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Amy Macdonald, Amy Macdonald BACKSTAGE EXCLUSIV

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Under Stars

(Deluxe Version)

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23.05.2012

Biographie 2012

Eigentlich lebt Amy Macdonald ein vollkommen normales Leben, so wie jeder andere auch, zumindest wenn man mal von einer winzigen Kleinigkeit absieht: Die 24-Jährige hat in den letzten Jahren über vier Millionen Alben verkauft, hat ganz Europa mit ihren Songs erobert und obendrein noch unzählige Preise abgeräumt. Wenn sie heute jedoch in Glasgow ein Restaurant betritt, um über ihr grandioses neues Album „Life In A Beautiful Light“ zu sprechen, passiert das weitestgehend unbemerkt, sprich: ohne verdrehte Köpfe und wild gestikulierende Finger von Seiten der anderen Gäste. Genau so also, wie Macdonald es mag, ohne viel Aufhebens um ihre Person.

 

Sie wurde schon als 18-Jährige berühmt, als sie mit ihrem Debütalbum „This Is The Life“ die Charts eroberte. Durchaus schottisch klang dieser Erstling, denn sie präsentierte aufrichtigen Folk-Rocksound, Songwriting mit viel Bodenhaftung, große, mutige Popsongs, eingespielt mit echten Instrumenten, ohne Firlefanz. Und auch ganz ohne Tricks, ohne Show, ohne den Versuch, den neuesten Trends zu entsprechen. Auf der Bühne kam Macdonald ohne Tänzer aus, ohne viel Beiwerk, Action, und ohne teuere Lichtshow. Ihr Image war, kurz gesagt, schon immer so ungekünstelt und ehrlich wie ihre Songs, in denen sie Geschichten, die das Leben (tatsächlich) schreibt, in eingängige Mitsing-Nummern verwandelt.

 

Sechs Jahre kennt man sie nun schon so, und Macdonald besteht darauf, dass sich in ihrem Leben kaum etwas verändert hat in diesen Jahren. Äußerlich gibt es da schon ein paar Veränderungen, ihr Auftreten ist anders, sie kleidet sich besser; dazu wohnt sie nicht mehr zur Miete wie damals, und die Band, mit der sie bis Ende 2010 so gut wie pausenlos auf Tour war, fühlt sich längst wie eine zweite Familie an. Was jedoch ihren eigentlichen „Job“ angeht, ihr kreatives Schaffen als Sängerin und Songwriterin, ist Amy Macdonald auch im Jahr 2012 in erster Linie an Storytelling interessiert – sie ist eine hervorragende Geschichtenerzählerin, wenngleich eine, die sich besser als jeder andere mit Melodien auskennt und einfach immer die richtigen Worte findet.

 

Vergangenes Jahr nahm sie sich zum ersten Mal seit der Unterzeichnung ihres Plattenvertrags mit 17 eine richtige Auszeit. Sie nutzte sie jedoch nicht für eine Weltreise, um auf neue Ideen zu kommen; längerer Urlaub war nicht geplant, zumindest abgesehen von einem kurzen Abstecher nach Dubai, wobei sie sich natürlich im Flieger zurück auch noch eine Lebensmittelvergiftung einfangen musste. Auch hing sie nicht mit irgendwelchen anderen berühmten Musikern ab, denn sie hat dieses Celebrity-Ding und das ganze Szene-Getue noch nie ausstehen können. Mehr noch: Keine schlimme Trennung, keine große neue Liebe, und keine Phase der großen Sinnsuche stand auf dem Programm bei ihr. Stattdessen hatte Amy Macdonald einfach nur eine gute Zeit mit ihren Freunden, ging ihrem Autosport-Hobby nach, flitzte also mit viel PS durch die Gegend, und legte zu Hause auch einfach mal die Füße hoch – und schaute ganz unspektakulär Nachrichten oder hörte Radio.

