Backstage
Adam Green, Adam Green BACKSTAGE EXCLUSIV

Facebook

News

24.01.2013

Das neue Album von Adam Green & Binki Shapiro

Adam Green, Romantik und Reflexion © Lauren Dukoff

Man muss dieses Album nur einmal hören, um sich von Adam Green und Binki Shapiro verzaubern zu lassen. Das süße Echo eines späten 60s-Folk-Pop in den trügerisch hübschen Arrangements und im lockeren Miteinander der Protagonisten scheint ideal zu einem sonnigen Sommertag zu passen, womöglich noch in Südkalifornien, wo es ja nie regnen soll. Doch schon bald stellt sich heraus, dass diese zehn Songs als tröstliche Begleiter am einsamen Ende einer Großstadtnacht fast noch besser funktionieren (zumal bei Regen). Gewiss, die Atmosphäre, die Green und Shapiro in dieser knappen halben Stunde heraufbeschwören, sie scheint voller romantischer Optionen zu stecken. Doch in den luziden Texten machen schnell auch Verrat, gebrochene Herzen und Zwietracht die Runde. Langsam, aber unausweichlich entfaltet sich ein intimes Drama - eines, das sogar Green und Shapiro selbst überrascht hat, als ihr gemeinsames Debüt Form annahm.

Debütanten sind beide natürlich mitnichten. Adam Green machte zunächst in der New Yorker Anti-Folk-Szene als eine Hälfte der Moldy Peaches von sich reden. Doch als seinem Duo mit Kimya Dawson 2007 mit dem Grammy-gekrönten Soundtrack des Indie-Films “Juno” später Mainstream-Erfolg zuteilwurde, hatte Green längst zu einer Solokarriere abgehoben, die ihn mit frechen, eigenwilligen Songs wie “Jessica” und “Emily” nicht nur zum Darling der hiesigen Musikpresse werden ließ. Alben wie “Gemstones” und “Jacket Full Of Danger” konnten sich auch noch hoch in den deutschen Charts platzieren.

Derweil machte Binki Shapiro mit Little Joy auf sich aufmerksam. Ihr L.A.-Trio mit Fabrizio Moretti (von den Strokes) und dem Brasilianer Rodrigo Amarante (von Los Hermanos) begeisterte 2008 mit seinem Debütalbum Kritiker und Fans. Zuvor war Shapiro bereits im Umfeld von Beck positiv aufgefallen, mit der gemeinsamen Video-Arbeit für sein Album “The Information” und den Leonard-Cohen-Songs auf seinem Record Club Blog. Ihr charmanter Retro-Modern-Look machte sie zudem zum Blickfang auf Modeseiten. Die Los Angeles Times listete Binki Shapiro kürzlich unter die “30 unter 30”-Künstler, die man doch mal im Auge behalten sollte.

Das Ergebnis der Zusammenarbeit zwischen Adam Green und Binki Shapiro ist jedenfalls ein besonderes. Selten klang ein Duett-Album so harmonisch und bittersüß zugleich. Adam Green und Binki Shapiro gewinnen als Vertraute, als Geistesverwandte, die schwierige persönliche Umstände in zehn genau beobachtete, konzis konstruierte Songs verwandelt haben, die sich souverän einer breiten musikalischen Palette bedienen. Von den engelsgleichen Stimmen, die zur Eröffnung “Here I Am” dominieren,  über die Pop-Psychedelia von “I Never Found Out” und das Surf-Gitarren-Intermezzo von “What’s The Reward” bis zum eleganten Schluss-Walzer “The Nighttime Stopped Bleeding”. Die Intimität und Unmittelbarkeit, die diese Stücke ausstrahlen, geht aber nicht nur auf ihren schon beschriebenen Entstehungsprozess im New Yorker Appartement zurück. Genauso wichtig war die Umsetzung, die entspannte Session-Atmosphäre bei der Studioproduktion im kalifornischen Encino unter Produzent Noah Georgeson (Devendra Banhart, Joanna Newson). Wahrscheinlich hat es nicht mal geregnet. “Don’t Ask For More”? In diesem Fall schwierig…


KOMMENTARE

Kommentar speichern