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Alfred Brendel BACKSTAGE EXCLUSIV

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11.11.2009

Das Universalgenie

Alfred Brendel, Das Universalgenie © Jack Liebeck

„Farewell“ heißt Abschied. Und immer schwingt auch ein wenig Wehmut mit. Alfred Brendel allerdings konnte seiner letzten umfangreichen Tournee, die ihn im vergangenen Jahr noch einmal durch die halbe Welt führte, vor allem Gutes abgewinnen. Denn der große Pianist und stilbildende Interpret der vergangenen Dekaden wurde von seinem Publikum und der Presse enthusiastisch gefeiert und bedankte sich mit herausragenden Abenden, mit denen er sich Haydn und Beethoven, Schubert, Bach und vor allem Mozart zuwandte. Zwei dieser Konzertereignisse wurden mitgeschnitten und bilden das Repertoire der Doppel-CD „The Farewell Concerts“, die den konzertierenden Alfred Brendel noch einmal in aller Brillanz präsentieren.

Er mag musikalisch zuweilen ein Phantast sein, der sich auch mit Mitte Siebzig einem Werk mit der Neugier eines kleinen Jungen nähern kann. In Bezug auf seinen Person jedoch ist Alfred Brendel realistisch genug, um die Grenzen des Machbaren zu kennen. So war für ihn die Abschiedstournee 2008 kein Grund zur Traurigkeit, sondern nur das konsequente Ende einer Konzertkarriere, die er nach besten Möglichkeiten gestaltet hat. „Nach 60 Jahren auf dem Podium freute ich mich auf neue Aufgaben und sah den abschließenden Konzerten mit Gelassenheit entgegen“, meint der Pianist in den Anmerkungen zu „The Farewell Concerts“ und ergänzt: „Dass die Wiener Konzerte vom Österreichischen Rundfunk aufgenommen werden würden, war vorauszusehen. Gegen eine Rundfunkaufnahme des Klavierabends in Hannover hatte ich mich zunächst gesträubt: Im letzten Moment erst gab ich nach. Ich freue mich darüber, dass die Resultate nun hier versammelt sind. Vielleicht bestätigen sie, dass es richtig war, beizeiten aufzuhören, nämlich solange die Kontrolle des Spiels noch nicht gelitten hatte und meiner Einsicht in die Stücke noch etwas hinzuzufügen war. Es scheint, als hätte mein Liebeswerben um die Mozart-Sonate KV 533/494 und den langsamen Satz von KV 271 doch noch späte Früchte getragen“.

Tatsächlich stand Mozart bei beiden Gastspielen, sowohl im Wiener Musikverein am 18. Dezember 2008 mit den „Jeunehomme“-Konzert und den Wiener Philharmonikern unter der Leitung von Sir Charles Mackerras als auch solistisch bereits vier Tage zuvor im Großen Sendesaal des Landesfunkhauses Niedersachsen in Hannover, im Mittelpunkt des Programms. Im ersten Fall widmete Brendel sich dem gerne unterschätzten frühen Konzert des Salzburger Meisters mit der für ihn bekannten Zärtlichkeit, ohne dabei den Fehler des Sentimentalen zu begehen. Ernst und Leichtigkeit trafen aufeinander, bis hinein in die Nuancen des Anschlags, ein Genuss der konzisen Gestaltung, wie in nur jemand zu schaffen vermag, der ein halbes Leben lang mit dem Studium von Mozart verbracht hat. Das Recital in Hannover wiederum baute die F-Dur Sonate in einen zeitgenössischen Kontext ein, gerahmt von Haydns Variation f-Moll , Beethovens Sonate Es-Dur Op. 27/1 und der B-Dur-Sonate D960 von Franz Schubert, die auf dieses Weise den Bogen von den Ursprüngen bis zu den Erben der Wiener Klassiker spannten. Es ist ein Genuss, hier einem Flaneur beim Spazieren durch das Repertoire zuzuhören, der es mal eben schafft, pointiert und reflektiert zugleich zu klingen. Das ist die große Meisterschaft eines Könners und Kenners, über den sein langjähriger künstlerischer Wegbegleiter Sir Charles Mackerras schlicht meint: „Alfred Brendel ist natürlich ein musikalisches Universalgenie“.

Wenn Sie mehr über Alfred Brendel erfahren möchten, dann besuchen Sie die Künstlerseite des Pianisten bei KlassikAkzente.


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