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Alisa Weilerstein BACKSTAGE EXCLUSIV

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10.12.2012

Herausragender Elgar, Aussergewöhnliches Debüt

„In gewissem Sinne ist Alisa Weilerstein eine Künstlerin wie aus einer früheren Epoche der Klassikinterpreten: Sie ist nicht nur Vehikel für die Wünsche der Komponisten, sondern durchlebt ein Werk, macht es sich vollständig zu eigen und zu Nutzen.“ New York Times

Mut und Ausdrucksstärke, technische Bemeisterung und visionäre Musikalität gehören zu der außerordentlichen Kombination künstlerischer Eigenschaften, die Alisa Weilersteins Debütaufnahme für Decca Classics im Wesentlichen auszeichnen. Das lange erwartete Album der 30-jährigen amerikanischen Cellistin, das seinen Platz unter den heraus­ragenden Einspielungen im Decca-Katalog einnehmen wird, bietet die einzigartige Kombination von zwei großen Cellokonzerten von Edward Elgar und Elliott Carter, die gemeinsam mit der Staatskapelle Berlin unter Daniel Barenboim aufgenommen wurden. Eine Flut positiver Rezensionen und 5-Sterne-Kritiken betonen eindeutig den Platz von Alisa Weilerstein unter den besten Musikern ihrer Generation. „Ihrem Spiel zuzuhören, ist ein reichhaltiges Erlebnis“, schrieb das BBC Music Magazine. „Unter den [jungen] Solisten von Weltrang …ist sie sicher eine der außergewöhnlichsten.“ Die New York Times, hingegen erklärte, dass ihre „technischen Fähigkeiten einen Vorgeschmack für ihre Leidenschaft und Intensität abgeben, und dass sie mit seelenvollem Ausdruck und physischer Verausgabung spielt.“

Bereits im September 2008 meinte das New York Magazine, dass Alisa Weilerstein „als offensichtliche Herrscherin der amerikanischen Cello-Kultur die Erbin von Yo-Yo Ma“ sei. Im Anschluss an ihr Debüt bei den BBC Proms mit Schostakowitschs 1. Cellokonzert beschwor der Independent positive Vergleiche mit einem anderen Weltklasse-Interpreten: „Wir müssen uns zurückbesinnen bis zu Rostropowitsch, um uns an eine Interpretation des langsamen Satzes zu erinnern, die so machtoll und zugleich technisch überlegen ist wie diese.“ Fazit: Ihre Kunst mit ihrer kraftvollen Mischung aus persönlichem Ausdruck, profundem Musikverstand und tief empfundener Humanität hat Kritiker und Hörer gleichermaßen bewegt. .“

Es wäre schwer, sich ein reichhaltigeres Programm oder eine schönere Verbindung von Künstlern vorzustellen, − vor allem angesichts Barenboims enger Verbindung mit beiden Werken und der Intensität der musikalischen Beziehung zwischen Solistin, Orchester und Dirigent. „Das Elgar-Konzert mit Maestro Barenboim zu spielen, war eine der lohnendsten Erfahrungen meines Lebens“, kommentiert Alisa Weilerstein. Die Künstler arbeiteten bereits im Jahr 2010 gemeinsam an dem Kultwerk von Elgar, was zu einer glutvollen Aufführung im intimen Rahmen des Sheldonian Theatre in Oxford führte, die − von der Eurotelevision ausgestrahlt − Millionen Hörer erreichte. Die Konzertdarbietung wurde vom Kritiker des Guardian als „die technisch vollkommenste und emotional packendste Aufführung von Elgars Cellokonzert, die ich je live erlebte“, beschrieben.

Alisa Weilersteins tief emotionale Interpretation hat sich in der Erfahrung der Zusammen­arbeit mit Barenboim vertieft und ist gewachsen. „Ich habe so viel von ihm gelernt, nicht nur über dieses geliebte Stück, sondern auch über mich als Cellistin“, merkt sie an. „Mein Debütalbum mit Maestro Barenboim und der Staatskapelle Berlin einzuspielen, ist, als ob ein Traum wahrgeworden wäre.“

Elgar beendete sein Cellokonzert im Sommer 1919. Das Werk spiegelt seine Melancholie über die sinnlose Inhumanität des 1. Weltkriegs. Obwohl das Werk bei seiner Urauffüh­rung im Oktober 1919 unter ungenügender Probezeit litt, wurde es bald darauf als Meisterwerk des Cellorepertoires anerkannt. Die Komposition berührte ein großes inter­nationales Publikum in den sechziger Jahren, als Jacqueline du Prés erste Einspielung davon veröffentlicht wurde.

