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10.06.2013

Arthur Beatrice, Working Out, 2014

Ausgehend von der Idee, dass die Zusammenführung von Gegensätzen ein perfektes Ganzes ergibt, impliziert der Name Arthur Beatrice weniger Erinnerungen an die Golden Girls, als vielmehr den Prozess der Emergenz.

Die beiden Gründungsmitglieder Orlando Leopard (Gesang/Instrumente) und Elliot Barnes (Drums) begriffen bereits früh im Verlauf ihrer, seit Schulzeiten bestehenden Freundschaft und musikalischen Partnerschaft, dass sie dank ihrer gegensätzlichen Ansichten auf ihrem gemeinsamen Weg einige so interessante wie unvorhersehbare Chancen erwarteten. Auf der Suche nach einer Möglichkeit, ihrem Songwriting eine neue Dynamik zu verleihen, begegneten sie während eines Talentwettbewerbs ihrer Schule Ella Girardot (Gesang/Keyboards), die auf der Bühne derart überzeugend "Pure Shoes" von den All Saints interpretierte, dass die beiden sie auf der Stelle für ihre Band rekrutierten.

Kurz darauf schloss sich ihnen Elliots Bruder Harmish Barnes (Gesang/Gitarre/Bass) an und die kreative Spannung erreichte eine neue Qualität, als er begann, seine eigenen Songs mit einzubringen, die für den Sound der Band schon bald so unverzichtbar sein sollten, wie die Beiträge der anderen Mitglieder.

"Wenn es den einen in die eine, und den anderen in eine völlig entgegengesetzte Richtung zieht, dann kann es passieren, dass man, ohne dafür Kompromisse eingehen zu müssen, genau dazwischen etwas viel Interessanteres entdeckt", beschreibt Orlando den Arbeitsprozess von Arthur Beatrice – und exakt diese Grundidee vom Konflikt als kreativem Motor zeichnet das Songwriting der Band mehr als alles aus:

Jeder einzelne trägt den anderen Mitgliedern seine eigenen Ideen vor, um sie durch deren abweichende Vorstellungen formen zu lassen. Sicher ist es nicht gerade die gängigste Herangehensweise beispielsweise Elliots Lyrics mittels Orlandos und Ellas grundunterschiedlicher Stimmen Leben einzuhauchen, aber es funktioniert. Und während der Schlagzeuger vielleicht mit seiner ureigenen Intention textet, bleiben die Worte letztlich offen für die Interpretationen der beiden tragenden Stimmen - wie auch die der Hörer. Und zwar ganz bewusst.

Ella bezeichnet diese Lyrics als "mehrdeutig", und kombiniert mit Songtiteln, die scheinbar keinerlei Bezug zu ihnen haben, verstärkt sich dieser Eindruck sogar noch. Tatsächlich soll jeder einzelne Songtitel den Hörer ermuntern, den Text noch einmal zu überdenken, wenn ihm auffällt, dass die Worte des Titels gar nicht darin auftauchen.

"Es ist als eine Art ʽBruchʼ gedacht – einer, der dich erkennen lässt, dass da irgendetwas nicht stimmt, und dass du dir den Song noch einmal vornehmen solltest, um herauszufinden, warum er seinen Titel eigentlich trägt."

Girardots Gesang ist – völlig unabhängig von den Lyrics, die größtenteils von ihren männlichen Mitstreitern stammen – zwar gelegentlich kalt und distanziert, aber sehr viel öfter warm und leidenschaftlich; die Art, wie ihre Stimme sich gegen Leopards zurückhaltenden Vortrag stemmt, zwingt den Hörer abermals, die Motivation des Songs zu hinterfragen.

So naheliegend es scheint, einen direkten Dialog zwischen beiden Sängern zu vermuten, wird schnell deutlich, dass ein Duett zweier unglücklich Verliebter gänzlich anders klingen würde. Stattdessen betont der gelegentliche Einklang der Stimmen die unterschiedlichen Perspektiven nur noch mehr - mit dem Ziel, die eigentlich Pop-orientierten Songs auf unkalkulierbareres, weniger vertrautes Gelände zu führen.

Es gibt aus der männlichen Perspektive erzählte Zeilen, die bereits mit dem Vorsatz entstanden, von Ella gesungen zu werden. Indem sie das vermutliche Thema jedes einzelnen Songs zur Disposition stellen, lassen Arthur Beatrice die unterschiedlichsten Interpretationen zu.

 

Die Abneigung der Band, Material zu veröffentlichen, bevor es ausgearbeitet und dann bis zur Besessenheit überarbeitet worden ist, hat zwar zu einem recht spärlichen und unregelmäßigen Output während ihrer Entwicklungsjahre geführt, aber sie sorgt auch dafür, dass Arthur Beatrice alles, was sie tun, mit Bedacht angehen und sorgsam abwägen:

Angefangen bei der penibel zusammengestoppelten Ästhetik, über das Kuratieren einer eigenen Clubnacht namens "Open Assembly", bis hin zur Tatsache, dass sie ihre beiden einzigen, bisher erschienenen Singles "Midland" und "Charity" auf ihrem eigenen Label OAR (Open Assembly Records) veröffentlichten.

 

Für eine solch junge Band, deren Musik aus derart wild zusammengewürfelten Elementen besteht und deren Songwriting aus so vielen unterschiedlichen Perspektiven und musikalischen Einflüssen resultiert, haben Arthur Beatrice die Zügel erstaunlich fest in der Hand. Und sie machen keineswegs den Eindruck, als würden sie diese in absehbarer Zeit schleifen lassen.

 

.Arthur Beatrice sind: Orlando Leopard, Ella Girardot, Hamish Barnes und Elliot Barnes.


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