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06.04.2017

Tarkovsky Quartet - Musik mit einer außergewöhnlichen Tiefenschärfe

Mit "Nuit blanche" beschließt das kammermusikalische Improvisationsensemble seine faszinierende Tarkowskij-Trilogie, die es vor zwölf Jahren begonnen hatte.

Anja Lechner, Tarkovsky Quartet - Musik mit einer außergewöhnlichen Tiefenschärfe ©Caterina di Perri/ECM Records

Das von dem französischen Pianisten François Couturier ins Leben gerufene Tarkovsky Quartet setzt mit seinem dritten Album "Nuit blanche" die Reihe der Einspielungen fort, die es 2005 mit "Nostalghia - Song for Tarkovsky" begonnen und 2009 auf dem schlicht "Tarkovsky Quartet" betitelten Album weiterverfolgt hatte. Seine Kompositionen und Arrangements stellte Couturier von Beginn an in einen Kontext, in dem die Improvisation aufblühen konnte. Diese improvisierte Komponente der Musik wurde seither sowohl in Konzerten als auch auf Alben beständig erweitert und vertieft.

Die primäre Inspirationsquelle ist jedoch immer noch das Werk von Andrej Tarkowskij, über den Ingmar Bergman einmal sagte: "Er bewegt sich mit solcher Natürlichkeit im Raum der Träume." Das nach dem russischen Filmemacher benannte Quartett hat eine ganz eigene assoziative Traumsprache geformt. Auf "Nuit blanche" loten die Musiker die Texturen von Träumen und Erinnerungen aus, während sie gleichzeitig weiterhin versteckt auf Tarkowskij verweisen. Der 1986 verstorbene Filmemacher wäre am 4. April 85 Jahre alt geworden.

Anspielend auf einen Komponisten, den der Regisseur hörte, als er seinen Film "Stalker" drehte, integriert das Quartett eine dämmrige Interpretation von Vivaldis "Cum dederit delectis suis somnum" aus dem Opus "Nisi Dominus". Das Ensemble greift auch auf ein Arrangement eines Stückes aus dem 16. Jahrhundert zurück, dessen Urheber unbekannt ist.

Anja Lechner war auf das Manuskript gestoßen, als sie die Partituren und Notenbücher ihrer Großeltern, die beide Musiker gewesen sind, durchstöberte. Die Bandbreite des neuen Albums ist enorm und die kreative Originalität des Tarkovsky Quartet ist stets offenkundig, ganz gleich, ob es moderne Kompositionen, improvisierte Kammermusik oder Barockmusik spielt.

Im Begleittext schreibt die bekannte Journalistin Carolin Emcke: "Was das Tarkovsky Quartet so einzigartig macht (und darin einmal mehr der ästhetischen Sprache des Regisseurs Andrej Tarkowskij verwandt), ist die besondere Gabe musikalische Imagination geradezu haptisch erfahrbar zu machen. So wie man bei Tarkowskijs Filmen meint, die Textur der Elemente (Regen, Kohlefeuer, Marsch) fühlen zu können, so erscheint einem bei ‘Nuit blanche’ die Textur des Klangs deutlicher denn je. Man meint hineingreifen, die Instrumente und ihre Materialität anfassen zu können und so erhält die musikalische Vorstellungskraft noch eine andere Tiefenschärfe."

Das Tarkovsky Quartet entstand, nachdem Couturier die deutsche Cellistin Anja Lechner eingeladen hatte, sich ihm und seinen oftmaligen Spielpartnern Jean-Marc Larché und Jean-Louis Matinier anzuschließen.

Nach dem gemeinsamen Debütalbum trat das Ensemble 2006 beim Bergamo Festival erstmals live auf. Bei Konzerten arbeitet das Tarkovsky Quartet häufig mit Andrej Tarkowskij Jr. zusammen, dessen Video-Projektionen die traumähnliche Qualität der Musik verstärken.

Neben den drei Alben mit dem Tarkovsky Quartet spielte François Couturier 2008 zudem das introspektive Piano-Soloalbum "Un jour si blanc" ein, das ursprünglich als Teil des Tarkowskij-Zyklus konzipiert war. "Was mich bei Tarkowskijs Filmen am meisten anrührt", hat Couturier einmal gesagt, "ist ihre Stille und Langsamkeit. Das sind oft auch Charakteristika der ECM-Ästhetik..."

Das Tarkovsky Quartet wird sein neues Album am 29. April bei der "ECM-Label-Nacht" im Sendesaal Bremen live vorstellen.


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