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10.12.2004

Die andere Stimme

Albrecht Mayer, Die andere Stimme

Nach den Bachtranskriptionen "Lieder Ohne Worte" widmete sich Albrecht Mayer mit Mozart einem weiteren Klassiker des Repertoires, dessen Werke sich ausgezeichnet für Oboen-Bearbeitungen eignen. Seine Interpretationen beeindruckten die Klassikexperten, so dass sie "Auf Mozarts Spuren" in die Reihe "Selected Classics" aufnahmen. Eine gute Empfehlung!

Die Oboe wird gerne ein wenig belächelt, schließlich ist sie ein im Vergleich zu den Solostars der Konzertbühne ein zartes, zurückhaltendes Instrument, das vor allem im Volumen den lauteren Blechbläsern unterliegt. Auf der anderen Seite aber hat die Oboe ungewöhnliche Farbqualitäten bis hin zu vokalnahen Schattierungen, die nur viel zu selten in den Vordergrund gestellt werden. Da braucht es schon einen Meister wie Albrecht Mayer, der das charmante Rohrblattinstrument ins rechte solistische Licht stellt.

 

Die Verbindung zur Stimme kommt nicht von ungefähr. Denn die ersten musikalischen Erfahrungen sammelte Albrecht Mayer im Bamberger Domchor, bevor er sich als Zehnjähriger der Oboe zuwandte. Sensibilisiert für die Möglichkeiten des vokalen Ausdrucks versuchte er nun, mal bewusst, mal intuitiv die besonderen Qualitäten der Stimme auf sein Instrument zu übertragen. Er studierte bei Gerhard Scheuer, Georg Meerwein, Maurice Bourgue und Ingo Goritzki, schaffte 1990 den Einstieg in die Profi-Szene, als er als Solo-Oboist der Bamberger Symphoniker engagiert wurde. Doch Mayer strebte weiter und als zwei Jahre später das Angebot der Berliner Philharmoniker kam, dort in der selben Funktion wirken zu können, sagte er natürlich zu. Seitdem gehört er zu den meistbeschäftigten Musikern seines Fachs, zumal seine Liebe zu Kammermusik ihn noch weitere Projekte pflegen lässt. Mal konzertiert er als festes Mitglied in Sabine Meyers renommiertem Bläserensemble, mal tritt er mit Sängern wie Thomas Quasthoff oder Matthias Goerne auf die Bühne. Gemeinsam mit seinem alten Geiger-Freund Nigel Kennedy verwirklichte er mehrere erfolgreiche Aufnahmen, die sich wie Bachs "d-Moll Doppelkonzert" monatelang an der Spitze der Klassik-Hitparaden hielten. Im Laufe eines guten Jahrzehnts ist es Mayer gelungen, die Oboe aus dem Schattendaseins des Orchestergrabens herauszuführen und ihr einen wichtigen Platz in der Solo-Konzertliteratur zuzuweisen.

 

In diesen Zusammenhang passt auch seine neueste Aufnahme, die ihn in die Klangwelt von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-91) und dessen Zeitgenossen Ludwig August Lebrun (1752-90) führt. Die Idee dafür entstand gemeinsam mit Claudio Abbado. Seit längerem waren der agile Maestro und sein Oboist auf der Suche nach einem passenden Projekt. Da das von Abbado geleitete Mahler Kammerorchester zur Verfügung stand und auch der Dirigent selbst sich viel davon versprach, machte sich Mayer ans Werk und studierte nicht nur das berühmte "Oboenkonzert C-Dur KV 314" ein, sondern bearbeitete wie schon im Fall der "Lieder ohne Worte" Kompositionen anderer Fächer für sein Instrument, im Speziellen "Andante für Flöte C-Dur KV 315", die "Konzertarie F-Dur 'Sperai vicino il lido' KV 368" und zwei Sätze des "Violinkonzertes D-Dur KV 271a/i". Dabei ging er behutsam zu Werke, versuchte soweit als möglich den originalen Charakter der Kompositionen zu treffen und sorgsam den historischen Kontext zu rekonstruieren, in dem die Werke verstanden werden müssen.

 

Das begann beim Oboenkonzert selbst, das er auf der Basis der um 1920 in Salzburg wiederentdeckten, aber inhaltlich stellenweise fehlerhaften Vorlage im Vergleich mit anderen Werken wie dem Flötenkonzert in D rekonstruierte (das selbst wiederum eine von Mozart vorgenommene Transkription des Oboenkonzertes darstellt). Ähnlich ernsthaft und detailversessen ging er auch mit den drei weiteren Bearbeitungen um, sodass die Aufnahme gemeinsam mit Abbado und dem Mahler Kammerorchester auf solider historisch kritischer Basis vonstatten gehen konnte. Ergänzt um eines der 14 Oboenkonzerte, das Mozarts Zeitgenosse Ludwig August Lebrun geschrieben hatte, entstand somit ein weiteres Meisterstück der Konzertliteratur, das nicht nur Mayers Ruf festigen, sondern auch die Bedeutung der Oboe als Soloinstrument weiter unterstreichen wird.


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