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04.09.2014

Musik von Orient bis Okzident: "Moderato Cantabile" von Anja Lechner und François Couturier

Die Cellistin Anja Lechner und der Pianist François Couturier präsentieren eigene Arrangements von Werken dreier faszinierender Figuren der Musikgeschichte des ausgehenden 19. und frühen 20. Jahrhunderts.

Anja Lechner, Musik von Orient bis Okzident © Nadia F. Romanini / ECM Records

Puristische Schönheit

Auf dem neuen Album der Cellistin Anja Lechner und des Pianisten François Couturier geht es nicht um die große musikalische Geste, sondern vor allem um intensiven Ausdruck. Vom ersten Ton an spürt man eine nach innen gerichtete, fast meditative Konzentration. Der sonore Klang des Cellos und die klaren harmonischen Strukturen des Klaviers greifen wunderbar ineinander und ergänzen sich ästhetisch. Anja Lechners Cello nimmt in diesen Stücken die Rolle einer Sängerin ein. Zudem lässt sich durch den gemeinsamen Atem und nuancierteste Phrasierung erahnen, dass die beiden Musiker bereits seit Jahren zusammenarbeiten. Nach einem Jahrzehnt gemeinsamer Arbeit im Tarkovsky Quartet und im "Il Pergolese" Project mit Sängerin Maria Pia de Vito und Schlagzeuger Michele Rabbia, stellen die Cellistin Anja Lechner und der Pianist François Couturier nun ihr neues Duo mit "Moderato Cantabile" vor, das im November 2013 in Lugano aufgenommen und von Manfred Eicher produziert wurde.

Unbekannte Klänge aus dem Osten

Das Album könnte auch "Orient und Okzident" heißen, denn es verbindet die Klangwelten des Ostens mit denen des Westens. Lechner und Couturier präsentieren eigene Arrangements von Werken dreier faszinierender Figuren der Musikgeschichte des ausgehenden 19. und frühen 20. Jahrhunderts: Georges I. Gurdjieff war griechisch-armenischer Schriftsteller, Choreograph und Komponist. Der Armenier Komitas Vardapet war zugleich Sänger und Musikwissenschaftler und gilt als Pionier der klassischen Musik in Armenien. Die Musik der beiden Armenier, die An ja Lechner und François Couturier ausgewählt haben, zeigt östliche Einflüsse unterschiedlicher Intensität, sowohl was die Beziehung zu folkloristischer und sakraler Musik angeht, als auch in philosophischer Hinsicht.

Minimalistische Klänge aus dem Westen

Der dritte Komponist, den Anja Lechner und François Couturier neben den Eigenkompositionen für ihr Album ausgewählt haben, ist der Europäer Federico Mompou – ein spanischer Komponist und Pianist des frühen 20. Jahrhunderts. In seinen Werken spürt man deutlich den Einfluss der französischen Impressionisten, seine Musik erinnert an Erik Satie. Mompou hat überwiegend für Soloklavier komponiert, minimalistische Werke mit wenigen Noten und viel Raum für den Klang. Diese nachdenklich anmutenden kurzen Stücke fügen sich wunderbar in das Klangbild des Albums ein, das trotz der verschiedenen Bezüge, Einflüsse und Arrangements eine ganz eigene, homogene Identität hat. "Voyage" heißt ein Titel aus der Feder von François Couturier – ein liedhaftes, getragenes Stück, das vor dem inneren Auge sofort Bilder entstehen lässt. François Couturiers Kompositionen werden innerhalb der komplexen Programmatik sowohl zu kontrastierenden als auch ergänzenden Elementen zwischen den musikalischen Kulturen. "Moderato Cantabile" ist eine musikalische Reise voller Schönheit und Intensität, Musik, die zwischen kulturellen Polen und Identitäten oszilliert.

Sehen Sie hier die Dokumentation zu "Moderato Cantabile" mit Anja Lechner und François Couturier.


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