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26.01.2016

Arthur Beatrice, Biografie 2016

"Keeping the Pace", das zweite Album des Londoner Quartetts Arthur Beatrice, ist eine Platte voller Energie und Strahlkraft. Die neuen Songs spielen verflechten elegant Einflüsse von Indie über R&B zu Electronic, die Melodien entwerfen eine dunkle Version von Pop zwischen Mysterium und Melancholie.

Entstanden ist "Keeping the Pace" im Keller ihrer kleinen Wohnung am Londoner Baltic Place No. 1.

Wie radikal der Wandel vom Debüt war – auf emotionaler wie auf kreativer Ebene – wurde den vier Künstlern erst bewusst, als sie schon mitten in den Aufnahmen steckten. Orlando Leopard, Multiinstrumentalist und Studio-Eremit erklärt: "Bei dieser Platte wollten wir direkter arbeiten. Wir wollten uns nicht hinter vorsichtig formulierten Texten verstecken oder musikalisch zu viel auf einmal machen. Alles auf diesem Album – Texte, Performance, Produktion – sollte eine klare Aussage haben, die sich direkt an den Hörer wendet. Wir wollten, dass sich die Leute unmittelbar angesprochen fühlen."

Die neue Direktheit im Klangbild wird durch die Stimme von Ella Girardot personifiziert, die nun alleinige Sängerin und Frontfrau der Band geworden ist. Auf dem letzten Album teilten sich Ella und Orlando noch die Vocals. Diese männlich/weibliche Dualität spiegelt sich auch im Bandnamen "Arthur Beatrice" wider.

Dass sie auf "Keeping the Peace" alleine singen sollte, fühlte sich richtig und natürlich an, so Ella. Die Entscheidung wurde innerhalb der Band ausführlich diskutiert und gemeinsam getroffen – ein Zeichen dafür, dass alle das Projekt in eine neue, klare Richtung treiben wollten. Für Ella war der Solo-Gesang eine nervenaufreibende, aber letztlich befreiende Erfahrung, die ihr Selbstbewusstsein auf allen Ebenen gestärkt hat: nicht nur künstlerisch, sondern auch persönlich und emotional. "Ich habe mich immer schon eher als Sängerin und Performerin gefühlt und nicht so sehr als Pianistin, die ich vorher war", gesteht sie. "Früher fühlte ich mich oft ziemlich eingeengt auf der Bühne, so hinter meinem Keyboard versteckt. Jetzt kann ich mich frei bewegen und stehe ganz vorne. Das gibt mir mehr Spielraum, die Botschaft unserer Musik rüberzubringen und mich in ihr zu zeigen."

Im Video zur lässigen, von House-Klängen geprägten Single "Who Returned" glänzt Ella in ihrer neuen Rolle: Locker und souverän bewegt sie sich über die Bühne und tanzt. "Ich lerne, ganz ich selbst zu sein", erklärt sie. "Ich bin jetzt Mitte Zwanzig, und vieles in meinem Leben verändert sich. Ich glaube, man nennt das die "Quarter-Life-Krise". Man blickt auf sich und sein Leben und überlegt sich, wie und wer man mit 30 sein möchte."

Orlando sieht es ähnlich: "Als wir mit der Arbeit zu diesem Album anfingen, befanden wir uns alle in einer schwierigen Lebensphase. Es gab viele Konflikte, und es war unglaublich zäh. Irgendwann merkten wir jedoch, was diese schwierigen Momente bedeuteten. Es lag einfach daran, dass uns klar wurde, wer wir sind und was wir eigentlich wollen – nämlich eine emotionalere und menschlichere Platte. Dadurch erhielt der ganze Prozess eine sehr viel größere Eindeutigkeit."

