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Biografie

19.06.2009

Antonio Carlos Jobim

Am 8. Dezember 1994 verstarb in New York einer der ganz großen Songschreiber, Komponisten und Interpreten der brasilianischen Musik: Antônio Carlos Brasileiro de Almeida Jobim. Von amerikanischen Musikjournalisten wird Tom Jobim bis in die heutigen Tage hinein regelmäßig in einem Atemzug mit den ganz großen Autoren des "Great American Songbook" - George Gershwin, Cole Porter, Irving Berlin etc. - genannt. In Brasilien verordnete der damalige Präsident bei Bekanntwerden von Jobims Ableben drei Tage Staatstrauer und in Toms Heimatstadt Rio de Janeiro benannte man den internationalen Flughafen nach ihm um.

Seine Karriere hatte Jobim als Pianist in den Nachtclubs von Rio begonnen. Oft wechselte er sich dort mit seinem Kollegen Newton Mendonça ab, mit dem er Freundschaft schloß und später gemeinsam Hits wie "Desafinado" und "Samba de uma nota só" schrieb. Der erste bekannt gewordene Jobim-Song (auch dieser entstand schon in Zusammenarbeit mit Mendonça) war 1953 "Incerteza". Das Lied wurde damals von Mauricy Moura für das Label Sinter aufgenommen. Ein Jahr später debütierte Jobim auch als Arrangeur für den damals immens populären Dick Farney. 1956 lernte er den Poeten Vinícius de Moraes kennen, der zu seinem wichtigsten musikalischen Partner werden sollte. Zwar schrieb Jobim noch im selben Jahr die Musik für Moraes' Theaterstück "Orfão da Conceição", die erste richtige Kooperation der beiden fand aber erst 1958 beim Komponieren von "Chega de saudade" statt. Das Stück, mit dem die Bossa Nova offiziell das Licht der Welt erblickte, erschien zum ersten Mal auf Elizeth Cardosos Album "Canção Do Amor Demais". Die Gitarre spielte damals ein gewisser João Gilberto, für den dies übrigens sein Plattendebüt war. Der neue Stil namens Bossa Nova fand zwar schon bald darauf auch den Weg in die USA, aber so richtig überschlugen sich die Dinge erst ab 1962, als Tom Jobim und Vinícius de Moraes die unsterbliche "Garota de Ipanema" schufen. Der Song gehört heute zu den meistgespielten der Welt. Noch im selben Jahr reiste Tom Jobim erstmals in die USA, um zusammen mit anderen Größen der brasilianischen Musik eine Bossa Nova-Show in der New Yorker Carnegie Hall zu präsentieren.

1963 nahm er in den USA für das Verve-Label sein erstes internationales Album auf, das den etwas unbeholfenen Titel "The Composer Of Desafinado Plays" trug. Die Arrangements schrieb ihm damals Claus Ogerman, der bis dahin u.a. für Frank Sinatra und Stan Getz tätig gewesen war. 1964 kam bei Warner Bros. als zweites Album "The Wonderful World Of Antônio Carlos Jobim" heraus. Der Erfolg beider Platten in den USA war so überwältigend, daß Jobim beschloß, sich dort niederzulassen. 1965 erschienen gleich zwei neue Einspielungen, bei Verve "Antônio Carlos Jobim" und bei Warner "A Certain Mr. Jobim", beide mit Arrangements von Ogerman, der zwei Jahre später auch beim musikalischen Gipfeltreffen zwischen Frank Sinatra und Tom Jobim (Album: "Francis Albert Sinatra & Antônio Carlos Jobim") federführend war. Nicht zuletzt dank dem gemeinsamen Album mit der amerikanischen Musik-Ikone Sinatra öffnete sich für Jobim in den USA die Tür zum Jazz-Olymp, wo er heute neben den anderen Legenden dieser Musik thront, obwohl seine Bossa Novas nur bedingt Elemente des Jazz enthielten.

Welche Verehrung ihm gerade in den USA entgegengebracht wurde, zeigte sich dort bei seinem letzten Auftritt, der bezeichnenderweise wieder in der New Yorker Carnegie Hall stattfand. Jobim trat dort im April 1994, acht Monate vor seinem Tod, im Rahmen der 50-Jahres-Feier des Verve-Labels gleich zweimal auf: einmal im Duo mit dem Gitarristen Pat Metheny, um seinen Evergreen "Insensatez" ("How Insensitive") zu interpretieren, und dann noch zusammen mit Tenorsaxophonist Joe Henderson, Bassist Charlie Haden und Drummer Al Foster, um "Desafinado" zu spielen. Das Publikum lag ihm beide Male regelrecht zu Füßen. Beide Sessions sind auf der mitgeschnittenen Live-CD "Carnegie Hall Salutes The Jazz Masters: Verve At 50" dokumentiert. Am 8. Dezember 1994 erlag Tom Jobim dann im Alter von nur 67 Jahren in einem New Yorker Krankenhaus einem Herzinfarkt. Seine Lieder werden bis heute von jungen MPB- und Jazzmusikern immer wieder neu interpretiert, und seine Alben sind längst Klassiker, die in keinem gutsortierten CD-Regal fehlen dürfen.