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11.03.2013

Biografie - AlunaGeorge

Jeder wird sich bestimmt noch an diese Phase erinnern können, vor gar nicht langer Zeit, als sich die Mainstream-Popmusik plötzlich vollkommen anders anfühlte und -hörte, lässig und quasi wie umgekrempelt: Als irgendwelche krassen Produzenten mit Sängern oder Sängerinnen gemeinsame Sache machten, und die Resultate eben nicht der übliche Einheitsbrei, sondern richtig coole musikalische Statements waren – irgendwie radikal, tanzbar, catchy, und trotzdem durch und durch Pop? „Say My Name“ von Destiny’s Child wäre so ein Beispiel, „Try Again“ von Aaliyah, oder auch „Oops (Oh My)“ von Tweet – solche Songs halt. Wie besonders diese Zeit war, das wissen auch AlunaGeorge. Und da die Top-40 wohl selten so einheitsbreiig-einheitlich wie heute klangen, haben sie sich zum Ziel gesetzt, an ebendiese Ära anzuknüpfen. „Na, ich denke mal, dass wir immer nach der Ausnahme suchen, die die Regel bestätigt. Man kann nur hoffen, dass es den Leuten irgendwann zu langweilig wird und sie auch wieder bei anderen Sachen hinhören“, sagt Aluna, eine Hälfte des Senkrechtstarter-Duos, das Anfang 2013 in sämtlichen Pop-Prognosen des neuen Jahres auftauchte.

AlunaGeorge, das sind Aluna Francis und George Reid: „Aluna“ bedeutet dabei so viel wie „komm her“ im tansanischen Dialekt Mwera – beziehungsweise „Pupille“ auf Portugiesisch und „Mutter Erde“ in der Sprache der Maya. „George“ hingegen steht schlicht für George. Aluna schreibt und singt sämtliche Texte und Melodien. George steuert die Produktionen bei, krasse, unheimliche, verführerische, leicht abstrakte und doch eindringliche Klangwelten. Kennen gelernt haben sie sich im Jahr 2009. Leben beide in London. Klare Sache: Die beiden Singles, die sie bis dato veröffentlicht haben, „You Know You Like It“ und „Your Drums, Your Love“, waren erst der Anfang.

Ins Jahr 2013 gestartet sind AlunaGeorge mit unfassbar viel Rückenwind und haufenweise Fans an strategisch wichtigen Stellen: Sie waren unter den drei Finalisten für den Critics’ Choice Award bei den BRITs vor wenigen Wochen, und ihr Name durfte auch auf der „Sound of 2013“-Liste von der BBC nicht fehlen (Platz #2), genauso wie in der Pop-Prognose vom Spiegel, wo sie 4. wurden. Pitchfork, quasi Fans der ersten Stunde, hatten AlunaGeorge schon im November für ihr Festival in Paris engagiert. Auch in der Modewelt haben sie Verehrer: Während der Londoner Fashion-Week sollten sie für Moschino spielen, und die Agentur Next Models hat Aluna kurzerhand unter Vertrag genommen – Starqualitäten hat sie offensichtlich nicht nur als Musikerin.

Also zu Aluna: Geboren in Wales, ging es für sie zwischen UK und den USA häufiger hin und her, bis sie als Teenager in St Albans, im Süden von London landete. Wahrlich kein musikalischer Hotspot, so dass sie ihre Suche nach geeigneten Mitstreitern schon bald ins nahe gelegene London führte, wo sie erst mal im Nordwesten mit einem Künstler zusammenzog – obendrüber lebten ein paar Ex-Häftlinge, die schon für Mord gesessen hatten. „Zu der Zeit wollte ich herausfinden, wie ich meine Stimme einsetzen konnte“, berichtet Aluna, ein Fan von PJ Harvey, CocoRosie und Fever Ray. „Ist besser, das herauszufinden, als mir irgendeinen Style aufzuzwängen, der gar nicht zu mir passt.“

2006 wurde sie Mitglied der schrägen Electro/Pop-Truppe My Toys Like Me, und das Singen machte ihr auch jede Menge Spaß, nur mit den Texten war sie noch nicht zufrieden. Die Lektion lautete: Sie musste selber mehr schreiben und versuchen, in ihren Songs echte Emotionen einzukreisen und festzuhalten. „Wenn ich sie nicht singen kann ohne dass klar ist, was zum Teufel ich damit eigentlich zum Ausdruck bringen will, dann lasse ich schon mal die Finger davon. Ich las daraufhin viel über Songwriter vom alten Schlag, Leute wie Sammy Cahn, und darüber, was für Tricks die so benutzen. Das war schon eine Art Wendepunkt für mich.“

 

2009 klopfte George dann bei My Toys Like Me an, weil er fragen wollte, ob er deren Single „Sweetheart“ remixen könne, und so lernte er Aluna bei einem Treffen mit der Band endlich kennen. Er lebte damals noch in Kingston in Surrey und spielte in einer „Math-Pop“-Band namens Colour. „Ein Haufen Typen, die damit angeben wollen, in was für abgefahrenen Rhythmen sie spielen können“, berichtet er herablassend über das ehemalige Projekt. Nachdem er dann Warp-Künstler wie Flying Lotus für sich entdeckt hatte, tauschte er die Gitarre gegen Laptop-Software und diverse Loop-Pedals ein und versuchte sich als Produzent.

