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26.08.2009

Biografie: August 2009

Dem Vorschlag ihres langjährigen Freundes Dave Grohl von den Foo Fighters folgend, trafen sich Alice In Chains im Spätsommer 2008 mit dem Produzenten Nick Raskulinecz, um über die mögliche Zusammenarbeit an einem neuen Album zu sprechen.

"Ich kam zu dem Studio, wo sie an ein paar Demos gearbeitet hatten", erinnert sich der Produzent, der unter anderem bereits mit den Foo Fighters, Rush und den Deftones gearbeitet hat. "Wir blieben draußen und unterhielten uns ein paar Stunden. Nachdem das Eis gebrochen war, luden sie mich ins Studio ein, um mir etwas Musik vorzuspielen. Als ich das erste Stück hörte, war ich sofort wie gefangen - der Riff war einfach hammermäßig, ein Ohrwurm, aber trotzdem heavy, und als dann der Gesang einsetzte, guckte ich Jerry (Cantrell, den Gitarristen/Sänger von Alice In Chains) an und sagte: ‚Mehr brauche ich nicht zu hören - ich bin dabei.' Ich war wie weggeblasen."

Im Frühherbst richteten Band und Produzent sich in Grohls Studio 606 in Northridge, Kalifornien ein und begannen ihre intensive Arbeit an dem ersten Studioalbum von Alice In Chains seit mehr als zehn Jahren.

Anschließend ging die Produktionsarbeit in den berühmten Henson Studios in Hollywood weiter, und im Frühling 2009 schließlich hatte die Band elf elektrifizierende Songs über Glaube und Durchhaltevermögen zusammen. Der Albumtitel Black Gives Way To Blue ist dem gleichnamigen, zu Herzen gehenden Tributesong für Layne Staley entliehen, ihrem Bruder (im Geiste) und ehemaligen Sänger, der im Jahre 2002 gestorben war.

"Auf den Song bin ich richtig stolz", sagt Cantrell, der auf diesem Stück singt und sich die Aufgabe ansonsten auf dem Album teilt. "Es handelt davon, dass man allem Schlechten die Stirn bietet, sich nicht von seinem Weg abbringen lässt und sein Leben trotz allem genießt." Gastmusiker bei dem Song ist Elton John am Piano.

"Wir überlegten, ob wir ein Piano in das Stück integrieren sollten, da schlug ein Freund von uns vor, Elton anzurufen", erinnert sich Cantrell. "Ich erinnere mich, dass ich laut lachte und sagte: 'Wird sofort gemacht'. Doch dann beschloss ich, dass es den Versuch wert wäre und schickte ihm eine Email, in der ich beschrieb, was der Song uns bedeutet - dass es ein offenherziger, ungeschliffener Song für Layne ist. Wir schickten ihm den Track und er rief uns wenig später an und sagte, das Stück sei wunderschön und er würde gerne darauf spielen. Er war gerade kurz vor Abschluss seiner 'Red Piano'-Serie in Vegas, also flogen wir hin und verbrachten dort ein paar Stunden. Als wir das Studio betraten und die Noten für den Song auf Eltons Piano sahen, wurde es plötzlich auf vielen verschiedenen Ebenen so bedeutungsvoll. Das ganze Erlebnis war irgendwie magisch."

Die Entstehung des Albums lässt sich zum Januar 2005 zurückverfolgen, als Drummer Sean Kinney bei Cantrell und dem Bassisten Mike Inez anrief, um sie zu einer Wohltätigkeitsshow zugunsten der Tsunami-Opfer zu überreden. Es war das erste Mal seit neun Jahren, dass die drei Musiker zusammen spielten und es war der erste von zahlreichen kleinen Schritten der Heilung und neuen Hoffnung nach dem Tod von Staley.

"Danach überlegten wir uns, dass wir ja noch ein Konzert zusammen spielen könnten", erinnert sich Kinney. "Die Idee gefiel allen, also war der nächste Schritt getan."

William DuVall stieß dazu, ein begabter Sänger und Gitarrist aus Atlanta, der vorher bei Comes with the Fall und bei der Tourband zu Jerry Cantrells Soloarbeiten gespielt hatte. Bei den Liveshows haben die Zuschauer bereits feststellen können, dass DuVall den Sound bereichert und eine eigenständige Bühnenpersönlichkeit ist, gleichwohl seine und Cantrells Stimmen ebenso schön ineinander blenden wie es früher bei Cantrell und Staley der Fall gewesen war. Wenn sich ihre Stimmen so über die Rhythmen von Kinney and Inez legen, bleiben nicht die geringsten Zweifel, dass der Spirit von Alice In Chains noch immer in Saft und Kraft steht.

"Will hat nie versucht, eine Art Karaoke-Version der Vergangenheit abzuliefern, das spricht sehr für ihn", sagt Kinney. "Es ist wahrlich nicht einfach, seinen Platz zu finden, wenn es so eine starke, bereits im Vorfeld existierende Dynamik gibt, aber er hat das geschafft. Er gibt alles und er passt gut zu uns."

"Ich bin in eine Band eingestiegen, die eine starke Identität hat und ein ebenso starkes Erbe", sagt DuVall. "Es will ja niemand dieses Erbe schlecht machen oder sich respektlos zeigen. Man will dem lediglich etwas Neues hinzufügen."

Während sie auf Tour waren, kam das Viergespann auf die Idee, neue Songs zu schreiben.

"Auf Tour haben wir jeden Tag ziemlich viel gejammt", erzählt Cantrell. "Plötzlich hatten wir coole Riffs und haben sie Backstage oder in den Umkleideräumen aufgenommen. Als die Tour zu Ende war und wir nach Hause kamen, hatten wir eine ganze CD voller Ideen. Schließlich haben wir unser Material gut sortiert und waren bereit für den nächsten Schritt."

"Wir hatten gar keinen Masterplan", fügt Inez hinzu. "Alles fühlte sich richtig an, also gingen wir immer weiter. Es war ein sehr organischer Prozess."

"Wenn wir das alles gemacht hätten und dann das Gefühl gehabt hätten, dass es musikalisch nicht an die Messlatte dessen, was wir früher gemacht haben, heranreicht, hätten wir die Songs irgendwo eingemottet", sagt Cantrell. "Wir hätten selbst gewusst, dass dies das Ende ist und das wäre für uns in Ordnung gewesen. Aber so war es nicht. Man fragt sich: Ist dieses Album eine positive Bereicherung zu unserem bisherigen Werk? Ist es unser würdig? Und die Antwort ist: ja, eindeutig. Aber das weiß man erst, wenn man den ganzen Prozess durchgemacht hat. Wir haben uns alle den Arsch abgeschuftet und sind mit einem Album belohnt worden, dass alle unsere Erwartungen übertroffen hat."

Letzten Endes, so Cantrell, ist Black Gives Way To Blue ein Album, das für Alice In Chains vom Überleben handelt. "Und", so sagt er, "Überleben ist etwas, das man feiern sollte."

www.aliceinchains.com


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