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10.10.2013

Die Berliner Philharmoniker Jahrhundert-Edition: 10 Journalisten präsentieren ihre Lieblingsaufnahmen

Die Berliner Philharmoniker, Die Berliner Philharmoniker Jahrhundert-Edition: 10 Journalisten präsentieren ihre Lieblingsaufnahmen © Deutsche Grammophon

Endlich ist es soweit: Deutsche Grammophon und die Berliner Philharmoniker feiern ihre 100-jährige Partnerschaft. Aus diesem Anlass gibt es eine Jubiläums-Box mit den besten Aufnahmen der letzten 100 Jahre. Ausgewählt wurden die Werke von 37.000 Klassik-Liebhabern aus aller Welt und darunter befindet sich beispielsweise die erste Gesamtaufnahme eines sinfonischen Werkes: Beethovens 5. Sinfonie unter Arthur Nikisch.

Wir haben zehn Journalisten gebeten, sich durch die 50 Aufnahmen zu hören. Dies haben alle gerne und mit viel Engagement getan und nun ihre zehn Lieblingsaufnahmen auserkoren.

Zehn Lieblingsaufnahmen von Manuel Brug (Redakteur für Die Welt/Welt am Sonntag) mit exklusiven Hörproben:

  1. Schubert: 9. Sinfonie – Wilhelm Furwängler
    Ja, hier gibt es himmlische Längen, ein Titan misst sich am anderen. Natürlich spielt und hört man heute Schubert anders, mehr aus dem historisch aufgeklärten Geist der Frühklassik, als wichtiges sinfonisches Bindeglied bis hin zu Schönberg. Doch wenn schon Gravitas, dann so: in jeder Note erfüllt und empfunden.
  2. Dvorák: 9. Sinfonie – Ferenc Fricsay
    Dirigieren hatte bei dem viel zu früh verstorbenen Ferenc Fricsay immer etwas Drängendes, da war stets ein Müssen, ein voran Wollen spürbar. Dvoraks. 9. Sinfonie tut das gut, nie wird es gemütvoll, immer klingt es modern und doch gerundet. Ganz zu schweigen vom himmlischen Englischhorn im 2. Satz. Auch damals hatten die Philharmoniker schon Supersolisten.
  3. Berlioz: Symphonie Fantastique – Igor Markevitch
    Markevitch war immer eine wunderbare Mischung aus Analyse und Temperament. Und er hat seine Anfänge als Ballettdirigent bei Diaghilev nie verleugnet. Also genau die richtige Mischung für die strahlenden Ballbilder, aber auch die schwülen Opiumträume und den Hexensabbat in Berlioz’ sinfonischem Künstlerleben. Und den Berlinern hat ein Schuss gallisches Blut immer schon gut getan.
  4. Straus: Ein Heldenleben – Karajan
    Der Held als junger, chevalesker, kampfeslustiger Mann. Karajan in ehrlich unverblümten Sechzigerjahre-Stereo mit seiner allerersten DG-Studioeinspielung. Das Orchester zeigt entspannt und ohne den glanpolierten Sund der späteren Ära, zu was es fähig ist. Zudem flirtet des Chefs Lieblingskonzertmeister Michel Schwalbé als herrlich unallürenhafte, schmalzfreie Geigengefährtin.
  5. Prokofieff/Ravel Klavierkonzerte Nr.3 und G-Dur – Argerich/Abbado
    Eine geliebte Aufnahme in meinem Regal, schon seit LP-Zeiten! An deren Status sich nichts geändert hat. Finesse, Witz und Können in zwei so motorisch kraftvollen wie sensibel ausgehörten Klavierklassikern des 20. Jahrhunderts. Schon das Cover erzählt von einer tiefen Künstlerfreundschaft und einem Plattenfirmenanfang, dem ein sehr besonderer Zauber inne wohnte. Und das Schönste: die wunderbare Martita spielt diese Konzerte auch mit 72 noch als argentinischer Feuerball, aber immer elegant!
  6. Dvorák: Cellokonzert – Rostropovitch/Karajan
    Ein absoluter Klassiker. Slawa auf der Höhe seiner virtuosen wie empfindungsstarken Kunst beim gemeinsamen Spiel mit partnerschaftlichen Begleitern, die nicht dominieren, sondern verfeinern wollen. Und Karajans österreichisches Erbe trifft sich auf das Schönste mit melancholisch grundierter russischer Daseinsfreunde. Mehr Reverenz geht nicht. Bis heute unerreicht.
  7. Schönberg, Webern: Variationen für Orchester, Passacaglia – Karajan
    Bei keinem anderen erscheinen Schönbergs hochvirtuos-sperrige Variationen für Orchester so transzendent leuchtend, so klar strukturiert, so souverän lustvoll intoniert. Hier sind Meister am Werk, denen die Mühe des langwierigen Probens in keiner Sekunde anzuhören ist. Nie umgab die Zweite Wiener Schule (auch in der Beigabe Webern) so viel Sinn und Sinnlichkeit. Und so viel unangestrengte Modernität.
  8. Mendelssohn, Bruch: Violinkonzerte – Mutter, Karajan
    Zwei Werke, die nach einer jugendlich frischen, aufgeweckten, lustvoll virtuosen Seele suchen. Die sich gern einem Mentor anvertraut, der sie sicher führt, der sie strahlen und blühen lässt, der sich am Talent wie an der Musik freut. Das hört man bei diesem Versprechen, zwischen der 18-jährigen, beherzt musikantischen Ausnahmegeigerin und dem ungewöhnlich feinfühligen, 73-jährigen Übermaestro. Karajan hat viele Talente geformt, aber die Beziehung zu Anne-Sophie Mutter war immer eine besondere – und diese Platte ist eine ihrer schönsten Früchte.
  9. Mahler: 9. Sinfonie – Bernstein
    Nicht nur das Dokument einer wahrlich einzigartigen Begegnung, sondern auch eine ehrliche, schonungslose Erschließung einer grandios sinfonischen Landschaft, die durch Klang wie Intellekt gleichsam geprägt ist. Seltsam, dass der Jude Bernstein mit der Musik des Juden Mahlers gerade bei den einst braun eingefärbten Eliteklangkörpern Wiener wie Berliner Philharmoniker seine aufrüttelndsten, aber einfach auch richtigsten und damit wichtigsten Tondokumente  vorlegte. Und hier ist zudem alles live und ohne Retousche.
  10. Mahler: 6. Sinfonie – Abbado
    Das Mahler-Orchester, als das es früher viel zu wenig wahrgenommen wurde, mit einer der spröderen, nicht nur durch Schönklang zu bewältigenden Mahler-Sinfonien. Claudio Abbado setzte hier bei seinem ersten Dirigat nach der Aufgabe des Chefpostens wie immer auf individuelles Mithören, nicht auf autoritäre Politur. Das hört man hier wunderfein. Die Philharmoniker hatten ihre Lektion gelernt. Und das „Tragische“ des Stückes ist immer auch eine Suche nach Hoffnung. Manuel Brug

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