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22.08.2000

Der klassische Fragebogen: Beantwortet von Alfred Brendel

Alfred Brendel, Der klassische Fragebogen: Beantwortet von Alfred Brendel

Musik ist eine heilige Kunst, oder ...?

 

Die heilige Musik ist mir genauso lieb wie die unheilige, der komische Beethoven ebenso wie der erhabene.

Könnten Sie wählen, in welcher Zeit hätten Sie dann gern gelebt?
In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, als Zeitgenosse von Haydn, Mozart, Goya, Diderot, Sterne, Lichtenberg.

 

Welchen Komponisten der Vergangenheit würden Sie bitten, ein Stück für Sie zu komponieren?
Schubert. Ein Klavierkonzert.

 

Welchem Maler aus Vergangenheit oder Gegenwart hätten Sie gern einmal Modell gesessen?
Also dann schon Tizian.

 

Welches war Ihre musikalisch aufregendste Begegnung?
Das letzte Konzert des sterbenden Bruno Maderna, in dem ich der Solist war.

 

Welche Begegnung würden Sie in der Phantasie gern herbeiführen?
Beethoven und Liszt vierhändig.

 

Auf welches nicht musikalische Abenteuer würden Sie sich gern einmal einlassen?
Indiskrete Frage.

 

Wie sähe Ihr ideales Publikum aus?
Jung, mittel und alt. Ohne Husten, Handys und Hörgeräte. Und außer sich vor Begeisterung.

 

Welches Musikstück treibt Ihnen den Schweiß auf die Stirn?
Beim Hören: Ligetis Etüden.

 

Welcher Komponist bzw. welches Werk wird Ihrer Meinung nach heutzutage überschätzt bzw. unterschätzt?
Vivaldi, Rachmaninoff, die Minimalisten, die Filmkomponisten Nyman und Preisner (über). Der späte Busoni, der große Einzelgänger Birtwistle (unter).

 

Welche Aussage über Musik möchten Sie nie wieder hören?
Die Wörter kulinarisch, affirmativ und strukturell.

 

Wie lautet Ihr musikalisches Credo?
1. Belebe die Werke, ohne ihnen Gewalt anzutun. (Edwin Fischer)
2. Alles soll so einfach wie möglich gemacht werden, aber nicht einfacher. (Albert Einstein)

 

Welches Buch liegt z.Zt. neben der Stimmgabel und welches auf Ihrem Nachttisch?
Ich besitze keine Stimmgabel. Auf dem Nachttisch: Tristram Shandy.

 

Mit welcher Märchengestalt würden Sie sich identifizieren?
Mit dem Goldesel.

 

Welches der vier Temperamente - sanguinisch, melancholisch, cholerisch, phlegmatisch - entspricht Ihrem Wesen am ehesten?
Eine Kombination, hoffentlich.

 

Welches Gericht käme nie auf Ihren Tisch?
Saure Nieren mit Gurkensalat.

 

Könnte man Ihnen in einem Sportstadion begegnen?
Nicht einmal bei Schönwetter.

 

»Die einzige Möglichkeit, einer Versuchung zu widerstehen, ist, ihr nachzugeben«, sagte Oscar Wilde. Was sagen Sie?
Nicht Wildes bestes. Warum nicht: charaktervoll widerstehen oder lustvoll nachgeben.


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