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07.04.2014

Andreas Bourani, Hey, 2014

Halt nicht fest, lass dich fallen...

 

Drei Jahre sind seit der Veröffentlichung des ersten Albums von Andreas Bourani ins Land gegangen – aber vielleicht muss es so sein! Um ein Album zu schaffen, das in jedem Ton und in jeder Zeile eine Künstlerpersönlichkeit zeigt, die uns tief und offen in ihre Seele blicken lässt. Das erfordert Mut, wird aber mehr als belohnt: Andreas Bourani hat für seine neue Platte "Hey" große Pop-Songs geschrieben, die mit Ehrlichkeit und Nachvollziehbarkeit berühren. Wohl auch, weil sie nicht nur die guten Momente des Lebens feiern.

 

Von außen schien alles perfekt: Ein Debut-Album "Staub und Fantasie", das es 2011 zu weitaus mehr als einem Achtungserfolg brachte. Die erste Single "Nur in meinem Kopf" wurde zum Hit, einer der meist gespielten Songs des Jahres im Radio und für mehr als 150.000 verkaufte Exemplare mit Gold ausgezeichnet. TV Auftritte, Tour-Termine, die weiteren Singles "Wunder" und "Eisberg": der gebürtige Augsburger wurde als Ausnahmetalent hofiert. Seine unverwechselbare Stimme, die spielend vier Oktaven meistert, blieb in den Köpfen hängen.

Was dann kam: Die neuen Songs auf "Hey" sind der Spiegel dafür. Dafür, dass Prozesse, egal ob persönlich oder künstlerisch, manchmal von Zweifeln begleitet werden, auch in Rückschau auf das bisher Erreichte. Und sie sind ein Spiegel für die Qualitäten von Andreas Bourani. Als Künstler und Mensch. Seine außergewöhnliche Stimme und seine warme Stimmfarbe hat er – zum Glück – behalten. Sie ist sogar noch besser geworden und gehört wohl zur einer der besten Stimmen in Deutschland.

 

Die Melodien und Texte der insgesamt 13 neuen Songs strotzen vor Intensität. Da ist der Befreiungsschlag auf Songs wie "Wieder am Leben", wo es heißt: "Ich nehm' die Kisten voll mit alten Plänen, ich schmeiß sie weg, alles muss raus. Schüttel den Staub aus meinem Jacket und seh fast wieder wie ein Lebewesen aus. Meine Dämonen bin ich los, ich komm voran mit jedem kleinen Schritt. Und die Welt wird wieder groß, ich spring auf und dreh mich mit".

Oder die ansteckende Begeisterung der ersten Single-Auskopplung "Auf uns", die das Leben, die Gemeinschaft und den Moment in einer starken Hymne feiert. Das ist der Zieleinlauf, mit ausgestreckten Armen in der Luft. Da sind die tiefen Glücksmomente auf "Sein", die das Gefühl beschreiben, mit sich, der Welt und dem Leben Frieden gefunden und geschlossen zu haben. Stücke, die eine wichtige Erkenntnis der letzten Jahre Musik werden lassen:

 

"Ich habe gemerkt, dass Zurückblicken für mich nichts bringt. Ich glaube, ich habe es geschafft, mich von vielem Ballast zu lösen. Wir jagen ständig so vielem nach. Wir wollen Besitzen, egal ob es sich um Dinge oder Menschen handelt. Dabei merken wir nicht, wie sehr der Besitz uns immer mehr einengt. Aber wenn wir dann mal entrümpelt haben, dann wundern wir uns, wie wenig man wirklich braucht, um glücklich zu sein. Das ist unglaublich befreiend. Nicht umsonst stecken in dem Wort Bewusstsein die beiden Worte Bewusst und Sein. Ich kann heute gut auf einem Berg stehen und einfach nur Dankbarkeit für die Schönheit und das Leben empfinden."

 

So eine Erkenntnis kommt nicht über Nacht. Und sie berührt viele Ebenen. Das ist in den Songs auf dem neuen Album so intensiv und nah zu spüren, dass es tief unter die Haut geht. Etwa in "Auf anderen Wegen", dieser sowohl schmerzlichen als auch tröstlichen Trennungsballade, die zeigt, wie schwer das Loslassen im Leben sein kann. Oder in "Alles Beim Alten", in dem es heißt: "Vielleicht werd ich ein ewig Suchender sein, ich gehör von ganzem Herzen dorthin, wo ich nicht bin." Das Gefühl von Distanz und Zurückweisung in "Ein Ende nach dem Andern".

 

Dass "Aufgeben" für Andreas Bourani jedoch niemals eine denkbare Option wäre, wird in "Hey" deutlich. Hier zeigt er sich versöhnlich mit sich selbst, mit den Enttäuschungen und Niederlagen, den Schritten vor und zurück: "Hey, sei nicht so hart zu dir selbst. Es ist ok, wenn du fällst. Auch wenn alles zerbricht, geht es weiter für dich. Du brauchst nur weiterzugehen, komm nicht auf Scherben zum Stehen."

 

Der Song, der auch dem Album seinen Namen gab, ist ganz unüberlegt zur Überschrift geworden. Zum Stammbaum des Albums quasi, zu dem die weiteren Songs eine herrliche Krone bilden. Ein Baum wie ein Leben, der zeigt, dass es seiner Perfektion keinen Abbruch tut, wenn die Äste mal quer stehen, die Richtung ändern und nicht immer kerzengerade wachsen. Und dem beruhigenden Vertrauen: sie finden den Weg ans Licht.

 


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