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Amy Macdonald, Amy Macdonald BACKSTAGE EXCLUSIV

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Under Stars

(Deluxe Version)

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02.02.2010

Biografie 2010

Amy Macdonald

 

SINGLE: „A Curious Thing“ (VÖ: 12.03.10)

 

Amy Macdonald steht vor einem Problem: Sie kann nicht genau sagen, was denn nun das absolute Highlight der vergangenen zwei, drei Jahre war, die seit der Veröffentlichung ihres Debütalbums „This Is The Life“ ins Land gegangen sind. Waren es vielleicht die ersten Auftritte im Vorprogramm von Paul Weller, die schon 2007 in Deutschland stattfanden? „Er und Steve Cradock, sein Gitarrist, waren einfach wahnsinnig nett zu mir, und wir haben uns richtig gut angefreundet“, erinnert sich die schottische Sängerin. „Als ich dann 2008 im Shepherd’s Bush Empire in London ein großes Konzert gegeben hab, war Paul ebenfalls mit von der Partie – das war der absolute Hammer!“

 

Oder war es vielleicht jener Abend, an dem ihr hier in Deutschland der ECHO als beste internationale Newcomerin verliehen wurde, womit sie mal eben Duffy, Leona Lewis und Gabriella Cilmi geschlagen hatte? Oder vierfach Platin für fast 900.000 verkaufte Alben in Deutschland und damit mehr als im Heimatland UK? Oder dabei zuzuschauen, wie der Titelsong des Albums in zehn Ländern auf Platz #1 der Singlecharts ging? Fühlte es sich nicht vielleicht noch einen Tick besser an, in Deutschland das erfolgreichste Debütalbum einer Engländerin der letzten 10 Jahre abgeliefert zu haben? Selbst Amy Winehouse kann hier mit ihrem Debüt „Frank“ nicht  mithalten. Oder doch eher der Fakt mit „This Is The Life“ zu den 20 erfolgreichsten Alben der letzten Dekade (2000-2009) in Deutschland zu gehören. Mit Größen wie Robbie Williams, Herbert Grönemeyer, Nelly Furtado, Ich + Ich und Rosenstolz.

 

Oder: War es doch eher jener triumphale Auftritt auf der Hauptbühne des schottischen „T In The Park“-Festivals, zu dem sie früher immerhin selbst alljährlich gepilgert ist, zumindest seit sie das Alter erreicht hatte, in dem es ihr von Rechts wegen erlaubt war, ein eigenes Zelt aufzuschlagen?

 

Oder war es vielleicht der Tag, an dem sie selbst das „In Rainbows“-Album von Radiohead im Januar 2008 vom ersten Platz der britischen Albumcharts verdrängte? „Das fühlte sich allerdings großartig an“, gesteht die Schottin, die gerade mal 19 war, als „This Is The Life“ in die Läden kam (jetzt ist sie immerhin 22). „Um Weihnachten lag das Album die ganze Zeit ziemlich weit vorne. Da war es in England schon ein halbes Jahr im Handel, und direkt nach der Veröffentlichung war es ja schon auf Platz #2 gewesen. Als dann die Weihnachtssaison anbrach, war ich schon ultraglücklich darüber, dass es irgendwo um die Top-20 lag. Nach Weihnachten kletterte es dann noch weiter nach oben: Am Freitag Platz #3, ein paar Tausend Einheiten hinter Take That, aber immer noch meilenweit von Radiohead auf Platz #1 entfernt. Ich denke mal, dass die ganzen Leute, die samstags ihre Einkäufe erledigen, etwas damit zu tun hatten: Muttis im Supermarkt kaufen nun mal keine Radiohead-Alben, und so hab ich sie dann doch noch überrunden können.“ Als sie von der Erstplatzierung erfuhr, griff sie sofort zum Telefon und rief ihre Mutter an. „Es war einfach nur der Hammer.“

 

Aber zurück zum eigentlichen Thema: War das nun das absolute Highlight dieser ganzen Höhepunkte? Nein, war es nicht. Nichts von alledem war es. 

 

„Ich liebe es einfach, auf der Bühne zu stehen, und ich bin am glücklichsten darüber, dass ich in dieser Hinsicht so viel auf die Beine gestellt habe“, sagt sie und bezieht sich damit auf die Welttournee, in deren Rahmen sie bis letzten Herbst unterwegs war. „Das ist für mich persönlich das Wichtigste überhaupt, was auch daran liegt, weil ich mich noch genau daran erinnern kann, wie es damals als Teenagerin für mich war: Wenn ich mir eine CD gekauft hatte und sie richtig, richtig gut fand, sagte ich mir irgendwann: ‘Genau jetzt würde ich diese Band gerne live sehen.’ Und ich kann es kaum glauben, dass ich heute selbst auf Festivalbühnen stehe und in aller Welt in großen Clubs auftrete.“ 

