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Traces of You

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29.08.2007

Biografie: "2007".doc

ANOUSHKA SHANKAR & KARSH KALE
"BREATHING UNDER WATER"

Seit der Zeit, als der große Meister der Sitar, Ravi Shankar, die westliche Welt auf die Beredsamkeit der klassischen indischen Musik eingestimmt hat, ist die Welt ein fruchtbarer Boden für die Schöpfung immer neuer Fusionen in Kultur und Musik. Das hört man in der Musik von den Beatles und Led Zeppelin, von Shakti und dem Mahavishnu Orchestra bis hin zur einflussreichsten Fusion-Musik unserer Tage, etwa in dem Sound von Anoushka Shankar und dem Six-Degrees-Labelkünstler Karsh Kale. Man stelle sich eine Welt vor, wo psychedelische Raves sich mit klassischen Vorträgen ein Stelldichein geben und Rock'n'Roll Clubs zu den Lieblingslokalen Bollywoods avancieren. Eine Welt, in der West-Coast-Yogis sich mit der östlichen Zivilisation beschäftigen und der New Yorker Underground sich von der Clubszene Neu Delhis inspirieren lässt, wo die Globalisierung im Inneren beginnt und Grenzen nur dafür da sind, überschritten zu werden. Das ist die Welt, in der Anoushka Shankar und Karsh Kale leben und die sie bereisen. "Breathing Under Water" ist der Soundtrack zu ihrer Reise, geschaffen von zwei Visionären, die an den fruchtbarsten Schnittstellen der heutigen World Music Szene neue Tiefenbohrungen vornehmen.

Erlesen komponiert und akribisch bis ins Detail produziert, wartet das Album zudem mit herausragenden Gästen auf, wie etwa Ravi Shankar, der den Kern für zwei klimatische Hochdruckzonen dieses Albums geschaffen hat ("Oceanic Parts 1 & 2"), oder Weltstar Sting, der mit einer traumwandlerischen Gesangsperformance die lichte Ballade "Sea Dreamer" ausschmückt; ferner Anoushkas Schwester Norah Jones, die Fusionspezialisten von Midival Punditz sowie Vishwa Mohan Bhatt, Noah Lembersky, Shankar Mahadevan und Sunidhi Chauhan. Wie der moderne Reisebericht eines fahrenden Volks windet sich "Breathing Under Water" durch die faszinierende Welt von Shankar und Kale.

Es war nahezu unvermeidlich, dass die 25-jährige Sitarspielerin und Komponistin Anouska Shankar (Tochter des legendären Sitarspielers Ravi Shankar) irgendwann einmal den Produzenten, Songwriter und Multiinstrumentalisten Karsh Kale (Kursh Kah-lay) treffen und mit ihm zusammenarbeiten würde, denn ihre Lebenswege verliefen relativ ähnlich. Wie Shankar wuchs auch der 32-jährige Kale als Kind indischer Eltern in den USA auf. Er stellte als Gründungsmitglied der Allstar-Supergroup Tabla Beat Science sein musikalisches Talent schon früh unter Beweis und machte sich bei Six Degrees Records einen Namen als Produzent und Komponist einiger der besten Global Electronica der letzten Dekade. Unter eigenem Namen haben beide bereits vier Alben veröffentlicht, wobei beide mit ihrer jeweils letzten Veröffentlichung - Shankars für einen Grammy nominiertes "Rise" und Kales "Broken English" (Six Degrees Records) - neue, kreative und vielschichtige musikalische Wege beschritten. "Breathing Under Water" markiert die Zusammenführung dieser beiden Wege; es ist für beide Künstler die erste Kollaboration für eine Albumaufnahme.

Es wäre untertrieben, wollte man sagen, dass "Breathing Under Water" für Shankar und Kale der Karrieredurchbruch ist. Für beide war es eher ein kreativer Katalysator und dient als Messlatte für ihre musikalische Reifung, da beide sich auf einem Terrain bewegten, das ihrem gewöhnlichen Umfeld nicht mehr entsprach. Shankar zeigt sich hier auch als elektronische Produzentin, spielt Keyboard/Piano, komponiert und textet, während Kale sich als Komponist und Sänger hervortut und zugleich Gitarren, Tabla, Schlagzeug, Keyboards und Bass spielt. Für beide lieferte das klassische indische Repertoire den roten Faden. So wie Rock'n'Roll-Künstler sich des Blues bedienen und HipHopper auf Jazz und Funk zurückgreifen um daraus neue Formen zu schöpfen, bleibt für Kale und Shankar die indische Musik im Zentrum, um die herum sie die kulturellen und traditionellen Grenzen erforschen und ausweiten, um einen umfassenden Blick in ihre Welt zu gewähren.

Die Songs auf "Breathing Under Water" sind "ganz natürlich entstanden, meist wurden sie auf Sitar und akustischer Gitarre komponiert und von da aus haben wir dann unterschiedliche Wege eingeschlagen", erläutert Kale. "Die meisten Songs sind auf zwei Arten entstanden", fügt Shankar hinzu. "Manche Songs waren zunächst akustisch, wir hatten die Melodie und haben dann an der Orchestrierung gearbeitet. Und dann gab es einige Stücke, wie 'Slither' oder 'PD7', die wir zunächst am Rechner kreiert und programmiert und später dann ausgebaut haben."

