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18.09.2013

Die Berliner Philharmoniker Jahrhundert-Edition: 10 Journalisten präsentieren ihre Lieblingsaufnahmen

Die Berliner Philharmoniker, Die Berliner Philharmoniker Jahrhundert-Edition: 10 Journalisten präsentieren ihre Lieblingsaufnahmen © Deutsche Grammophon

Endlich ist es soweit: Deutsche Grammophon und die Berliner Philharmoniker feiern ihre 100-jährige Partnerschaft. Aus diesem Anlass gibt es eine Jubiläums-Box mit den besten Aufnahmen der letzten 100 Jahre. Ausgewählt wurden die Werke von 37.000 Klassik-Liebhabern aus aller Welt und darunter befindet sich beispielsweise die erste Gesamtaufnahme eines sinfonischen Werkes: Beethovens 5. Sinfonie unter Arthur Nikisch.

Wir haben zehn Journalisten gebeten, sich durch die 50 Aufnahmen zu hören. Dies haben alle gerne und mit viel Engagement getan und nun ihre zehn Lieblingsaufnahmen auserkoren.

Zehn Lieblingsaufnahmen von Volker Blech (Kulturredaktion / Berliner Morgenpost):

  1. Arthur Nikisch mit Beethoven 5 (CD Nr. 1)
    Es ist schon unglaublich, mit welcher Dramatik und zugleich großer Seele die Berliner Philharmoniker bereits 1913 gespielt haben. Ihre allererste Einspielung eines kompletten Werks offenbart außerdem noch eine große Folgsamkeit gegenüber Arthur Nikisch, der zu diesem Zeitpunkt dem Orchester schon fast zwei Jahrzehnte vorstand.
  2. Wilhelm Furtwängler 2. Sinfonie (CD Nr. 7)
    Zwei Jahre nach der Einspielung hatte der schwerhörige Wilhelm Furtwängler große Probleme mit dem Fagott-Solo zu Beginn. Dabei hatte die Firma Siemens ihm  1954 ein spezielles Hörgerät angefertigt, das der Dirigent in einer Probe ausprobieren wollte. Nach einer Viertelstunde des Rauschens im Ohr winkte er deprimiert ab. Gut zwei Monate später starb er. In die spätromantische Schwelgerei mischt sich beim Hören  seither mehr Tragisches.
  3. Claudio Abbado, Martha Argerich mit Prokofjews 3. Klavierkonzert (CD Nr. 22)
    Es ist Martha Argerich frühe, aufsässige Einspielung von Prokofjews drittem Klavierkonzert. Das war 1967 und Claudio Abbado folgt am Pult der Mittzwanzigerin. Die energiegeladene Interpretation besticht durch ihre brillante Quecksilbrigkeit.
  4. Igor Markevitch mit Mussorgskis „Picture at an Exhibition“ (CD Nr. 11)
    Diese Bilder einer Ausstellung werden mit Igor Markevitch nicht abgeschritten, sondern mit liebevoller Geste fast umtanzt. Es ist eine sinfonische Märchenstunde, die voller Klarheit in die Bildgeschichten einführt. Aber von wegen Märchen: Der Dirigent erzählt nichts als die Wahrheit.
  5. Ferenc Fricsay dirigiert „Die Moldau“ 1953 und 1960 (CD Nr. 10)
    „Die Moldau“ war ein Vorzeigestück von Ferenc Fricsay. Der Dirigent, der gerade im Nachkriegs-Berlin viele musikalische  Spuren hinterlassen hat, näherte sich dem Smetana-Stück mit der ihm eigenen zielgerichteten Elastizität. Spannend ist der Vergleich der beiden Aufnahmen von 1953 und 1960. Die spätere Moldau ist ungestümer, kraftvoller dahinströmend.
  6. Leonard Bernstein Mahler 9 (CD Nr. 32)
    Auch wenn Leonard Bernstein nur einmal mit den Berliner Philharmonikern zu einer Aufnahme zusammenfand, diese Neunte von Gustav Mahler hat es in sich. Mit geradezu fiebriger Emotionalität führt Bernstein durchs Geschehen. Ein schneidiger, berauschender Mahler, immer auf dem Weg, die Spitze zu erklimmen oder halt abzustürzen.
  7. Claudio Abbado Mahler 4 (CD Nr. 48)
    Claudio Abbados musikalische Altersweisheit führt in eine fast schwebende Entrücktheit. Aber das ist bei seiner Vierten von Gustav Mahler nur die halbe Wahrheit. Denn da gibt es auch noch den Charme des Morbiden, der unsere Welt im Inneren zusammen hält.
  8. Richard Strauss dirigiert den Schleiertanz (CD Nr. 2)
    Es ist schon erhellend zu erfahren, was im Komponisten gefühlsmäßig vorging, als er Salomes Schleiertanz imaginierte. Strauss dirigiert Strauss: Es ist, als ob die Musik selber – aus männlicher Sicht – der Salome auf die Pelle rückt. Zieh dich aus!, fordert die Musik. Sie wirkt ziemlich drängend, zugleich sehr lakonisch und deutlich weniger orientalisierend als man es von den Opernbühnen heute gewohnt ist.
  9. Herbert v. Karajan, Anne-Sophie Mutter Mendelssohn Violinkonzert (CD Nr. 34)
    Sie ist sein Ziehkind, seine Entdeckung. Man spürt, wie Herbert von Karajan der blutjungen Anne-Sophie Mutter seine Klangwelten eröffnet. Mendelssohns Violinkonzert von 1981 lebt von der Entdeckerlust des Wundertalents. Noch pflegt die Geigerin nicht das formschöne Ausstellen von Klangdetails, sondern erobert sich das musikalische Material in virtuoser Spontanität.
  10. Pierre Boulez Bolero (CD Nr. 43)
    Der Bolero ist schlichtweg ein Publikumshit. Nun mag man dem dirigierenden Komponisten Pierre Boulez gerne nachzusagen, bei ihm gehe das Durchgezählte über die Leidenschaft. Aber gerade bei Ravels Bolero muss der Mann am Pult die Entwicklung des Immergleichen zulassen. Boulez kommt schnell zum Schluss.  

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