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06.09.2013

Die Berliner Philharmoniker Jahrhundert-Edition: 10 Journalisten präsentieren ihre Lieblingsaufnahmen

Die Berliner Philharmoniker, Die Berliner Philharmoniker Jahrhundert-Edition: 10 Journalisten präsentieren ihre Lieblingsaufnahmen © Harald Hoffmann / DG

Endlich ist es soweit: Deutsche Grammophon und die Berliner Philharmoniker feiern ihre 100-jährige Partnerschaft. Aus diesem Anlass gibt es eine Jubiläums-Box mit den besten Aufnahmen der letzten 100 Jahre. Ausgewählt wurden die Werke von 37.000 Klassik-Liebhabern aus aller Welt und darunter befindet sich beispielsweise die erste Gesamtaufnahme eines sinfonischen Werkes: Beethovens 5. Sinfonie unter Arthur Nikisch.

Wir haben zehn Journalisten gebeten, sich durch die 50 Aufnahmen zu hören. Dies haben alle gerne und mit viel Engagement getan und nun ihre zehn Lieblingsaufnahmen auserkoren. Warum beispielsweise Lucas Wiegelmann von der Welt am Sonntag ausgerechnet diese Aufnahme und nicht wie Manuel Brug von Die Welt jene auswählte, das werden wir Ihnen im wöchentlichen KlassikAkzente-Newsletter präsentieren.

Zehn Lieblingsaufnahmen von Lucas Wiegelmann (Welt am Sonntag):

  1.  Bruckner, 7. Sinfonie/Horenstein (CD Nr. 3): Obwohl die Deutsche Grammophon zu der Zeit bereits mit Größen wie Furtwängler oder Klemperer Platten aufnahm, vertraute sie dieses Projekt dem gerade mal dreißigjährigen Jascha Horenstein an: die erste elektroakustische Aufnahme einer Brucknersinfonie überhaupt. Das Ergebnis: eine ikonische Interpretation, auf erstaunlich hohem klanglichen Niveau.

  2. Beethoven, 5. Sinfonie/Furtwängler (CD Nr. 5): So eine radikale, wuchtige Aufnahme wäre heute nur noch schwer vorstellbar. Furtwängler dirigiert Beethoven so eigenwillig, so frei, dass man beim Zuhören oft die Anweisungen der Partitur kaum noch erraten könnte. Das macht seine Interpretationen zu einem persönlichen, unverwechselbaren Glaubensbekenntnis.

  3. Hindemith, Mathis-Sinfonie/Hindemith (CD 13): Ein Dokument: Auf Furtwänglers Bitte hin schreibt Hindemith eine Sinfonie für die Berliner Philharmoniker, die Musik dazu stammt aus seinem aktuellen Projekt, der Oper „Mathis der Maler“. Die Uraufführung des gefälligen, sehr wirkungsvollen Stücks wird ein Erfolg – doch bald danach verbieten die Nazis Hindemiths Musik und treiben den Komponisten ins Exil. Nach dem Krieg kann Hindemith wieder mit den Philharmonikern arbeiten, wovon unter anderem diese Aufnahme seiner Mathis-Sinfonie Zeugnis gibt.

  4. Strauss, Ein Heldenleben/Karajan (CD Nr. 15): Eine Erinnerung an den langjährigen Konzertmeister Michel Schwalbé, der im Oktober 2012 gestorben ist. Wenn er zum „Heldenleben“-Geigensolo ansetzte, ließ er seinen Ton herausfordernd strahlen; seine Interpretation hatte bei aller Energie aber auch stets etwas Verspieltes, Augenzwinkerndes. Was gut zur Doppelbödigkeit des Straussschen Pathos passt.

  5. Beethoven, Klavierkonzerte/Kempff/Leitner (CD Nr. 18): Wilhelm Kempff auf dem Höhepunkt seiner Meisterschaft: Er gestaltet Beethovens Konzerte romantisch, ohne je schwülstig zu werden. Kempffs Klangspektrum ist überwältigend; unter seinen Fingern hört sich das Klavier mal hell an wie ein Glockenspiel, mal gedeckt wie unter einem Daunenkissen. Als besondere Dreingabe spielt der Komponist Kempff im G-Dur-Konzert seine eigenen Kadenzen.

  6. Prokofieff/Ravel, Klavierkonzerte/Argerich/Abbado (CD 22): Die junge Martha Argerich schaffte mit diesem Bestseller endgültig ihren internationalen Durchbruch, weil diese Musik ihr virtuoses, zupackendes Spiel besonders gut zur Geltung bringt. Manchmal enteilt sie vor lauter Energie sogar den begleitenden Philharmonikern.

  7. Dvorak/Cellokonzert/Rostropovich (CD 23): Rostropovich, der Komponistenversteher. Er war nicht nur mit Prokofieff und Schostakowitsch befreundet. Er hatte auch eine Verbindung zu Dvorak, jedenfalls indirekt. Er studierte dessen Cellokonzert mit dem tschechischen Dirigenten Vaclav Talich, der Dvorak noch persönlich gekannt hatte. Dieses Konzert wurde Rostropovichs Paradestück, weil es ihm reichlich Gelegenheit gab, seinen weiten, verschwenderischen Ton auszukosten.

  8. Wagner/Götterdämmerung/Karajan (CD 24): Die Philharmoniker sind ein Sinfonieorchester, aber zu ihren wichtigsten diskografischen Meilensteinen gehört ein Opernzyklus. Karajans Interpretation des „Ring des Nibelungen“ aus den Sechzigern ist bis heute eine Referenzaufnahme. Was vor allem an der orchestralen Pracht liegt; Karajan selbst berauschte sich so sehr am Klang seiner Philharmoniker, dass er ihnen sogar erlaubte, hin und wieder die Sänger in den Hintergrund zu drängen.

  9. Mahler, 9. Sinfonie/Bernstein (CD Nr. 32): Karajan duldete keinen Gott neben sich. Das soll der Grund gewesen sein, warum er Leonard Bernstein nie nach Berlin zum Dirigieren einlud. Bernsteins einzige Zusammenarbeit mit den Philharmonikern 1979 ging auf die Initiative des Orchesters zurück – und ist in diesem Radiomitschnitt verewigt. Lebendiger, klanglich besser als Bernsteins andere Aufnahmen dieses Werks.

  10. Mahler, 6. Sinfonie/Abbado (CD 48): Vielleicht die beste Aufnahme dieses Stücks, die es überhaupt gibt. Der vom Krebs geheilte Abbado kehrt 2004 im Triumph an seine alte Wirkungsstätte zurück und dirigiert ausgerechnet die schicksalsschwere Sechste voller Wärme und Vitalität. Das Orchester setzt vor allem im langsamen Satz Maßstabe in Sachen Klangschönheit.

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