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05.08.2011

Der C-Dur-Kosmos - Alice Sara Ott spielt Beethoven

Nur acht Jahre liegen zwischen Beethovens Sonaten Nr. 3 und Nr. 21. Beide sind in C-Dur geschrieben und doch liegen Welten dazwischen. Alice Sara Ott erforscht die Geheimnisse beider Sonaten mit betörender Brillanz

Alice Sara Ott, Der C-Dur-Kosmos - Alice Sara Ott spielt Beethoven © Esther Haase / DG

Aufnahmen von Alice Sara Ott haben etwas Verblüffendes. Egal, was sie anpackt, die junge Pianistin scheint selbst für die schwierigsten Werke der Klavierliteratur wie geschaffen und schafft es zugleich, dabei die nötige Mischung aus Selbstbewusstsein und Demut der Kunst gegenüber zu vermitteln, sodass selbst Monumente wie Beethovens Klaviersonaten unter ihren Fingern wie vom Komponisten frisch erdacht klingen. Ihre Auseinandersetzung mit den Werken des klassischen Genies Beethoven beispielsweise gründen in einer langjährigen Beschäftigung mit dessen Schaffen und Leben, die Alice Sara Ott hilft, den Besonderheiten der Stücke auf den Grund zu gehen. So sind die Sonaten Nr. 3 und Nr. 21 – bekannt unter dem Beinamen „Waldstein-Sonate“ - zwei konträre Werke, die sich für eine Gegenüberstellung anbieten.

„Diesen Kontrast wollte ich immer schon darstellen, weil ich es enorm spannend finde, wie grundlegend sich Beethoven innerhalb von nur acht Jahren verändert hat“, meint Alice Sara Ott in den Reflexionen zu ihrer ersten Beethoven-Aufnahme. „Die beiden Sonaten offenbaren einen Menschen und Künstler in völlig unterschiedlichen Lebenssituationen. Die Tonart ist dieselbe, aber die Atmosphäre der beiden Werke könnte unterschiedlicher nicht sein. Normalerweise denkt man bei C-Dur eher an Helligkeit und Energie. Für Opus 2 Nr.3 trifft das auch zu, diese Sonate strotzt nur so vor Vitalität und Lebensfreude. Aber mit der 'Waldstein-Sonate’ taucht man in eine ganz andere Welt ein“.

Aus Beethoven, dem Liebling der Salons und Konzertsäle, war ein Zweifler geworden, bereits gesundheitlich gehandikapt, stellenweise depressiv. „Er war verzweifelt, weil sein Gehör schwand, und spielte sogar mit dem Gedanken, sich umzubringen. Das Allegro con brio der 'Waldstein-Sonate’ macht diese Verzweiflung hörbar. Zugleich war Beethoven ein Mensch, der sich seine Hoffnung nicht nehmen ließ und stets ein großer Idealist blieb. Das spricht aus vielen seiner Werke, und in Opus 53 ist dieses Aufkeimen der Hoffnung vom letzten Ton des zweiten Satzes an spürbar“. Alice Sara Ott wiederum gelingt das Kunststück, diese Spannung herauszuarbeiten, die Kontraste direkt aus der Musik heraus erwachsen zu lassen. Ein faszinierendes Beethoven-Erlebnis, schon das allein.

Aber Alice Sara Ott belässt es nicht dabei, sondern rundet ihr Beethoven-Programm mit zwei weiteren Kompositionen des Meisters ab. Zum einen spielt sie das „Andante favori in F-Dur“, das ursprünglich als zweiter Satz der „Waldstein-Sonate“ gedacht war, dann aber ein solches motivisches Eigenleben entwickelte, dass Beethoven es zu einem eigenen Stück umarbeitete. Als hoffnungsvoller, verspielter Ausklang des Albums erklingt schließlich noch das „Rondo a capriccio in G-Dur“, dem später der Beiname „Die Wut über den verlorenen Groschen“ gegeben wurde. Damit erscheint Beethoven nicht nur als kämpfender Titan, sondern auch als verschmitzter Humorist, der Musik laufen lassen konnte. Und das Programm findet am Schluss zu der Unbeschwertheit zurück, mit der es begonnen hat. Eine runde Sache und wie das ganze Album mit einer Spannung gespielt, die den Hörer bis zum letzten Ton in Atem hält.


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