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Angela Gheorghiu BACKSTAGE EXCLUSIV

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16.11.2005

Das gewisse Etwas

Angela Gheorghiu, Das gewisse Etwas

Ein Star ist gut, ein Paar aber noch besser. Denn das beflügelt die Phantasie des Publikums. Schließlich spielen die Künstler auf der Bühne mit den Gefühlen, die ihre Rollen hervorrufen, und lassen schon mal die Grenze zwischen Illusion und Wirklichkeit verschwimmen. Wer weiß, denkt man da, was nach der letzten Umarmung noch so passiert, vielleicht ist da ja mehr dabei als nur der Enthusiasmus der Darstellung. Bei manchen Beziehungen wie zwischen Angela Gheorghiu und Roberto Alagna ist dem tatsächlich so, andere wiederum profitieren von der besonderen Energie, die die Bühne jedem Schauspieler und Sänger vermittelt. So gehören die Duette der "Traumpaare der Oper" zu den Höhepunkten der Vokalkunst, intensiv und emotional, direkt und leidenschaftlich.

Als sie sich kennen lernten, waren beide auf dem Weg an die Spitze der internationalen Opernszene. Die Rumänin Angela Gheorghiu hatte bereits mit kleineren Rollen an Covent Garden auf sich aufmerksam gemacht und wurde 1994 von Sir Georg Solti als Violetta für "La Traviata" empfohlen, eine Rolle, die ihr den internationalen Durchbruch bescherte. Roberto Alagna wiederum hatte nach seinem ersten Platz beim Pavarotti-Wettbewerb in Philadelphia 1988 die Runde durch die internationalen Opernhäuser gedreht und an der Scala ebenso brilliert wie in Wien oder Venedig. 1992 trafen sie aufeinander, vier Jahre später heirateten sie in der für OpernsängerInnen idealen Form: In der Früh läuteten die Hochzeitsglocken, am selben Abend standen sie als Mimi und Rodolfo auf der Bühne der Met. Seitdem hört man Gheorghiu und Alagna in immer neuen Variationen sich verzückt vor Publikum ansingen, eine zwischenmenschliche Stimmung, die sich auch noch über das Medium CD vermittelt. So reicht ihr Traumpaar-Repertoire von Gaetano Donizettis "L'Elisir d'Amore" bis hin zu Giacomo Puccinis "La Bohème", einem ihrer größten Erfolge auf den internationalen Bühnen.

 

Montserrat Caballé und José Carreras fanden auf andere Weise zueinander. In diesem Fall war es die 13 Jahre älteren Primadonna, die den Jungspund bei einem Auftritt am Teatro Liceo in Barcelona hörte und sofort dessen Potential erkannte. Sie engagierte ihn kurzerhand an ihre Seite und sorgte während der kommenden Jahre dafür, dass dessen Karriere in rasantem Tempo voran schritt. Carreras wiederum war von Anfang an begeistert vom Charisma seiner Mentorin und ist bis heute einer ihrer größten Fans: "Ich bin mit Montserrat öfter als zweihundertmal aufgetreten. Sie ist einen Frau, der ich auf der Bühne verfalle. Wenn ich mit ihr singe, bin ich als Mann verloren, verliebe mich in sie auf der Stelle". Die Partien, die für die Traumpaar-Sammlung ausgewählt wurden, sind angesichts der intensiven Zusammenarbeit von Caballé und Carreras bunt und vielfältig. Da hat es ernste Duette etwa aus Jules Massenet "Werther" ebenso wie den Klassiker "Nessun dorma" aus Giacomo Puccinis "Turadot" oder das opulente "Ah perché qui, fugite - Teco in sto" aus Giuseppe Verdis "Un Ballo In Maschera", eine mitreißende Kollektion fantastischer Melodien.

 

Auch Joan Sutherland und Luciano Pavarotti hatten von Anfang an ein freundschaftliches Verhältnis, das mit einem Engagement begann. Seit die Australierin 1959 an Covent Garden mit Gaetano Donizettis "Lucia di Lammermoor" international Aufsehen erregte, gehörte sie zu den gefeierten Koloratursopranistinnen und wurde ausführlich gelobt. Als sie unter der Ägide ihres Ehemanns, dem Dirigenten Richard Bonynge, 1965 eine große Tournee durch ihre Heimat plante, lud sie auch den jungen Luciano Pavarotti mit ins Team. Gemeinsam sangen sie "La Traviata" und galten fortan als eines der Traumpaare der Oper. Mit Mirella Freni hingegen verband Pavarotti die Herkunft. Der Anekdote nach sollen beide sogar dieselbe Amme gehabt haben. Jedenfalls stammen sie aus Modena, gingen zusammen in den Gesangsunterricht und waren bald gemeinsam auf den großen Bühnen der Welt zu erleben. Ob als Mimi und Rodolfo in Giacomo Puccinis "La Bohème", ob mit dem "Kirschenduett" aus Pietro Masagnis "L'Amico Fritz" oder berühmten Passagen wie "Una furtiva lagrima" aus Gaetano Donizettis "L'Elisir d'Amore", immer merkt man der Verbindung Pavarotti/Freni diese besondere Intensität an, die sich nur entwickeln kann, wenn ein Traumpaar der Oper sich schon von der Kindheit an kennt.


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