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04.10.2002

Blick zurück nach vorne

Anne-Sophie Mutter, Blick zurück nach vorne

Mit Beethovens Violinkonzert ist es so eine Sache: "Ich habe es geliebt, von Anfang an, aber ich hatte große Angst davor, es zu spielen", meint Anne-Sophie Mutter in der Rückschau und umreißt damit behutsam das Problem, aus der Vorlage des Komponisten eine stimmige Interpretation entstehen zu lassen. Denn kein Konzert des klassischen Repertoires ist schwerer zu spielen als dieses scheinbar unkomplizierte Werk. Auch für Mutter.

Genau genommen begann die Geschichte vor mehr als zwanzig Jahren. Anne-Sophie Mutter hatte gerade ihr Debüt als junges Geigerin an der Seite von Herbert von Karajan hinter sich, als der alte Meister meinte, sie solle sich doch einmal Beethovens Violinkonzert widmen. Damals war sie 15 Jahre alt und konnte nur schemenhaft erahnen, vor welch gewaltiger Aufgabe sie stand. Mutter begab sich mit ihrer Lehrerin Aida Stucki in Klausur, übte über Monate hinweg hauptsächlich an dem Werk und reiste daraufhin nach Luzern, um Karajan das erarbeitete Resultat vorzustellen. Die Reaktion jedoch war ernüchternd, denn der Mentor schickte seine Protege mit dem Hinweis nach Hause, sie solle doch im kommenden Jahr wieder kommen. Die junge Frau ließ sich nicht entmutigen und tat, wie ihr empfohlen wurde.

 

So kam es anno 1980 doch zu ihrer ersten Aufnahme des Violinkonzertes, nach ausgiebigen Proben und künstlerischer Intensivbetreuung durch den Dirigenten. Für Mutter war es ein einschneidendes und prägendes Erlebnis: "Technische Probleme interessierten ihn [Karajan] dabei überhaupt nicht, er betrachtete die Dinge immer aus der Vogelperspektive, was dazu geführt hat, dass ich das Konzert auch heute noch sehr auf die Zusammenarbeit mit dem Orchester anlege, denn es ist überhaupt kein virtuoses Werk. Vielleicht liegt das daran, dass der Interpret der Uraufführung, Franz Clement, kein großer Virtuose war, aber sicher hatte Beethoven mit seinem Violinkonzert nicht im Sinn, den Geigern mit technischen Mätzchen entgegenzukommen".

 

Im Anschluss an das Beethovenerlebnis mit Karajan startete die Karriere von Anne-Sophie Mutter mit rasanter Geschwindigkeit. War sie zuvor als talentiertes Wunderkind gepriesen worden, so wurde sie nun als herausragende Künstlerin anerkannt und konnte ihre Ruf als außergewöhnliche Geigerin international festigen. Mutter wurde zum Stargast internationaler Ensembles, arbeitete von Wolfgang Sawallisch bis Mstislav L. Rostropowisch mit Legenden ihres Faches und machte sich sogar als Solistin komplexer zeitgenössischer Werke einen Namen. Beethoven jedoch ließ sie nicht los. Und so wuchs vor ein paar Jahren der Gedanke, es mit dem Erfahrungsschatz zweier Erfolgsjahrzehnte noch einmal mit dem Violinkonzert zu versuchen. Als Orchester griff sie auf die New Yorker Philharmoniker zurück und mit Kurt Masur suchte sie sich einen Dirigenten, der mit Stoff und Ensemble umgehen kann wie kaum ein anderer. Im Mai 2002 schließlich wagte sich Mutter in der Avery Fischer Hall mit dem Projekt an die Öffentlichkeit ý und vor die Mikrofone. Es wurde auf ein Neues eine sensationelle Interpretation, von den subtilen Kreisler-Kadenzen bis hin zu den in sich harmonierenden Ensemble-Passagen. Denn alle Beteiligten, wussten um was es geht: Um die Neuentdeckung des Vertrauten aus dem Geiste symbiotischer Kompetenz.


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