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06.01.2012

Bach singen heißt "alles oder nichts" - Andreas Scholls neues Album "Bach Cantatas"

Das Kantatenwerk Johann Sebastian Bachs zählt zu den größten Herausforderungen, der sich Sänger stellen können. Andreas Scholl hat sie erfolgreich angenommen und die Vokalmusik mit "Bach Cantatas" um ein Juwel bereichert.

Andreas Scholl, Bach singen heißt alles oder nichts © Decca/James McMillan

Angesichts der Herausforderung, der unglaublichen Dringlichkeit dieser Musik gerecht zu werden, habe er während der Vorbereitungen zu seiner ersten Aufnahme von Johann Sebastian Bachs Solo-Kantaten für Altstimme im Jahr 1997 - den Tränen nahe - fast aufgegeben, bekennt Andreas Scholl im Gespräch. "Wenn man die unglaubliche Macht und Überzeugungskraft von Bachs Musik spürt, könnte man sich fast für unwürdig halten, sie zu singen." Nur dank des einfühlsamen Beistands und der profunden Musikalität von Dirigent Philippe Herreweghe und seiner Frau Ageet Zwijstra sei es ihm damals gelungen, die Krise zu überwinden.

Die Musik auf "Bach Cantatas"

Wir können uns glücklich schätzen, dass die Faszinationskraft dieser Musik für den Countertenor ungebrochen geblieben ist. Denn nun liegt uns das Ergebnis seiner neuerlichen, intensiven Beschäftigung mit ausgewählten Kantaten des Thomaskantors vor. Im Zentrum seines neuen Albums "Bach Cantatas" stehen die beiden Kantaten "Ich habe genug" (BWV 82), die Bach selbst zu seinen gelungensten Kompositionen zählte und gern und häufig aufgeführt hat, und "Gott soll allein mein Herze haben" (BWV 169). Vervollständigt wird die Aufnahme durch Auszüge aus drei weiteren Kantaten und eine Aria, die Georg Melchior Hoffmann zugeschrieben wird. "Ich habe genug" handelt vom Greis Simeon und dessen Sehnsucht nach Erlösung vom irdischen Leiden und dem Herzenswunsch, vor dem Ableben dem Heiland zu begegnen. Und im Mittelpunkt der Handlung in "Gott soll allein mein Herze haben" stehen die Gebote der Liebe zu Gott und der Nächstenliebe.

Alles geben für Bach

Es geht in den Bachkantaten um die großen geistlichen Themen. Und die Kompositionen sind kompromisslos sowohl ihn ihrer Haltung gegenüber dem irdischen Leben als auch in Bezug auf die ganz realen Herausforderungen, die an die Musiker gestellt werden. Mit dem Lächeln eines Leidgeprüften erklärt Andreas Scholl: "Man spürt, dass Bach keine Kompromisse macht. Wo andere Komponisten auch einmal an den armen Sänger denken, der das alles singen muss, spricht Bach eigentlich zu dem Sänger im 21. Jahrhundert und sagt: Ich hoffe, du bist gut genug, denn Kompromisse machen wir hier keine." Die erfolgreiche Aufführung dieser Musik könne nur gelingen, wenn auch jedes einzelne Ensemblemitglied das Bedürfnis spürbar werden lasse, eine Botschaft und eine Emotion vermitteln zu wollen: "Das kann man nicht zurückgelehnt im Stuhl spielen, sondern es muss jeder auf der Vorderkante sitzen." Gemeinsam mit dem Kammerorchester Basel ist es Andreas Scholl auf "Bach Cantatas" gelungen, genau dies zu vermitteln, vom ersten Anheben seiner engelsgleichen Stimme in der Eröffnungs-Arie "Ich habe genug, ich habe den Heiland", die zu den Höhepunkten der Aufnahme gehört, bis zum Verklingen der letzten Note dieses wunderbaren Albums.


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