Teil dieses Prozesses war es, dass Arthur Beatrice sich öffneten und neue Leute wie die Produzenten Floating Points und New Jackson mit ins Boot holten. Diese Zusammenarbeit eröffnete ihrem Sound eine neue Dimension. Unter anderem lernten sie das London Contemporary Orchestra kennen, deren üppige Streicherklänge, triumphale Bläsersätze und dramatischen Horn-Fanfaren die träumerischen Pop-Hooks in etwas ganz Eigenständiges verwandeln. Eine mutige Entscheidung, die die Band jedoch nie in Frage stellte. "Wir dachten nie daran, so ein massives, orchestrales Album zu machen, bis es einfach so kam", erklärt Orlando. "Dann allerdings war es eine echte Offenbarung."

"Der verrückteste Moment war es, als wir das Orchester im Church-Studio aufnahmen. Den Tag werde ich nie vergessen", erzählt Ella. Und Orlando ergänzt: "Es setzt unglaublich viel in Bewegung, wenn man plötzlich lauter neue Gesichter und Instrumente um sich hat und mit Equipment umgehen muss, mit dem man noch nie zu tun hatte. Ein echter Kick war es auch, an einem so geschichtsträchtigen Ort aufzunehmen. Nach all der Zeit alleine in unserem winzigen Raum war das extrem inspirierend."

Als weiteren "Externen" holten Arthur Beatrice den Toningenieur und Ko-Produzenten Matt Wiggins an Bord, der als Techniker für Paul Epworth bereits mit Größen wie Adele, Paul McCartney und Lana Del Rey gearbeitet hat. Die Partnerschaft brachte einen weiteren Schuss neuer kreativer Energie in die Band, die mittlerweile in die berühmten Church-Studios in Crouch Hill übergesiedelt war.

Die musikalische Referenzen auf "Keeping the Peace" lässt auf die Neugier der Band für Musik aller Stilrichtungen schließen.

"Wir haben schon immer alles gehört, was uns in die Finger kam", sagte Ella. "Es gibt so viel Musik aus so vielen unterschiedlichen Genres, und man hat so leicht Zugang dazu, dass es schade wäre, nicht in all diese verschiedenen Welten einzutauchen." Auf die Frage, was sie während der Arbeit an dem neuen Album so gehört haben, antworten die vier mit einer schwindelerregenden Aufzählung: Kendrick Lamar, Kasami Washington, Four Tet, Joanna Newsom, Portishead … und das ist nur ein Bruchteil der unendlich langen Liste.

Diese Vielfalt bringt eine eklektische Grundspannung in die Platte, von Ellas fantastisch-opernhaftem Gesang auf dem Pop-Knaller "Real Life", dessen Höhenflüge das Album eröffnen, über die sehnsuchtsvolle Liebesballade "Healing" bis zum jazzigen Intro von "Every Cell".

Als die Band die Musik von Aretha Franklin und Nina Simone "wiederentdeckte", war dies laut Drummer Elliott Barnes ein wichtiger Wendepunkt für das Album – so wichtig, dass sie sogar einen Gospelchor engagierten. "Gospel und Soul habe ich schon immer geliebt, also fühlte sich das einfach richtig an", so Ella. "Es hat mich extrem motiviert, diese Sänger und Sängerinnen zu hören. Das hat mir absolut geholfen, sicherer zu werden. Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich Gesangsunterricht genommen. Ich begann, wirklich bewusst zu singen und zu spüren, wie unsere Musik in mir und durch mich klingt."

Das Ergebnis ist eine Platte, die ihrem hohen Anspruch gerecht wird. In einem Pop-Umfeld, das Exzess zum höchsten Gut erhoben hat, gelingt Arthur Beatrice das seltene Kunststück, gleichzeitig großartig und intim zu sein, überwältigend und doch zart. "Pop bedeutet einfach, gute Songs zu schreiben", definiert es Multiinstrumentalist Hamish Barnes. "Harmonien und Melodien, die viele Menschen berühren. Darum ging es bei dieser ganzen Sache: zu lernen, was uns als Musiker und Menschen berührt und wie sich das zu etwas Universellem machen lässt." Genau das haben Arthur Beatrice mit "Keeping the Peace" getan: Sie haben eine berauschende musikalische Welt geschaffen, die unverkennbar ihre eigene und dabei doch auch ganz unsere ist.

 


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