 

„Es war echt wahnsinnig gut, einfach mal ein ganzes Jahr frei zu haben“, berichtet Macdonald. „Keinen Druck zu spüren. Und wenn mir doch mal eine Idee in den Sinn kam, schnappte ich mir die Gitarre und nahm sie auf meinem MacBook auf. ‘A Curious Thing’ [ihr zweites Album aus dem Jahr 2010] habe ich auf Tour geschrieben, während ich gerade mit ‘This Is The Life’ im Gepäck unterwegs war. Freie Zeit hatte ich damals so gut wie nie, denn mein Debüt ging nacheinander in ganz Europa in die Charts – erst in Holland, dann in Deutschland, dann in Österreich, der Schweiz, dann Spanien... es war einfach unglaublich, nur verspürte ich dadurch auch diesen Druck, möglichst schnell noch ein Album nachzulegen. Dieses Mal war das ganz anders, es fühlte sich viel natürlicher und ungezwungener an.“

 

Zwei der neuen Songs von „Life In A Beautiful Light“ nahmen jedoch schon vor ihrer Auszeit erste Form an: Das druckvoll-impulsive „In The End“, mit dem Amy Macdonald die neue LP ausklingen lässt, entstand bereits kurz vor Ende ihrer letzten Tour. Auslöser war in diesem Fall die Frage, ob Musiker/Musikerin ein sinnvoller Beruf ist oder nicht. „Ich schreibe so gut wie nie über mich selbst“, berichtet sie lachend. „Aber in dem Song bin das schon ich, und zwar beschäftigt mit der Frage, was ich eigentlich mit meinem Leben anfangen soll. Meine Schwester ist zum Beispiel Ärztin, sie geht also jeden Tag los und hilft anderen Menschen. Tue ich das auch? Ich habe darüber lange nachgedacht und bin zu dem Schluss gekommen, dass auch Musik für die Menschen wichtig ist. Ich bekomme nämlich schon sehr viele Briefe von Fans, in denen steht, dass es ihnen besser geht, nachdem sie meine Stücke gehört haben. So gesehen muss ich mich wohl doch nicht so hart für meine Berufswahl kritisieren.“

 

Den zweiten schon früh entstandenen Song, „Human Spirit“, ein Stück mit wunderbaren Streichern, schrieb Macdonald über die dramatische Rettung der chilenischen Bergleute. „Wie bitte kann einen so eine Sache nicht bewegen und inspirieren?“, fragt sie. „Ich musste einfach darüber schreiben, da blieb mir gar keine andere Wahl! Ich war schon immer eine Songschreiberin, die Geschichten erzählt, und zwar Geschichten, die auf wahren Begebenheiten basieren. Und in den Gesichtern der Angehörigen dieser Bergleute standen nun mal sämtliche Gefühle geschrieben, die man als Mensch haben kann. Jede nur mögliche Emotion war da zu beobachten. Die meisten davon kannte ich aus eigener Erfahrung.“

 

Die einzigartige Gabe von Amy Macdonald liegt nicht nur darin, derartige Emotionen in eingängige Songs zu verwandeln, sondern diese tatsächlichen Begebenheiten so zu be- und umschreiben, dass ihre Fans sich und ihre eigenen Lebensumstände darin wieder entdecken können – ganz gleich, ob diese Fans nun aus UK oder von anderswo stammen, schließlich pilgern auch hierzulande und im Rest von Europa die Menschen massenweise zu ihren Shows, um sich diese Geschichten live anzuhören.

