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07.06.2013

Eine große Reise für die Klarinette - Das Debütalbum 'Portraits' von Andreas Ottensamer

Andreas Ottensamer, Eine große Reise für die Klarinette © Anatol Kotte / Mercury Classics / DG

Der junge Österreichischer Andreas Ottensamer ist in der 115-jährigen Geschichte der Deutschen Grammophon einzigartig: Er ist der erste Solo-Klarinettist, der unter Vertrag genommen wurde, und öffnet mit seinem Instrument ein neues Kapitel in der von Exzellenz geprägten Label-Historie. Seinen Alltag verbringt er bei weltbekannten Orchestern, wie z.B. den Berliner Philharmonikern, mit den besten Musikern ihres Fachs und seine Mission ist es, die Klarinette in ihrer ganzen Schönheit zu präsentieren. Zum Beispiel mit einem Programm vom Spätbarock Domenico Cimarosas bis zur Moderne Aaron Coplands.

Als Domenico Cimarosa die Klaviervorlagen für sein Concerto For Clarinet And Strings schrieb, war die Klarinette noch ein junges Instrument und für den neapolitanischen Komponisten gar nicht die erste Wahl. Denn nur wenige Jahrzehnte zuvor hatte der Instrumentenbauer Johann Christoph Denner erstmal eine Zusatzklappe zum Überblasen angefertigt und damit den Weg von der Chalumeau zu den modernen Bauformen gewiesen, die dann im 19.Jahrhundert dafür sorgten, dass die Klarinette durch die Erfindungen von Hyacinte Klosé, vor allem aber von Theobald Böhm sich ihrer heutigen Erscheinungsform und Vielseitigkeit näherte. So ist der Sprung beispielsweise vom Barock zu Louis Spohr gewaltig, denn die deutsche Romantik konnte bereits auf das ausgereifte Instrument zurückgreifen, das früheren Komponisten noch als Traum erscheinen musste. Und er wurde in diesem Fall auch retrospektiv vollzogen, da der Australier Arthur Benjamin erst 1942 vier Sonaten von Cimarosa zu einem Concerto vereinte. Neo-Klassizismus trifft Romantik und Barock.

Ein immenses Spektrum

Ein Programm, das wie Portraits - The Clarinet Album diesen großen Bogen zu spannen versucht, ist daher eine Herausforderung. „Ich habe diese Stücke gewählt, weil ich der Meinung bin, dass damit die gesamte Bandbreite der Klarinette zur Geltung kommt“, erläutert Andreas Ottensamer sein ungewöhnliches Konzept. „Die Auswahl geht über das Standardrepertoire hinaus, schon aufgrund der Arrangements. Die drei Konzerte bilden den Rahmen, alle Werke sind aber des Weiteren durch ähnliche Atmosphären verbunden.“ Bei den drei Konzerten handelt es sich neben Cimarosas Werk um Louis Spohrs hochromantisches Concert for Clarinet and Orchestra No.1 und um das 1950 von Benny Goodman uraufgeführte Concerto for Clarinet and String Orchestra, with harp and piano von Aaron Copland.

Die Bindeglieder dazwischen sind Claude Debussys La Fille aux Cheveux de Lin, ein impressionistisches Stück aus den Préludes in der Bearbeitung für Klarinette und Orchester von Stephan Koncz, außerdem um das jazzgetönte Prelude No.1 von George Gershwin und um die Berceuse von Amy Beach, ein ursprünglich für Geige komponiertes Albumblatt, das wie auch Gershwins Komposition ebenfalls von Stephan Koncz für die Klarinette adaptiert wurde. Hinter dieser auf den ersten Blick überraschenden Kombination steckt eine übergreifende Konzeptidee, die in Andreas Ottensamer über die Jahre hinweg gereift ist und die sich nun zusammen mit dem Rotterdam Philharmonic Orchestra unter der Leitung von Yannick Nézet-Séguin verwirklichen ließ.

Eine biografische Reise

„Einer der Gründe, weshalb ich diese Stücke wählte,“ meint der Künstler, habe darin bestanden, „dass sie eng mit meiner musikalischen Ausbildung verbunden sind. Zunächst bekam ich Klavierunterricht – und die Werke von Debussy und Gershwin sind beides Bearbeitungen von Klavierstücken. Dann lernte ich Cello, und als ich zum ersten Mal Amy Beachs Berceuse hörte – in einer Version für Cello und Klavier – war ich sofort verzaubert. Die Idee, Werke zu interpretieren, die ich bereits auf dem Klavier gespielt hatte, faszinierte mich, und ich habe versucht, alle meine Erfahrungen mit dem Original in meine Interpretation einzubeziehen – und mit der Klarinette eine neue Dimension hinzuzufügen. Das Prelude von Gershwin ist im Original sehr trocken, fast provokativ, doch unser neues Arrangement geht in Richtung Latin Jazz und vollendet damit, was das Copland-Konzert begann.“ So schließt sich der Kreis von der Verspieltheit des Barocks bis hin zur Leichtigkeit der Moderne in den Interpretationen eines jungen Meisters, der über den Tellerrand seines Fachs zu blicken versteht.


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