spezielle Autorität aus, eine vitale Präsenz - und das bringt einen dazu, genauso engagiert zu spielen. Er besitzt außerdem eine subtile, poetische Qualität, die er sich in der Zeit aneignete, als er mit Sängerinnen arbeitete. Er ist wirklich ein Poet am Schlagzeug."

Das Trio spielt die Musik von "Find The Way" mit außergewöhnlicher Elastizität, pendelt ständig zwischen höchstem Lyrismus und kinetischer Energie. Besonders stolz ist Parks auf das Stück "Melquiades", das nach einer Figur aus Gabriel Garcia Márquez’ Bestseller "Hundert Jahre Einsamkeit" benannt ist. "Das Stück hat für mich eine klassische ECM-Atmosphäre", sagt Parks, "und Billy atmet die Musik mit ihren konstant wechselnden Taktarten einfach nur." Die Nummer "Hold Music" konzipierte Parks als kleines Schlagzeug-Concerto eigens für Hart, den er im Studio außerdem mit "Unravel" überraschte. "Ben und ich hatten das Stück schon früher gespielt. Es hat diesen komplizierten 13/8-Takt, und obwohl Billy es nie auf Notenpapier gesehen hatte, reagierte er sofort, als Ben und ich begannen es zu spielen - und er verlieh ihm dabei solch individuelle Farbe und Leuchtkraft."

Ein weiterer Höhepunkt ist das Stück "Alice". Parks orientierte sich dabei zunächst an Alice-Coltrane-Nummern wie "Ptah the El Daoud". "Es war ein swingendes Stück mit einem Kreuzrhythmus in der Klavierphrase", erzählt er. "Aber es entfaltete sich schließlich, nachdem wir die Melodie durch hatten und wandelte sich in etwas Geheimnisvolles." Einen wesentlichen Einfluss auf die Musik des ganzen Albums übte die Sängerin und Pianistin Shirley Horn aus. "Wenn Shirley ein Solo spielte, ließ sie die Noten in der Luft hängen, scherzte neckisch mit der Tondauer", sagt Parks. "Man merkte ihrem Klavierspiel an, dass sie niemandem etwas beweisen musste, stattdessen das Bedürfnis hatte, die Musik atmen zu lassen. Ich glaube, dass ich, während sich meine eigene Spielweise herausbildete, geduldiger geworden bin und meinen Anschlag heute immer mehr nachklingen lasse. Ich verspüre nicht mehr den Drang, die Führung zu ergreifen, den Raum zu füllen. Ich fühle mich frei, eine Note ausklingen und in der Luft hängen zu lassen, zu hören, was passiert, wenn sie abklingt, dem Pedal zu erlauben, seine Magie zu entfalten."


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