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25.08.2011

Die Geister, die Robert Schumann rief …

Der Pianist András Schiff zählt zu den großen Schumann-Kennern seiner Generation. Nun widmet er sich dem romantischen Komponisten mit einem umfangreichen Solo-Programm.

András Schiff, Die Geister, die Robert Schumann rief … © Nadia F. Romanini / ECM

Robert Schumann kämpfte sein Leben lang. Erst rang er um die eigene Tonsprache, die Anerkennung als Komponist, um die Gunst von Clara Wieck und deren Hand bei ihrem strengen Vater, schließlich mit spieltechnischen Beschränkungen, physischen und zuletzt auch psychischen Problemen. Da er ein hochsensibler Mensch war, fanden viele dieser Auseinandersetzung direkt oder indirekt auch ihren Weg in die Musik. Bei keinem anderen Komponisten der Romantik hört man in ähnlicher Konsequenz die Stimmung, die den Künstler bei der Kreation seines Werks beeinflusste. Manches wirkt in wunderbarer Weise unbeschwert, anderes erscheint, als würde eine schwere Bürde auf den Schultern lasten. Dazwischen unendlich viele Variationen der Farben und harmonischen, melodischen Schattierungen. Robert Schumann ist der womöglich komplexeste Romantiker, sicher aber einer von denen, die am schwersten zu spielen sind, will man über einen Standard der Wirkung hinauskommen.

András Schiff
weiß das und nähert sich dem Komponisten auf beeindruckend empathische Weise, ohne dabei in die Fallgruben der Sentimentalität zu tappen. Zehn Jahre nach dem Erfolg des grandiosen „In Concert“-Programms baut er einen ganzen Kosmos auf, angefangen bei frühen Albumblättern wie den „Papillons“, die noch Unbekümmertheit nur so zu schweben scheinen, über die opulente „Klaviersonate fis-Moll op.11“, die mächtige „Fantasie C-Dur“ und die genrehaften „Kinderszenen“ bis hin und den malerischen „Waldszenen“, dem rätselhaft verhangenen „Thema mit Variationen“, das den Beinamen „Geistervariationen“ trägt, und einer Wiederaufnahme des dritten Satzes der „Fantasie C-Dur“, die Schumann in seinen späten Jahren vor dem Wahnsinn noch einmal überarbeitete.

Gerade die selten gespielten „Geistervariationen“ stellen in diesem Zusammenhang ein Juwel der Interpretation dar. Clara Schumann notierte 1854 in ihr Tagebuch, ihr Mann Robert sei nachts aufgestanden und habe ein Thema zu Papier gebracht, was ihm die Engel eingegeben hätten. Die ganzen restlichen Stunden bis zum Morgengrauen seien ihm Visionen erschienen und tatsächlich wurde das kurze Werk das letzte vollständige, das er noch vollendete. Für András Schiff führt es unmittelbar zur Ausgabe letzter Hand der Fantasie, die er selbst in der Széchényi-Bibliothek in Budapest anhand des originalen Manuskripts erforscht hat und die für den Pianisten weit schlüssiger erscheint als die üblicherweise bevorzugt Notenfassung. Aufgenommen wurde dieses bewegende Schumann-Programm im Reitstadl von Neumarkt unter der Ägide des Produzenten von ECM und ECM New Series Manfred Eicher, dem es hier in Kooperation mit András Schiff gelingt, ein musikalisches Dokument zu schaffen, das die Vorstellung der Interpretation der Klaviermusik der Romantik prägen wird.


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