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23.07.2008

492 Minuten Schubert

Alfred Brendel, 492 Minuten Schubert

Natürlich könnte Alfred Brendel so ziemlich alles spielen, was ihm vorgelegt wird. Aber das ist nicht seine Art. Er konzentriert sich lieber phasenweise auf bestimmte Epochen oder Komponisten, deren Werk er bis in Detail ausforscht. So hat sich der Pianist über die Jahrzehnte seiner Karriere hinweg einen Namen als Spezialist für klassisches und romantisches Repertoire gemacht. Er gilt als führender Interpret seiner Generation für Mozart, Beethoven, Liszt und vor allem Schubert.

So bietet es sich an, anlässlich seiner Abschlusstournee von der Bühne in diesem Sommer einen Blick in die Archive zu werfen und aus den wegweisenden Aufnahmen der Philips eine Box mit Referenz-Aufnahmen des Meisters der Eleganz zusammen zu stellen. Sie erscheint in der Reihe eloquence zum konkurrenzlosen Preis und versammelt unter dem Titel "Brendel spielt Schubert" auf sieben CDs von den Sonaten bis zu dem "Moments Musicaux" zahlreiche Schätze in einer Sammlung.

Alfred Brendels musikalische Laufbahn begann in Graz. Als Siebzehnjähriger gab er dort anno 1948 sein erstes Konzert. Zuvor hatte sich der Sohn einer deutsch-italienisch-tschechischen Familie aus dem nordmährischen Wiesenberg in wechselhaften Zeiten privaten Klavierunterricht erhalten und sich mit den Grundlagen der Harmonielehre vertraut gemacht. Vielfältig künstlerisch interessiert konzentrierte er sich trotz seine Musikstudiums nicht nur auf die Gestaltung von Klängen, sondern beschäftigte sich ebenso mit Malerei, Literatur, den Schönen Künsten und vertiefte sich in philosophische Schriften. Seine Lehrer Edwin Fischer, Paul Baumgartner und Eduard Steuermann verhalten ihm zum jedenfalls nötigen pianistischen Feinschliff, trotzdem ließ er sich Zeit, den Trubel des Konzertbetriebes mitzumachen. Brendels Kunst speiste sich damals bereits aus dem Selbstverständnis eines Universalgelehrten mit musischen Schwerpunkt, und so schaffte er es trotz der Konkurrenz mühelos, sich durch intellektuell durchdrungene Qualität seiner Interpretationen eine Namen zu machen. 1960 spielte er im Rahmen der Salzburger Festspiele zum ersten Mal mit den Wiener Philharmonikern, in den folgenden Jahren stieg er Stufe um Stufe die Erfolgsleiter hinauf, wohl überlegt und auf die umfassende künstlerische Perfektion seiner Interpretationen bedacht.

Brendels Spezialität wurden vor allem umfassende Einspielungen ganzer Zyklen und Schaffenskomplexe. Von 1960 an entstand beispielsweise eine erste Sammlung mit Gesamtaufnahmen von Beethovens Klavierwerk, von 1970 an nahm er alle Beethoven-Sonaten für die Philips auf, ebenso die Mozart'schen Klavierkonzerte gemeinsam mit Neville Marriner und dem Kammerorchester Academy Of St. Martin In The Fields. So wundert es nicht, dass Brendel auch im Fall von Franz Schubert einen gewissen Hang zur Vollständigkeit entwickelte. Überblickt man das Repertoire der eloquence-Box, so finden sich dort zunächst die als Krone ihrer Gattung geltenden "11 Klaviersonaten", natürlich Monolithen der Klavierliteratur wie die "Wanderer-Fantasie", aber auch die ungemein inspirierenden "Impromptus", die beiden Sammlungen mit "Deutschen Tänzen", die "Moments Musicaux", die "11 Ecossaisen", darüber hinaus einzelne Stücke wie die "Ungarische Melodie" und das "Allegretto c-moll". Die Aufnahmen wurden für die aktuelle Ausgabe nach den neuesten Erkenntnissen der Technik remastered und sind nur in limitierte Auflage erhältlich. Eine einmalige Gelegenheit also, knapp 492 Minuten Franz Schubert in bestmöglicher Form zu genießen.


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