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17.01.2013

Auf dem Weg – Alisa Weilerstein spielt Elgar und Carter

Alisa Weilerstein, Auf dem Weg – Alisa Weilerstein spielt Elgar und Carter © Decca/ Harald Hoffmann

Manch einer hat es kommen sehen. Schließlich stammt Alisa Weilerstein aus einer rundum musikalischen Familie. Ihr Vater, Donald Weilerstein, ist als erster Geiger des Cleveland Quartets eine Autorität der amerikanischen Kammermusik, ihre Mutter, Vivian Hornik Weilerstein, reicht ihrem Gatten als Pianistin das Wasser. Nicht zu vergessen der jüngere Bruder Joshua Weilerstein, der sich bereits als Geiger und Dirigent einen Namen gemacht hat. Mit dieser kreativen, musikliebenden Umgebung waren die Voraussetzungen ideal, um in die Welt der Klassik hinein zu wachsen.

Und doch gehört darüber hinaus ein besonderes Talent dazu, um sich nicht nur als gute, sondern als herausragende Künstlerin zu bewähren. Alisa Weilerstein begann mit vier Jahren, Cello zu spielen. Mit 13 debütierte sie als Solistin mit dem Cleveland Orchestra, zwei Jahre später konnte man sie bereits in der Carnegie Hall hören. Seitdem arbeitete sie sich Schritt für Schritt voran, gewann Preis und knüpfte Kontakte bis hin zu einer Begegnung mit Daniel Barenboim 2009, die in eine Einladung nach Berlin mündete. Und auf lange Sicht auch den Weg frei machte für ihre Aufnahmen mit dem Maestro und der Staatskapelle Berlin.

Elgars Magie

Mit Edward Elgars Cello Concerto beschäftigt sich Alisa Weilerstein bereits seit Kindertagen: „Ich hörte das Konzert zum ersten Mal, als ich sieben oder acht Jahre alt war, und war augenblicklich davon in den Bann gezogen. Es gab eine Zeit, wo ich mir Jacqueline du Prés Aufnahme wie ein Ritual einmal täglich angehört habe. Sie wurde damit zu einer der Vorbildgestalten meiner Kindheit und ich schrieb sogar in der Schule einmal einen Aufsatz über sie. Als ich aber dann als Zwölfjährige begann, mich ernsthaft mit dem Stück zu beschäftigen, wusste ich, dass ich ihre Aufnahme zur Seite legen musste. Denn sie war auf ihre Art so überzeugend, so kraftvoll, dass ich mich zwingen musste, meinen eigenen Weg zu finden“.

Geschrieben 1919 unter dem Nachhall des Ersten Weltkrieges, zählte Edward Elgars Cello Concerto bald zu einem zentralen Werk des Bühnenrepertoires für Cellisten. Alisa Weilerstein entwickelte im Laufe der Auseinandersetzung ihre persönliche Vorstellung davon, die von Pathos bis Verletzlichkeit und Tragik bis Introvertiertheit reicht. Dabei half ihr auch die Arbeit mit Daniel Barenboim, der mit ihr das Stück Takt für Takt durchging, Details offenbarte, Nuancen heraus stellte. „Für mich ist das Konzert ein in besonderem Maße persönliches Werk, ein ebenso tragischer wie intimer Abschied von einer Ära, auch von einer Phase in Elgars eigenem komponierenden Leben“. Mit diesem Verständnis gelingt es Barenboim und Weilerstein auf bewegende Weise, mit der Staatskapelle Berlin die Magie von Elgars Musik zu beschwören.

Carters Kraft

Elliott Carter Cello Concerto von 2001 hingegen bildet einen passenden Kontrast zu Elgars Emphase. „Es ist ein aufregend kompaktes Werk, voll von verschiedenen Charakteren“, meint Alisa Weilerstein, die das Stück persönlich mit dem im vergangenen November verstorbenen Komponisten ausführlich durchgesprochen hat. „Während es an der Oberfläche feierlich erscheint, ist es bei näherer Betrachtung extrem dramatisch, rhythmisch komplex mit schnell wechselnden Harmonien. Die Orchestrierung ist so sparsam, so raffiniert, dass es sich fast wie ein Zwiegespräch anfühlt. Carter war ein Komponist, der die Musiker richtig mochte, und sich von ihrem instrumentalen Potential mitreißen ließ“.

Alisa Weilerstein wiederum, die trotz ihrer jungen Jahre bereits mit zahlreichen Komponisten eng zusammenarbeitet, findet auch im Fall von Elliott Carter die passende Mixtur aus Nähe und Abstraktion. Fragil in der Gestaltung, sonor im Ton, entlockt sie dem Cello Concerto Farben und Feinheiten, die in Union mit Barenboims Dirigierkunst das anspruchsvolle Werk in vitaler Präsenz erstrahlen lassen. Abgerundet durch Max Bruchs zehnminütiges Kol Nidrei von 1881 als Anker in der musikalischen Tradition an der Schwelle zur Moderne ist auf diese Weise ein Labeldebüt gelungen, das Alisa Weilerstein weit vorne in der Rangliste der wichtigen CellistInnen etablieren wird.


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