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30.09.2010

Die Marke Berliner Philharmoniker

Die Edition könnte auch rund 130 CDs umfassen, für jedes Jahr der Berliner Philharmoniker eine. Doch die Kunst liegt in der Beschränkung - so umfasst sie exemplarische Aufnahmen auf 5 CDs und einer DVD

Die Berliner Philharmoniker, Die Marke Berliner Philharmoniker © Siegfried Lauterwasser / DG

Eine der Leistungen der Berliner Philharmoniker ist es, dass sie den eigenen Namen als Markenzeichen für interpretatorische Qualität haben etablieren konnten. Das hängt zum einen mit den großen Persönlichkeiten zusammen, die als Dirigenten das Orchester geprägt haben. Es ist aber auch ein Verweis auf die Besonderheit des Ensembles an sich, das einerseits einen unverwechselbaren Klang hat, sich aber ebenso von verschiedenen Maestri nach deren gestalterischer Haltung formen lässt. Dieser produktive Gegensatz von Kontinuität und Vielseitigkeit hat die Geschichte des berühmten Orchesters seit fast 130 Jahren geprägt und ist auch ein Schwerpunkt der CD-Box „Die Berliner Philharmoniker – Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft“. Denn anhand von vier großen Dirigenten und deren Maßstäbe setzender Arbeit wird hier die besondere kreative Qualität des Weltklasseorchesters ins Zentrum gestellt.

Genau genommen müsste man auch Persönlichkeiten wie Hans von Bülow und Arthur Nikisch würdigen, die in den ersten Jahrzehnten das grundlegende Profil des Orchesters entwickelt haben. Wirklich hörenswerte Aufnahme gibt es aber aus technischen Gründen erst ab der Ära Wilhelm Furtwänglers, der erstmals von 1922 bis 1945 und dann noch einmal von 1952-54 die künstlerischen Geschicke der Berliner Philharmoniker bestimmt hat. Er ist mit Symphonien von Robert Schumann und Joseph Haydn vertreten, die 1952/3 mit ihm gemacht wurden und seine zugleich leidenschaftliche und disziplinierte Orchesterführung vor allem mit dem legendären Schumann dokumentieren.

Nach seinem Tod übernahm 1954 einer der agilsten Dirigenten seiner Zeit den Taktstock der Philharmoniker: Herbert von Karajan. Bis 1989 leitet er das Orchester und baute den von seinen Vorgängern geschaffenen internationalen Ruf des Spitzenensembles mit viel Geschick und Könnerschaft aus. Karajan ist daher mit zwei Beethoven-Symphonien vertreten, deren moderne Klanggestalt er im Verbund mit den Philharmonikern nachhaltig prägte. Und er darf noch einmal die junge Anne-Sophie Mutter entdecken, mit ebenfalls längst berühmt gewordenen Aufnahmen der Violinkonzerte von Max Bruch und Felix Mendelssohn aus dem Jahr 1981.

Nach dem Tode Herbert von Karajans, schien es zunächst, als müsste sich jeder mögliche Nachfolger seinem klaren Orchesterprofil beugen. Umso faszinierender war es mitzuerleben, mit welcher Präzision und Selbstverständlichkeit sein Erbe Claudio Abbado von 1989 an das Orchester zu wiederum neuen und eigenständigen Klangvorstellungen führte. Umjubelt wurde vor allem sein Mahler-Zyklus, der in der Box mit der 5.Symphonie gewürdigt wird. Außerdem ist eine CD frühen Abbado-Aufnahmen gewidmet, als der Mailänder bereits 1967 als Gast mit den Philharmonikern arbeitete und unter anderem Klavierkonzerte von Prokofieff und Ravel mit der jungen Martha Argerich als Solistin für die Deutsche Grammophon festhielt.

Und so schließt sich der Kreis zur Gegenwart und Sir Simon Rattle, der seit 2002 wiederum seinen Stil mit dem Orchester verwirklicht. Er ist mit dem Konzert auf der Berliner Waldbühne von 2009 als DVD vertreten, wo er sich neben Tschaikowsky und Rachmaninoff mit Igor Strawinskys „Le Sacre du Printemps“ dem Schlüsselwerk der symphonischen Moderne zuwendet. Das alles bildet bereits einen großen Bogen der Schaffenskraft der Berliner Philharmoniker ab. Die Box beinhaltet darüber hinaus aber auch noch einen Link in die Zukunft, denn sie enthält auch einen 24h-Gutschein für die Digital Concert Hall, den Internetauftritt des Orchesters, der es ermöglicht, live über das World Wide Web bei Konzerten der Philharmoniker dabei zu sein. „Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft“ steht als Slogan auf der Box. Die Berliner Philharmoniker halten dieses Versprechen.


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