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14.02.2001

Eine kurze Geschichte der Zeit: Anne-Sophie Mutters "Recital 2000"

Anne-Sophie Mutter, Eine kurze Geschichte der Zeit: Anne-Sophie Mutters Recital 2000

Anne-Sophie Mutter hat noch nie um den heißen Brei gespielt. Mit ihrem Recital 2000 kommt sie deshalb schnell auf den Punkt: Webern, Respighi, Prokofieff, Crumb - vier Komponisten fürs dritte Jahrtausend.

Zeit ist relativ - auch für Komponisten. Manche Tonsetzer brauchen Weite, um sich zu entfalten: Schuberts "himmlische Längen", Wagners "unendliche Melodie". Andere kommen gerade auf kleinstem Raum so richtig in Fahrt: Schumanns Klavierstücke etwa verhuschen oft in kaum einer Minute. Anton Webern zählt ebenfalls zu den Miniaturisten der Musikgeschichte: Seine vier Stücke für Violine und Klavier op. 7 dauern noch keine zehn Minuten. Und doch enthalten diese kurzen Werke eine ganze musikalische Welt von Farben und Klängen, die ihren eigenen 12-tönigen Gesetzen folgt. Anne-Sophie Mutter erobert solche neuen Welten nicht im Handstreich: Ihr ist es wichtig, auf die Musik unseres Jahrhunderts die gleiche Sorgfalt zu verwenden wie etwa auf Beethoven-Sonaten (mit deren zyklischer Aufführung sie jüngst Triumphe feierte). Lambert Orkis ist ihr dabei ein ebenbürtiger Partner voll feinsinniger Zurückhaltung. Die Schönheiten dieser fremden Musik kommen dank Mutters edel-kühlem Geigenton besonders zur Geltung.

 

Zeit ist relativ. In der musikalischen Moderne konnten sich zur gleichen Zeit höchst unterschiedliche Stile entfalten: Gerade einmal sieben Jahre nach Weberns op. 7, diesem atonalen Geniestreich, entstand die brillante Violinsonate Otterino Respighis. Sie suchte ihr Heil im Rückgriff auf die Vergangenheit barocker Formen. Hier darf die Geige singen (es ist schließlich die Musik eines Italieners), und Mutter führt ihren Bogen mit Verve und ungeheurer Energie. Auch Prokofieffs vierte Sonate ist diesem "neoklassizistischen" Stil zuzurechnen. Anne-Sophie Mutter ist eine Geigerin, die solch deftigem Humor auch viel feinsinnige Details ablauschen kann. Zeit ist relativ. Als die vorwärts stürmende Moderne schon Geschichte war, in den 60er Jahren des nun vergangenen Jahrhunderts, da suchte manch Komponist Anschluss an die Musikgeschichte.

 

Zwar wird man in einem "romantischen" Geigenstück kaum mit jener Fülle von Klangeffekten rechnen dürfen (bis hin zum perkussiven Klopfen), mit der George Crumb in seiner "Night Music II" aufwartet: Seine vier Nocturnes bereiten eine höchst sinnliche, verträumte Hörerfahrung. Ein gelungenes Beispiel dafür, dass der Weg zu guter Musik häufig zurück in die Zukunft führt: "Back to the Future", das Motto, unter das Mutter ihre Sichtung der Violinliteratur des 20. Jahrhunderts gestellt hat. In einer Zeit, in der man die übergroßen Genies der Vergangenheit oft schmerzlich vermisst hat, sind dennoch viele Revolutionen angestoßen worden, die zusammen den Weg für ein neues Hören freigemacht haben - ein Weg, auf dem uns Anne-Sophie Mutters Können auch im neuen Jahrhundert mit viel Gewinn begleiten wird.


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