 

Auf „Life In A Beautiful Light“ macht Amy Macdonald nun genau das, was der Titel verspricht: Sie rückt das Leben in ein schöneres Licht und präsentiert Stücke, die positiver und optimistischer kaum sein könnten. Schon das majestätisch klingende „Across The Nile“ wirkt wie ein vertonter Hoffnungsschimmer, und kein Wunder, ist es doch von der Freude der Ägypter über den Sturz des Präsidenten Mubarak inspiriert. „4th Of July“ hingegen klingt einfach nur ausgelassen, wenn die 24-Jährige zurückblickt auf eine Reise in ihrer Kindheit, in deren Rahmen sie die Feierlichkeiten zum Unabhängigkeitstag in New York City erleben konnte. „Ich weiß noch, wie ich mir letztes Jahr im Fernsehen die Veranstaltungen zum zehnten Jahrestag von 9/11 angeschaut habe“, erinnert sie sich. „Generell bin ich schon jemand, der sofort losweinen kann, eigentlich wegen jeder Kleinigkeit. Woran ich mich jedoch bei diesem ersten Besuch in New York erinnere, ist das große Feuerwerk, und dass ich echt überglücklich war damals. Seither hat die Stadt ganz schön gelitten, schlimme Dinge sind da passiert, aber sie ist immer noch ein grandioser, einzigartiger Ort. Also wollte ich einen ausgelassenen Song schreiben und damit einfach die Stadt New York abfeiern.“

 

Da sie schon seit ihrer Kindheit ein großer Fan der Glasgow Rangers ist, geht es in zwei der neuen Songs sogar um Fußball: Im Fall von „The Green And The Blue“, einem Stück, in dem sogar Publikumsgesänge zu hören sind, setzt Macdonald sich mit der Rivalität zwischen Celtic Glasgow und ihrem Team auseinander und rückt auch dieses Thema in ein positives Licht. „Fußball ist ein wichtiger Teil meines Lebens, und das gilt auch für die meisten anderen Menschen in dieser Stadt“, berichtet sie. „Ich habe Freunde, deren Herzen für beide Teams schlagen, und sie verstehen sich alle prächtig miteinander. Ich wollte damit nur zum Ausdruck bringen, dass diese Rivalität auch ihre guten Seiten hat und dass da mehr dran ist als nur die Negativschlagzeilen, die man sonst zu diesem Thema lesen kann.“

 

„Pride“ ist ein klassischer Macdonald-Track, eine Nummer, die 50 000 schottische Fußballfans schon bald zu ihrer Hymne machen werden, soviel steht jetzt schon fest. Es könnte sogar eine Hymne für die Olympiade sein, dabei handelt der Song genau genommen von einem Auftritt im Hampden Park Stadion in Glasgow. „Ich bin schon wahnsinnig oft gefragt worden, ob ich für das schottische Team singen kann“, erzählt sie. „Für die Qualifizierung zur EM habe ich dann die ganze Kampagne begleitet. Ein unvergleichliches Gefühl ist das, so viele Emotionen liegen da in der Luft, und trotzdem bin ich nie aufgeregt gewesen. Stell dir vor, da singen 50 000 Menschen denselben Song und du bist es, der vorsingt, den Ton angibt – das bedeutet Gänsehaut am ganzen Körper, ungelogen. Eine echt große Ehre ist das.“

 

Die emotionale Ballade „Left That Body Long Ago“ handelt von Alzheimer, jener Krankheit, an der auch Macdonalds Großmutter litt vor ihrem Tod, der nun schon ein Jahrzehnt zurückliegt. „Als meine Oma noch am Leben war, da sagte meine Mutter immer: ‘Mach dir keine Sorgen, die da ist gar nicht mehr deine Großmutter, sie hat diesen Körper längst verlassen.’ So grausam das klang, konnte ich dadurch irgendwie besser mit ihrer Krankheit umgehen, muss ich sagen. Und heute haben so viele meiner Freunde auch Verwandte, die davon betroffen sind. Den Song habe ich daher für sie geschrieben, als Zuspruch und Hilfestellung. Einer von ihnen ist sofort in Tränen ausgebrochen, als ich ihnen den Song vorgespielt habe. Sie wussten sofort, worum es geht in dem Songtext.“

 

