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18.08.2010

Bonjour Paris!

Das Herz von Star-Oboist Albrecht Mayer schlägt von jeher très frankophil. Und so war es mal an der Zeit, den verführerischen Charme der Grande Musik-Nation und nicht nur den der Belle Époque einzufangen

Albrecht Mayer, Bonjour Paris! © Ralph Mecke

„Naive Anmut, unberührte Unschuld, stille Freude wie Schmerz eines zarten Wesens, alles dies vermag die Oboe im Kantabile aufs Glücklichste wiederzugeben.“ So hatte Hector Berlioz 1844 in seinem Grundlagenwerk „Traité d’instrumentation et d’orchestration moderne“ die Vorzüge der Oboe gepriesen. Und wer demnach vom Oboen-Klang derart infiziert war, der kam natürlich auch kompositorisch nicht um ihn herum. Wie etwa in der „Symphonie fantastique“, in der sich die Oboe pastoral anmutig gibt. Als Orchesterinstrument ist es um die Oboe dementsprechend blendend bestellt, was das Repertoire des 19. und frühen 20. Jahrhunderts angeht.

Was aber die Oboe als Soloinstrument speziell in ihrem Geburtsland Frankreich betrifft, muss man schon von einem Karriereknick sprechen. Kein Komponist von Rang und Namen, weder Debussy noch Ravel, haben schließlich für die Oboe ein Konzert oder doch zumindest ein bedeutendes Kammermusikwerk geschrieben. Für einen musikenzyklopädisch neugierigen Oboisten wie Albrecht Mayer sind solche Repertoirelücken natürlich nicht leicht zu verschmerzen. Zumal Mayer noch ein ausgesprochener Frankreich-Fan ist. Seitdem er sich als Jugendlicher erstmals in Paris verguckte und dann sogar bei dem französischen Oboenpapst Maurice Bourgue studieren konnte. Wer sich daher in der französischen Musik und Lebenskultur so zu Hause fühlt, der musste aus der Repertoire-Not einfach eine Tugend machen. Und so hat Mayer für seine Hommage an das gelobte Musikland Frankreich auch berühmte Melodien für Oboe und Orchester bearbeiten lassen, die einfach ideal zu seinem runden und warmen Oboenton passen. Sanfte Poesie und traumschöne Delikatesse entlockt Mayer da arrangierten Klavierstücken wie Saties „Gymnopédies“ und Debussys „Clair de lune“. Wundersam atmet bei ihm die „Pavane“ von Gabriel Fauré. Und die Ode „À Chloris“ des Proust-Freundes Reynaldo Hahn verwandelt Mayer in ein magisch sehnsuchtsvolles Chanson ohne Worte.

Aber selbstverständlich gibt es zudem manche Originalkomposition zu entdecken. Wie vom Wagnerianer Vincent D’Indy oder von Jean Françaix, dessen Konzert „L’horloge de Flore“ von 1959 Mayer schon oft gespielt hat. Und als Weltersteinspielung ist „Été“ des Schweizer Komponisten Gotthard Odermatt zu hören, das er Mayer auf den Leib geschrieben hat. Hätte Ravel tatsächlich doch mal ein Oboenkonzert geschrieben – es müsste sich in etwa so anhören wie diese impressionistisch sommerliche Oboenbrise.

Eine Bonusversion von "Bonjour Paris" können Sie bei iTunes kaufen. Zusätzlich enthält sie den zweiten Satz aus Vinvent d'Indys "Fantaisie sur des Thèmes Populaires Français" und "Trois Images pour hautbois et orchestre" von Gotthard Odermatt.

Guido Fischer


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