 

Monate, Meilen, Club-Gigs, Kneipen-Shows, ausverkaufte Hallen, Theater, Festivals, Zugaben, noch mehr Zugaben: Dank einem stets randvollen Tourkalender – absolut klassisch also –, einer ordentlichen Portion Mundpropaganda und jeder Menge Airplay (besonders mit den beiden internationalen Mega-Hits „Mr. Rock and Roll“ und „This Is The Life“, die wirklich überall rauf und runter liefen) ist Amy Macdonald, zuvor eine unbekannte Teenagerin, die ihre eigenen Songs sang, zu einem internationalen Star geworden. Und da die Songwriterin heute noch genau so rastlos ist wie damals, hat sie die Erfahrungen der letzten Monate und Jahre in den Sound ihres zweiten Albums verwandelt: „A Curious Thing“. Das Resultat klingt einfach nur groß, mutig und dramatisch. Intim, zärtlich und bewegend. Kurzum: Es klingt nach Amy Macdonald. Mit neuer Energie, brandneuen Songs und unglaublich satter Stimme. Dazu hat sie ein hämmerndes Klavier als neues Element in ihren Sound integriert. Und Paul Weller ist gleich mehrfach auf dem neuen Longplayer zu hören.

 

Fragt man sie nach dem Titel des Albums, erklärt sie, dass der auf einer Zeile aus dem neuen Stück „No Roots“ basiert. Sie singt: „this life I lead, it’s a curious thing but I can’t deny the happiness it brings“. Ihr geht es also um diejenigen Dinge, die in den vier Jahren seit der Unterzeichnung ihres ersten Plattenvertrags geschehen sind. Was vieles sein kann (siehe oben). Aber gut zu wissen, dass sie glücklich ist.

 

Allerdings soll das nicht heißen, dass Amy dieses Mal von den Schattenseiten eines Lebens berichtet, das unzählige Hotelübernachtungen und Flugstunden mit sich bringt; auch nicht, dass sie in irgendwelche sonnigeren, eleganteren Gefilde umgezogen wäre. Oh nein: Sie ist nach wie vor in einer schottischen Kleinstadt zu Hause, ganz in der Nähe von Glasgow, um genau zu sein. Inspiration findet sie nach wie vor in ihrer eigenen Gefühlswelt, und noch immer geht sie am liebsten in das mickrige, stickige, ja sogar ziemlich muffige Studio im Haus ihres Managers und Produzenten Pete Wilkinson, um an neuen Ideen zu arbeiten. Und das, obwohl der in Surrey lebt. „So machen wir das nun mal: So fühlen wir uns gut bei der Arbeit und genau so mögen wir’s halt“, sagt sie.

 

Die ersten neuen Songs für ihr zweites Album komponierte sie bereits im Frühjahr letzten Jahres, als sie gerade eine kurze Tourpause einlegte. Erstmals holte sie also die alten Notizbücher hervor und durchforstete sie nach Songideen – während sie zuvor immer alles sofort erledigt hatte: Wenn ein Song nicht im Handumdrehen fertig war, wurde die Idee erst mal ad acta gelegt. Darum waren die Stücke ihres Debüts auch so unfassbar eingängig und catchy. Und: genau darum waren in diesen Büchern auch noch so viele gute Ideen versteckt, dass man früher oder später einfach noch einen Blick wagen musste.

 

„Love, Love“ zählt zu diesen „älteren Songs“: ein Track, der absolut nach vorne geht und den Amy treffend als „einen ziemlich durchgeknallten Song“ bezeichnet, „der für den Flow der LP verdammt wichtig ist“. Es ist einer von mehreren Songs auf „A Curious Thing“, bei denen das Tempo deutlich höher ist; zugleich ist er charakteristisch, weil schon hier deutlich wird, dass der Sound dieses Mal sehr viel satter ist. „Das alles hängt damit zusammen, dass ich pausenlos auf Tour war“, erklärt sie, „denn ich war dadurch ja so gut wie immer mit meiner Band zusammen, alles supergute Musiker übrigens, und die haben selbst in ihrer Freizeit noch irgendwelche Jam-Sessions auf der Bühne veranstaltet. Ehrlich gesagt sind dabei die schrägsten Sachen herausgekommen: Wir haben zum Beispiel eine halbe Ewigkeit damit verbracht, das komplette erste Album in Reggae-Versionen zu verwandeln. Dadurch kam ich auf die Idee, mit mehr Instrumenten zu arbeiten und dafür zu sorgen, dass das neue Album einfach nur groß und massiv klingt.“

 