Zusätzliche Struktur und das Studio-Know-how gewann das Projekt durch zwei der profiliertesten indischen Produzenten: Gaurav Raina, bekannt für seine bahnbrechenden Arbeiten mit den Electronica/Raga Fusion-Künstlern Midival Punditz (Six Degrees Records), und Salim Merchant, einer der meistbeschäftigten und renommiertesten Komponisten von Bollywood-Soundtracks. Für Kale hatten die beiden maßgeblichen Anteil an dem Gelingen des Projekts. "Sie haben uns die Zusammenarbeit sehr erleichtert. Wir konnten die Dinge so oft an die Wand schmeißen, bis sie dort endlich kleben blieben, ohne uns über irgendetwas Sorgen machen zu müssen."

"Reisen ist in unserer Musik - der von mir und Anoushka - fest verankert", erklärt Kale weiter. "Es ist dieses Gefühl, zwischen einem Ort und dem nächsten zu sein, stets in Bewegung zu bleiben. So entstand auch das Album - wir gingen von Delhi nach New York, über Kalifornien nach Bombay und zurück nach Delhi. Ich glaube, ich habe noch nie ein Album in einer einzigen Stadt produziert. ... Hier kommt dann auch das Thema Wasser ins Spiel. Reisen ist sehr inspirierend und viele dieser Songs handeln davon, auf den Meeren zu reisen."

"Solch eine intensive musikalische Erfahrung habe ich bislang nur mit meinem Vater gemacht", ergänzt Shankar. "Sich gemeinsam mit jemand anderem kreativ frei zu bewegen und ihm seine Ideen anzuvertrauen, bevor sie überhaupt Gestalt angenommen haben, das war neu für mich und das hat es uns beiden ermöglicht, Dinge zu tun, die wir sonst normalerweise nicht machen. Ich glaube, die größte Überraschung für die Leute wird sein, dass wir bei vielem, für das wir bekannt sind, die Rollen getauscht haben - viele der härteren, rhythmischen Stellen auf dem Album sind von mir und die hübschen, melodischen Passagen stammen von Karsh."

"Wir haben beide einen persönlichen Stil entwickelt, der in der klassischen indischen Musik verwurzelt ist und von dieser beeinflusst wird, und wir sind schon seit einigen Jahren befreundet", fügt Kale hinzu. "Das hat viele der Hürden überwunden, die sonst zwischen Musikern bestehen. Anoushka und ich konnten uns auch gegenseitig etwas aus der Reserve locken. Anstatt einander zu viel Respekt zu zollen, sind wir manchmal aufeinander losgegangen und haben uns regelrecht herausgefordert."

Anoushka Shankars eigenes Spiel macht einen gewichtigen Teil von "Breathing Under Water" aus. Sie spielt auf jedem Stück und erklärt, "da die Sitar so unverkennbar ist, bedeutet es sehr viel, wenn man sie in so vielen musikalischen Genres und Spielarten einsetzt, wie es auf diesem Album der Fall ist. Einer der schönsten Aspekte bei diesem Album war für mich, dass ich meinen schöpferischen Wünschen freien Lauf lassen konnte, ich konnte mich selbst und andere weit aus der Wohlfühlzone herauslocken, ich konnte mit Menschen zusammenarbeiten, deren Talente meine eigenen Fähigkeiten ergänzten, und zwar so sehr, dass ich mich als Produzentin, Autorin und Musikerin bestmöglich einbringen konnte."

Und Kale konnte seiner kreativen Ader als Gitarrist und Sänger nachgehen und zugleich das Fundament als Drummer, Tablaspieler und Keyboarder legen. "Ich konnte auf diesem Album die verschiedensten Dinge tun, konnte meine Stimme anders einsetzen, konnte mich mal als Komponist, mal als Bassist, mal als beides zugleich hervortun. Das war für mich das Beste an diesem Album: dass ich in so viele verschiedene Rollen schlüpfen durfte", schwärmt er.

Wenn die vielen verschiedenen Sounds und Styles von "Breathing Under Water" eine vereinende musikalische Kraft haben, dann ist für Kale "der rote Faden, der alles zusammenhält, Anoushkas Stimme als Sitarspielerin. Bei jedem Stück konnte ich mich vom kompositorischen Standpunkt gesehen in die verschiedensten Richtungen bewegen, um für sie eine musikalische Landschaft zu kreieren. Ich konnte mich auf viele verschiedene Arten auf die Musik konzentrieren und immer diente ihre Stimme als Anker. Darum hatten wir auch nicht das Gefühl, uns bei diesem Album an stilistischen Grenzen orientieren zu müssen, denn diese Stimme durchströmt das gesamte Werk."

Kein Zweifel: In einer Zeit, in der kulturelle Verbindungen quer über die Kontinente mit einem einfachen Mausklick erreicht werden können, wird das Vermischen diverser musikalischer Stile immer gängiger. "Als indischer Musiker ist es heute, in einer Welt, in der es soviel Fusion und Crossover gibt, eine Herausforderung, einen ehrlichen und unverfälschten Weg zu finden, um diese verschiedenen Sounds sinnvoll zu kombinieren", resümiert Shankar. "Unser Endziel war es, mit diesem Album ein aufrichtiges Bild unserer dynamischen Welt zu zeichnen, und zu zeigen, wie wunderschön und natürlich es sein kann, wenn scheinbar nicht zusammengehörende Elemente oder Ideen nebeneinander existieren." Zum Schluss bringt Shankar die für "Breathing Under Water" gemeinsam mit Kale entwickelte Vision auf den Punkt: "Es ist nicht Fusion um ihrer selbst willen - wir wollen die Musik nicht verkopfen. Für uns ist das alles ganz natürlich. Diese ganze Musik, diese vielen Stile und Sounds - das sind wir."

August 2007


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