 

Obwohl beide so unterschiedliche musikalische Wurzeln haben, erkannten Aluna und George schon bald, dass sie im Grunde genommen dasselbe suchten: Die beiden Fans von Leftfield-Instrumentals konnten es kaum glauben, dass niemand derartige abseitige Beats einfach mal in Popsongs verwandelte, und so machten sie sich genau das zur Aufgabe. „Unser eigenes Popverständnis umsetzen, das wollten wir“, so Aluna.

 

Gesagt, getan: Der erste gemeinsam aufgenommene Song, der etwas düstere Glitch-Track „Double Sixes“, landete noch als Free Download auf ihrer Seite. Einer der nächsten, „Disobey“, landete 2010 schon als Hintergrundmusik für eine Sexszene in einer Episode der US-Version von „Skins – Hautnah“. Aluna kann sich auch noch sehr gut daran erinnern, wie unangenehm es ihr war, in Georges Schlafzimmer die „eher sexy Gesangsparts“ einzusingen: Unter einem Handtuch, das er über die Zimmertür gehängt hatte; eine andere Gesangskabine gab es schließlich nicht.

Im Sommer 2011 veröffentlichte das kleine UK-Label Super die „You Know You Like It“-Single und half zudem bei der Realisierung des lässigen Low-Budget-Clips dazu, in dem diverse tanzende Alunas zu sehen waren. „Alles Freundschaftsdienste und Gefallen“, berichtet sie, „und keiner wurde dafür bezahlt. Und seither wollen alle uns dazu bewegen, dass wir wieder genau wie in dem Video abgehen.“ Danach ging’s los mit den Anrufen von angesagten Labels wie Tri Angle Records aus Brooklyn, wo das Stück zusammen mit „Just A Touch“ gleich noch einmal als EP erschien. Im Januar 2012 unterzeichneten sie dann bei Island Records, und der beste Nebeneffekt war: Endlich brauchten sie die Nachbarn von George nicht länger belästigen und konnten ein kleines Studio in West-London anmieten.

In besagtem Studio haben sie dann auch weite Teile des letzten Jahres verbracht, an ihrem Debütalbum gefeilt – und aus diesem Grund auch das eine oder andere verlockende Angebot ausgeschlagen. Allerdings fand Aluna doch noch die nötige Zeit, um auf „After Light“ von Rustie zu singen (immerhin ein Warp-Act, darf man nicht vergessen!), während George seine Skills als Remixer an Songs von Florence & the Machine („Spectrum“), Friends („I’m His Girl“) und Lana Del Rey („Born to Die“) beweisen konnte. Ganz zu schweigen von der Disclosure-Kollaboration „White Noise“, die vor einigen Wochen durch die Decke ging...

Was nun also den Sound von AlunaGeorge auszeichnet? Die Kombination von Alunas lässig-souveränen, durch und durch britischen Vocals und Georges Beatlandschaften, in denen eben auch Einflüsse wie Warp oder Brainfeeder anklingen, wenn sie so vor sich hin wabern. Das zeigt schon ihr Aushängeschild „You Know You Like It“: Aluna hatte sich den Singsang-Refrain an einer Bushalte in Harlesden ausgedacht und die Idee dann per Telefon George vorgespielt. Die Strophe hingegen basiert auf einem Text, den sie schon vor ein paar Jahren am College „über eine Trotzphase“ geschrieben hatte. „I’m no fool“, singt sie, und „no, I’m not a follower.“ George verpasste diesen Zeilen den passenden Beat, der angenehm verschroben und überraschend war und überzog das Ganze mit einer Art Dreampop-Glasur: Dieser Clash, dieser Kontrast – das ist es, was AlunaGeorge so einzigartig macht.

Auf ihrem Album präsentieren AlunaGeorge diesen Kontrast in den unterschiedlichsten Formen: Da wären das höhnische „Attracting Flies“ (Zitat: „Your invitations are fake/Must be from a ticket tout“), zugleich die erste Single, dann der geschmeidige Achtziger-Soul von „Bad Idea“, ein aalglatter und doch verträumter Track wie Titelsong „Body Music“, der Unterwasser-Slow-Jam „Diver“ oder auch der massive, ausgelassene Großformat-Love-Song „Superstar“: Alles Tracks, die Pop neu denken und in stilsicheren Radioformaten genauso stattfinden können wie auf den einschlägigen Blogs (wo sie ja längst angekommen sind).

 


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