Ein paar dieser Instrumente fand sie schließlich in Wellers sonst recht simpel ausgestattetem Aufnahmestudio namens „Black Barn“, das nur wenige Kilometer von Wilkinsons Studio entfernt liegt. Genau hier wurde „A Curious Thing“ schließlich aufgenommen, unter anderem also auch die Songs „Love, Love“ (auf dem der „Modfather“ Gitarre spielt) und das knallharte „This Pretty Face“, auf dem Weller Bass spielt und Amy ein absolut vernichtendes Statement über „diesen ganzen kaputten Celebrity-Kult“ macht: „Ich hasse diesen Aspekt der Musikwelt: Mich interessiert nur die Musik der Leute und nicht, was für Klamotten sie tragen.“

 

Aufgeblasene Popstars bekommen auch auf dem Track „Don’t Tell Me That It’s Over“ ordentlich ihr Fett weg: Zugleich die erste Singleauskopplung, gibt’s hier nicht nur echte Streicher zu hören, sondern auch einen Refrain, der einfach nur gewaltig ist. Dabei handelt ihre erste Single keinesfalls vom Ende einer Beziehung – Amy ist nach wie vor mit dem Fußballprofi Steve Lovell zusammen, der momentan für den schottischen Erstligisten Partick Thistle spielt –, und auch das Ende irgendeiner Karriere ist damit nicht gemeint. Stattdessen kam ihr die Idee während der Verleihung eines großen europäischen Musikpreises, „und da war dieser bekannte Musiker, der gerade einen der Preise in Empfang genommen hatte und nun vor den Leuten seine Predigt hielt“, erinnert sich Macdonald, die sich in dem Song „Poison Prince“ zuvor schon über ihren einstigen Helden Pete Doherty und dessen Probleme ausgelassen hatte. „Auf jeden Fall war das Ganze einfach nur unfassbar peinlich. Kann ja sein, dass du gerade einen Award bekommen hast, weil deine Songs irgendwie toll sind, aber die Leute haben einfach keine Lust, deine persönliche Meinung zu all diesen Themen zu hören! Und nein: Es war weder Bono noch Kanye West...“

 

Am anderen Ende des klanglichen Spektrums findet man dann einen Song namens „What Happiness Means To Me“. „Am besten daran finde ich, wie ruhig der Track klingt, wie natürlich er rüberkommt. Wir haben meine Stimme ganz ohne Effekte aufgenommen. Ich fand, dass es der perfekte Song ist, um das Album damit ausklingen zu lassen.“

 

Geschrieben hat Amy „What Happiness Means To Me“ übrigens auf dem Klavier ihres Freunds, und überhaupt taucht der Fußballer indirekt gleich mehrfach auf „A Curious Thing“ auf: Den Song „Troubled Soul“, ein druckvolles Stück mit harten Drums und keltischen Anklängen, hat sie zum Beispiel für ihn geschrieben, als der Stürmer gerade mit seinem damaligen Team Aberdeen eine tor- und damit glücklose Phase durchmachte und selbst zu Weihnachten in Aberdeen bleiben musste. Das aufmunternde „Your Time Will Come“, das schon längst zu den Highlights ihrer Konzerte gehört, schrieb Amy ebenfalls für Lovell, auch wenn sie in diesem Fall ein Thema behandelt, mit dem sich jeder identifizieren kann: „Ich schätze mal, dass jeder Mensch irgendwann an den Punkt kommt, wo man einfach nicht weiter weiß – an dem man plötzlich Zukunftsängste hat. ‘Your Time Will Come’ ist ein optimistischer Song, der einem versichert, dass alles schon wieder werden wird.“ 

 

Mit dem Song „An Ordinary Life“ bezieht sich Amy hingegen auf ihr eigenes Leben; und wieder macht sie einen Seitenhieb – dieses Mal gegen diejenigen Groupies, die sich um den in Schottland geborenen Hollywood-Schauspieler Gerard Butler versammelt hatten, als er eine Party anlässlich des Kinostarts von „Gesetz der Rache“ veranstaltete. Amy legte es gar nicht erst drauf an, mit ihm ins Gespräch zu kommen, obwohl er ihr bereits persönlich versichert hatte, wie grandios er doch ihr Debütalbum fand. „Ich dachte mir: Ist echt schräg, dass dieser Hollywood-Typ zu mir kommt und mir erzählt, dass ich so cool bin und so coolen Sound mache. Aber das war wieder so eine Nacht, in der es alle nur darauf abgesehen hatte, etwas von diesem Ruhm abzubekommen. Nur darum wurde er die ganze Zeit von all diesen Leuten belagert...“

 

„Sprich: Dieser Song handelt genau genommen von ihm“, sagt sie weiterhin. „Er steht da und alle Augen sind auf ihn gerichtet. Bei mir ist das anders: Ich führe immer noch ein ganz normales Leben, und das soll auch so lange wie möglich so bleiben.“

 

Was das betrifft, sollte Amy Macdonald allerdings vorsichtig sein. Denn mit „A Curious Thing“ wird sie definitiv noch mehr Menschen in ihren Bann ziehen.  

 


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