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26.03.2008

Anna Maria Jopek - ID

Anna Maria Jopek, Anna Maria Jopek - ID

Anna Maria Jopek ist zwar mit Leib und Seele Polin, doch auf ihrem neuesten Album "ID" zeigt sie sich an der Seite von musikalischen Größen aus aller Welt auch von ihrer "internationalen" Seite. Das brasilianische Bossa-Nova-Genie Oscar Castro-Neves trifft hier auf den norwegischen ECM-Pianisten Tord Gustavsen. Die exotische Stimme des tunesischen Oud-Virtuosen Dhafer Youssef verschmilzt mit den ebenso kühnen wie abenteuerlichen Tönen von Branford Marsalis' Sopransaxophon. Der aus Kamerun stammende Bassist und Douala-Sänger Richard Bona harmoniert prächtig mit dem karibischen Percussion-Magier Mino Cinelu und dessen sinnlichem Gesang. Schlagzeuger Manu Katché, ein Franzose mit Vorfahren von der Elfenbeinküste, und der afroamerikanische Bassist Christian McBride steuern kraftvolle Grooves bei.

Und dann ist da schließlich ja auch noch die betörende, kultivierte Stimme von Anna Maria Jopek, die erst dafür sorgt, daß dies alles wie aus einem Guß und zugleich ungemein persönlich klingt. Es ist absolut faszinierend zu erleben, wie die unterschiedlichen Kulturen auf diesem Album miteinander kommunizieren und dabei eine wirklich einzigartige Musik entsteht.

"All diese Leute haben mich in den letzten zehn Jahren inspiriert", sagt Anna Maria Jopek. "Es war eine wunderbare Erfahrung, sie endlich persönlich kennenzulernen, Ideen und Energien mit ihnen auszutauschen, von ihnen zu lernen und - so hoffe ich zumindest - originelle Musik zu kreieren. Beim Schreiben der Stücke (neun der dreizehn Nummern schrieb sie alleine oder zusammen mit ihrem Ehemann Marcin Kydrynski) hatte ich diese Musiker stets im Hinterkopf. Ich bin Polin. Ich bin in Mittelpolen auf dem weiten Land aufgewachsen und dort mit bestimmten musikalischen Traditionen großgeworden. Aber meine Identität (denn dafür steht der Albumtitel "ID") setzt sich aus sehr viel mehr zusammen. Vor allem heute, wo die Welt jeden Tag so viel kleiner zu werden scheint. Ich glaube fest daran, daß aus der Koexistenz so vieler verschiedener Stimmen, Einflüsse, Traditionen und Religionen eine neue Musik hervorgehen wird. Und dieses Album ist mit Abstand das wichtigste Werk, das ich bislang geschaffen habe."

In Polen, wo das Album schon im Mai 2007 erschien, erreichte "ID" innerhalb von nur zwei Wochen Platinstatus. Die triumphale Tournee, die sie im Anschluß an die Veröffentlichung unternahm und bei der Anna Maria u.a. von Dhafer Youssef, Mino Cinelu und Richard Bona begleitet wurde, führte durch ausverkaufte Häuser und endete jedesmal mit stehenden Ovationen des Publikums. Die magischsten Momente dieser Konzerte sollen im Herbst 2008 auf einem Live-Album zusammengefaßt werden.

Für Anna Maria Jopek waren diese Aufnahmesessions (die in Peter Gabriels Real-World-Studio in Wiltshire, den Avatar-Studios in New York, den Abbey-Road-Studios in London und in Warschau stattfanden) allerdings nicht die erste Begegnung mit Künstlern von Weltklasse und musikalischen Helden. Bekannt wurde Anna Maria Jopek 2002 außerhalb ihrer Heimat durch die aufsehenerregende Kooperation mit dem Gitarristen Pat Metheny.

"Ich brauchte nur dreißig Sekunden von Annas Musik zu hören, um zu wissen, daß es eines der allerschönsten Stücke war, die ich in Monaten gehört hatte", schwärmte Metheny damals auf einer Pressekonferenz anläßlich der Veröffentlichung des gemeinsamen Albums "Upojenie", das schon kurze Zeit später Gold- und Anfang 2003 Platinstatus erlangte.

