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04.05.2012

One in a Million - Benjamin Grosvenor spielt Chopin, Liszt und Ravel

Der britische Nachwuchspianist Benjamin Grosvenor erregt seit Jahren großes Aufsehen mit seinem traditionsbewussten und zugleich individuellen Klavierspiel. Nun präsentiert er seine Debütaufnahme “Chopin, Liszt & Ravel” für Decca.

Benjamin Grosvenor, One in a Million © Sussie Ahlburg

Die Mutter, eine Klavierlehrerin, wollte den Jungen im Alter von fünf Jahren an das Klavierspielen heranführen. Doch Benjamin Grosvenor zeigte zunächst keine große Begeisterung für das Instrument. Erst als einige Mitschüler begannen, das Klavier zu traktieren, packte ihn der Ehrgeiz - er wollte besser sein. “Meine Mutter wurde auf mein Talent aufmerksam als ich acht Jahre alt war”, erinnert sich Grosvenor. “Sie gab mir den Chopin-Walzer in Es-Dur, den ich viel schneller lernte als ihre älteren Schüler. Und ich zeigte ein tieferes emotionales Verständnis für die Musik.”

Glänzende junge Karriere

Aus dem kindlichen Ehrgeiz entwickelte sich eine innige Liebe zur Klaviermusik und der Wunsch, Konzertpianist zu werden. Im Alter von 10 Jahren erreichte Grosvenor 2003 das Finale der BBC Young Musician Competition für Nachwuchspianisten und im darauffolgenden Jahr wurde er jüngster Gewinner in der Geschichte des Wettbewerbs. Mit 13 debütierte er in der New Yorker Carnegie Hall und in der Londoner Royal Albert Hall. Seither feiern internationales Publikum und Presse das Ausnahmetalent, The Independent lies sich gar zu dem Ausruf hinreißen, er sei “one in a million - several million.” Im Jahr 2011 nahm die Decca mit Benjamin Grosvenor mehr als ein halbes Jahrhundert nach Clifford Curzon, Moura Lympany und Peter Katin erstmals wieder einen britischen Pianisten unter Vertrag.

Debütalbum für Decca

Soweit zu den beeindruckenden Äußerlichkeiten dieser jungen Karriere. Werfen wir nun einen Blick auf das Debütalbum Benjamin Grosvenors für Decca. Das Label hat dem 19-Jährigen für die Zusammenstellung des Repertoires völlig freie Hand gelassen. Und es tat gut daran. Denn neben seiner stupenden Tastenbeherrschung beweist Grosvenor eine erstaunliche künstlerische und intellektuelle Reife. Ins Zentrum der Aufnahme “Chopin, Liszt & Ravel” stellte er die vier Scherzi Chopins und Ravels “Gaspard de la nuit”. Hinzu nahm er eine Auswahl früher Chopin-Nocturnes und Liszt-Transkriptionen von Liedern des polnischen Komponisten sowie Liszts Spätwerk “En rêve”.

Kluge Binnengliederung des Albums


Es lohnt sich, Grosvenors Ausführungen zur Binnenstruktur des Albums Gehör zu schenken: “Ich hatte mir immer vorgenommen, die Scherzi nicht in numerischer Abfolge zu spielen. Denn für mich fühlt sich das Zweite wie ein Schlussstück an, während das Erste einen Anfang markiert”, so der Pianist. “So entschied ich mich, das erste Scherzo an den Anfang, das zweite an den Schluss und dazwischen das dritte und vierte zu setzen. Als es nach Abschluss der Aufnahmen an die Zusammenstellung der CD ging, erschien es mir sinnvoll, je ein Nocturne zwischen den Scherzi zu platzieren, um Atempausen von der Dramatik der größeren Stücke zu schaffen.”

Chopin durch das Prisma Liszts

Doch wie verknüpft man Chopin und Ravel? “Die naheliegendste Wahl für die nötige Verbindung schien mir Liszt zu sein”, kommentiert Grosvenor. “Meine Idee war, von Chopin zu den Liszt-Transkriptionen der Chopin-Lieder zu gehen, Chopin gleichsam durch das Prisma Liszts zu betrachten. Und von dort aus geht es zum eigentlichen Verbindungsstück zu Ravel, dem großartigen ‘En rêve’ von Liszt. Es gehört zu den Spätwerken des Komponisten, die zahlreiche Anknüpfungspunkte für Ravels musikalisches Denken bereithielten.”

Furchtlosigkeit und Individualität


Benjamin Grosvenor fühlt sich besonders zu den Vertretern des Goldenen Zeitalters des Klavierspiels hingezogen. Alte Aufnahmen von Cortot, Schnabel, Lipatti oder Moisewitsch bieten ihm einen reichen Fundus heute nur noch selten zum Einsatz gebrachter musikalischer und pianistischer Mittel. Und vor allem bewundert er die ausgeprägte Eigenwilligkeit und Furchtlosigkeit der legendären Pianisten. “Das Wunderbare an dieser Generation von Pianisten war ihre Individualität: Jeder hatte eine eigene Stimme, einen eigenen Klang und eine Art sich auszudrücken, die unmittelbar wiedererkennbar ist. Heute, scheint mir, ist das vielleicht verloren gegangen.” Mit seinem herausragenden Debüt für Decca präsentiert sich Benjamin Grosvenor als eine viel versprechende und unverwechselbare Stimme der internationalen Pianistenszene.


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