Alisa Weilersteins neue Aufnahme zeigt das zutiefst persönliche Verständnis der Partitur der jungen Künstlerin. „Ich hörte Elgars Cellokonzert erstmalig, als ich etwa sieben oder acht Jahre alt war und fühlte mich sofort zu dem Werk hingezogen, ja, ich fühle mich quasi verfolgt davon“, erinnert sich Alisa Weilerstein. „Ich hörte mir die Aufnahme mit Jacqueline du Pré an – fast wie ein tägliches Ritual. Sie wurde zur Heldin meiner Kindheit. Doch als ich zwölf Jahre alt war, begann ich, ernsthaft an dem Stück zu arbeiten. Ich wusste, dass ich ihre Aufnahme nun beiseitelegen musste. Ihre Interpretation war so überzeugend, so machtvoll. Ich musste mich aber jetzt zwingen, meinen eigenen Weg zu gehen.“ Die künstlerische Entwicklung der jungen Cellistin nahm ihren natürlichen Fortgang, wobei wichtige Debüts – noch weit unter Zwanzig – mit dem Cleveland Orchestra und in der New Yorker Carnegie Hall ihr weiterhalfen, ebenso wie die ergänzenden Studien der russischen Geschichte an der Columbia Universität. Im Jahre 2010 wurde Alisa Weilerstein die erste Cellistin, die einen Vertrag mit Decca unterzeichnete, − nach ihrem Landsmann Lynn Harrell, der mehr als drei Jahrzehnte zuvor Decca-Künster wurde. Im Jahr darauf erhielt sie den renommierten „Genius Grant” (Genie-Preis) der MacArthur-Stiftung, eine seltene Auszeichnung für einen klassischen Musiker.

Elliott Carters Cellokonzert wurde vom Chicago Symphony Orchestra für Yo-Yo Ma in Auftrag gegebenen und am 27. September 2001 unter der Leitung von Daniel Barenboim in der Symphony Hall in Chicago uraufgeführt.

„Es macht mir große Freude, das Elgar-Konzert mit dem von Carter gegenüberzustellen“, kommentiert Alisa Weilerstein. „Carter ist ein Komponist, der seine Interpreten wirklich mag und der sich von den technischen Möglichkeiten jedes Musikinstruments begeistern lässt. Er ist nie in sich gekehrt oder unnachgiebig – ich empfinde ihn immer augenzwinkernd. Es macht einfach wahnsinnig Spaß, seine Stücke zu spielen.“

Alisa Weilerstein spielt Max Bruchs eindringliches Kol Nidrei als Schlussstück ihres Debütalbums. Das Werk wurde 1881 in Berlin veröffentlicht und beruht auf dem namensgebenden Gesang für den Abendgottesdienst am Yom Kippur-Fest, dem heilig­sten Tag im Jahr in der jüdischen Liturgie. Die packende Kunstfertigkeit und hohe musikalische Meisterschaft, die durch den satten Klang eines Instruments von William Forster aus dem Jahr 1790 noch intensiviert werden, sind allen drei Werken auf dieser CD zu eigen.

Im September arbeitete Alisa Weilerstein erneut mit Daniel Barenboim und der Berliner Staatskapelle bei zwei Aufführungen von Carters Cellokonzert während des Musikfests Berlin zusammen, außerdem konzertiert sie mit Elgars Cellokonzert zusammen mit dem Hallé Orchestra und Sir Mark Elder. Weitere Darbietungen dieses zeitlosen Konzerts spielt sie die ganze Saison 2012/13 über: mit dem Gulbenkian Orchestra und Lawrence Foster (25./ 26. Oktober), dem Philadelphia Orchestra und Gianandrea Noseda (13.-15. Dezember), eine Reihe von Aufführungen in Spanien sowie mit dem National Symphony Orchestra und Christoph Eschenbach in Washington DC (2. und 4 Mai 2013).


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