Dass sie ganz offen erzählt, woher die Ideen stammen und worum es in den Songs geht, ist typisch für Amy Macdonald. Sie will sich gar nicht verstecken oder als geheimnisvoll gelten. Und so gibt sie auch ganz offen zu, dass „Slow It Down“, der erste Track des neuen Longplayers, von nichts anderem handelt als der simplen Tatsache, dass sie ein absoluter Auto- und Rennsportfreak ist. „Ich hab schon bei Track Days mitgemacht, also Freies Fahren auf der Piste ausprobiert, in Silverstone und bei der Mercedes Benz World in Surrey“, berichtet sie. „Ich liebe schnelle Autos. Ich bin absolut süchtig nach ‘Top Gear’ [dem Autosportmagazin der BBC], und ich will unbedingt irgendwann eine Rennlizenz haben.“

 

Die 24-Jährige sprudelt genauso über vor Energie wie ihre neuen Songs – ja vielleicht sind sie tatsächlich der beste Spiegel ihres momentanen Lebensgefühls, denn es stimmt beides: Sie hat sich noch nie so wohl gefühlt in ihrer Rolle als Sängerin, und auch ihre Stimme klingt besser denn je. So wird besonders den eingeschworenen Fans auffallen, wie sehr sie ihr stimmliches Spektrum dieses Mal erweitert hat, denn es gibt z.B. auch Songs wie das im Blues verwurzelte, von Streichern und Bläsern vorangetriebene „The Game“, das sie vor ein paar Jahren stimmlich noch nicht hätte meistern können.

 

„Ja, ich hab heute schon ein ganz anderes Gefühl für meine Stimme“, meint sie. „Mein Stimmumfang ist viel größer, wahrscheinlich von den ganzen Tourneen und den ganzen Auftritten Abend für Abend. Sie klingt viel kräftiger und ich kann sie besser kontrollieren als früher, und mein Hals fühlt sich nicht mehr so beansprucht an wie früher manchmal. Ich kann in höheren Stimmlagen singen, und auch die tiefen Töne treffe ich jetzt. An ‘The Game’ hätte ich mich zu Beginn meiner Karriere niemals rangewagt. Ein untypischer Song für mich ist das, aber jeder, der in gehört hat, bestand darauf, dass ich ihn aufs Album nehme.“

 

Aufgenommen wurde „Life In A Beautiful Light“ vergangenes Jahr in zwei Sessions, die in Surrey stattfanden; wiederum war es Macdonalds langjähriger Produzent Pete Wilkinson, der hinter den Reglern stand. Co-Autoren der Songs gibt es keine, auch keine Albumgäste, einzig ihre reguläre Live-Band und ein paar zusätzliche Musiker unterstützten Amy im Studio bei den Aufnahmen. Anfang 2012 machte sich dann Bob Clearmountain, der schon ihr Debütalbum abgemischt hatte, an den finalen Mix der LP.

 

„Kann nie schaden, einen Mann an Bord zu haben, der sonst Bruce Springsteen abmischt“, so der Kommentar der Sängerin, die schon seit Ewigkeiten auf den „Boss“ steht, aber auch Lana Del Ray und Noah & The Whale unter den Favoriten in ihrem iTunes hat. „Bob war so ein großer Fan, dass er mir all diese ganzen Geräte rübergeschickt hat – nur die besten Mikrofone, Software und so weiter. Nur kann ich so unfassbar wenig mit Technik anfangen, dass ich keinen blassen Schimmer habe, wie ich das Zeug benutzen soll.“

 

„Ich stehe nun mal auf das einfache Leben. Auf Songs, die man mitsingen kann, die etwas zum Ausdruck bringen. Oh, und ich mag Rennautos. Und ich mag es, in der Sonne herumzurennen und dabei großartige Musik zu hören. Wobei ich hier in Glasgow natürlich schon in der Regel eher im Regen herumrennen muss.“


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