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24.10.2003

"Ich ruf zu Dir, Herr Jesu Christ"

Albrecht Mayer, Ich ruf zu Dir, Herr Jesu Christ

Bei der Arie muß ich an mein Probejahr bei den Philharmonikern denken. Die Probezeit hatte gerade erst angefangen, als wir eine Reihe von Aufnahmen in der Jesus-Christus-Kirche in Dahlem hatten. Ein besonders schöner Aspekt an der Arbeit dort war, daß Frauen aus der Gemeinde uns täglich mit einem köstlichen, üppigen und liebevoll zubereiteten Frühstück emfingen. Genau das genoß ich eines Morgens, ich war reichlich früh angekommen und in meine Zeitung vertieft, von der ich nur ab und zu aus den Augenwinkeln aufschaute.

Dabei entging es mir nicht, daß an diesem Tag besonders viele Aushilfen anwesend waren. Dennoch las ich weiter - es war ja noch Zeit - und aß weiter das köstliche Brötchen. Und jedes Mal, wenn ich mein Blick durch den Kirchenvorraum schweifte, waren weitere Aushilfen angekommen und mein Erstaunen blieb bzw. wuchs. Nach einer halben Stunde schließlich sprach ich eine der "Aushilfen" an, die mich darüber informierte, daß an diesem Tag Aufnahmen des Deutschen Symphonie-Orchesters - und nicht der Philharmoniker - in der Kirche stattfinden würden. Das bedeutete, daß die Philharmoniker an diesem Tag in der Philharmonie aufnehmen würden. Beginn: nun in knapp 15 Minuten.Mit 120 kmh raste ich durch die Stadt. Sogar Verlust meines Führerscheins schien mir als Pfand geeignet für den Erhalt meiner Stelle bei den Philharmonikern. Statt eines Stoßgebetes - sang ich leise vor mich hin "Ich ruf zu Dir, Herr Jesu Christ!". Und es half. Glücklicherweise kamen weder Fußgänger noch Rad- oder andere Autofahrer an diesem Tag durch mich zu Schaden. Und das Einrichten der Mikrophone hatte sich an dem Tag in der Philharmonie etwas verzögert, so daß ich unbemerkt - wenn auch mit klopfendem Herzen - auf die Bühne schleichen konnte.


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