"Ich könnte mir nichts vorstellen, was inspirierender und motivierender ist und einem mehr das Ohr öffnet, als mit Pat zusammenzuarbeiten. Er war mein erster und über Jahre hinweg mein wichtigster 'Mentor', und mit ihm zusammen Musik zu machen war die aufregendste Erfahrung meines Lebens...", kommentiert Anna Maria Jopek ihr Projekt mit Pat Metheny. Die einzigartige Hommage an den meisterhaften Komponisten, Gitarristen und achtzehnfachen Grammy-Sieger wurde sofort zu einem Klassiker, der sich in Polen innerhalb eines Monats über 80.000 Mal verkaufte.

Anna Maria Jopek kam am 14. Dezember 1970 als Tochter eines bekannten polnischen Folkloresängers und einer Tänzerin in Warschau zur Welt. Als klassisch geschulte Pianistin machte sie 1994 ihren Abschluß an der Fryderyk-Chopin-Musikakademie in Warschau. Anders als ihre Schwester Patricja, die Konzertviolinistin wurde, schlug Anna Maria jedoch keine klassische Karriere ein. Bei einem kurzen Studienaufenthalt in den USA, wo sie 1989 an der Manhattan School of Music einige Kurse besuchte, hatte sie ihre Leidenschaft für den Jazz entdeckt. Und so beschloß sie nach ihrem klassischen Studienabschluß die Musik von Mozart und Ravel gegen jene von Keith Jarrett auszutauschen sowie die großen Bühnen der Philharmonien (zunächst) gegen kleine, verrauchte Jazzclubs und Theater.

"Ich würde mich freue, wenn man meine Musik nicht unter Jazz einordnen würde", meint Anna Maria Jopek, "aber auch nicht unter Pop, Folk oder wo auch immer. Meine Musik weist schließlich eine Menge verschiedenster Einflüsse auf. Den bedeutendsten Einfluß hatte sicherlich der Jazz mit seiner Freiheit, seinen Harmonien und seinem Sinn für Time. Aber aufgewachsen bin ich mit polnischer Volksmusik. Meine Wurzeln habe ich hier in der slawischen Landschaft und all ihren Klängen."

Seit sie 1997 mit "Ale Jestem" debütierte hat Anna Maria Jopek ("ID" schon eingerechnet) vierzehn Alben unter eigenem Namen veröffentlicht und mit den bedeutendsten polnischen Künstlern (darunter der legendäre Trompeter Tomasz Stanko), aber auch internationalen Größen (etwa Joe Lovano) Aufnahmen gemacht oder auf der Bühne gestanden. Dieses Jahr wird sie im Rahmen des Warschauer "Summer Jazz"-Festivals mit einem weiteren ihrer Idole zusammenarbeiten: mit dem Vokalakrobaten Bobby McFerrin.

Nach wie vor zieht sie die intime Atmosphäre kleiner Clubs den großen Konzerthallen vor. Auch wenn sie dort längst wieder angekommen ist. Bei Open-Air-Auftritten in ihrer Heimat zieht sie mühelos ein mehrtausendköpfiges Publikum an. Nicht weniger gefragt ist sie mittlerweile aber auch im Ausland. Ein besonders denkwürdiges Konzert gab sie im Januar 2004 in der ehrwürdigen New Yorker Carnegie Hall, die bei weitem nicht jedem Künstler ihre Bühne zur Verfügung stellt.
Nicht nur von ihren weltweiten Fans schlägt Anna Maria Jopek stürmische Begeisterung entgegen. Schon 1994 erhielt sie für einen Auftritt bei einem Festival im polnischen Witebsk eine Auszeichnung von Michel Legrand, während ihr 1998 mit dem "Fryderyk" einer der wichtigsten polnischen Musikpreise verliehen wurde. In ihrer Heimat wurden außerdem fast alle ihre Alben entweder mit Gold oder Platin veredelt. Dennoch behauptet Anna Maria Jopek ganz bescheiden: "Die Musik selbst ist für mich die höchste Auszeichnung. Und die größte Herausforderung."

"Anna ist ursprünglich, einzigartig, anders", meldet sich noch einmal Pat Metheny zu Wort. "Sie ist wagemutig, sie ist bescheiden, sie ist offen. Sie ist eine großartige Musikerin. Seit sie Musik macht, hat sie stets versucht, immer nur den richtigen Ton zu treffen." Und dies ist ihr auch auf "ID" wieder einmal ganz ausgezeichnet gelungen.


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