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14.10.2011

Spanisches Indien

Der Vater Ravi Shankar eine Legende, die Halbschwester Norah Jones ein Popstar, sie selbst eine Virtuosin - gute Voraussetzungen für Anoushka Shankar, mit dem Album „Traveller“ Zeichen zu setzen.

Anoushka Shankar, Spanisches Indien © Harper Smith/DG

Wer Anoushka Shankar auf der Bühne erlebt, kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Da sitzt eine junge Frau im Schneidersitz, im Arm die mächtige Sitar, ganz Zentrum eines musikalischen Geschehens, das sie mit ihrer Energie leitet und voranträgt. Sie spielt das Instrument mit einer Virtuosität und Reinheit, wie man es hierzulande selten erlebt, und bleibt dabei lächelnd, entspannt, ganz bei sich. Diese Selbstverständlichkeit im Umgang mit der Kunst des Ausdrucks und der Geläufigkeit hat sie mit ihren Kollegen des Flamenco gemein, die ihrerseits zu den Musikern gehören, die das Komplizierteste mit Nonchalance zu präsentieren vermögen. Kein Wunder also, dass Anoushka Shankar und Javier Limón sich sofort verstanden haben. Denn die Haltung hinter der Musik ist bei allen kulturellen Unterschieden ähnlich: Es geht um das Große, das Unermessliche der musikalischen Erfahrung und um die zentrale Stellung, die sie im Leben der Menschen und ihren Kulturen einnimmt.

Es geht auch um Gemeinsamkeiten, denn die indische Musik und der Flamenco sind sich näher, als man auf den ersten Blick meinen möchte. Für Anoushka Shankar war es daher ein spannendes Experiment, für das Projekt „Traveller“ nach den Wurzeln der Zusammenhänge zu forschen. „Die Idee zu diesem Album beruht auf der Auseinandersetzung mit den Formen Klassische Musik und Flamenco, aber auch auf der Suche nach möglichen thematischen Konzepten und Emotionen“, erklärt Shankar die Hintergründe. „Natürlich verdanken diese Stücke ihre Existenz ganz unterschiedlichen Impulsen, jedes ist auf seine Weise entstanden. Ein paar von ihnen, zum Beispiel ‚Inside Me’, hat Javier geschrieben und mir nach unserem ersten Treffen vorgelegt. Ich hatte auf einer Liste verschiedene einfache Ragas in Solmisationssilben zusammengestellt; daraus suchte er einige aus und gab sich dann beim Schreiben alle Mühe, jeweils nur eine einzige Tonleiter zu verwenden“.

Was kompliziert klingt, erwies sich jedoch für beide Seiten letztlich als musikalisches Vergnügen. Der Gitarrist, Komponist und Produzent des Albums Javier Limón jedenfalls empfand die Arbeit als außerordentlich anregend. „Das war einfach wunderbar“, meint er im Nachhinein. „Anoushka hat mein Leben verändert. Ich erlebe diese Musik jetzt ganz anders. Als sie ‚Granaina’ spielte, tat sie das wie eine Flamenco-Sängerin, nicht wie eine Flamenco Gitarristin. Es ist absolut erstaunlich: Ihre Melodien haben etwas vom Gesang der ‚Gitanos’. Ich glaube, die Gitarristen können eine Menge von ihr lernen“. Und die Zuhörer können eines der spannendsten Experimente diese Musikherbstes erleben. Denn „Traveller“ bringt nicht nur Shankar und Limón, sondern auch viele Künstler beider Klangkulturen von Sänger Duquende über den Gitarristen Pepe Habichuela bis hin zu dem Tabla-Virtuosen Tanmoy Bose zusammen. Es ist ein Pionierwerk der Grenzüberschreitung und darüber hinaus schlicht großartige Musik.


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