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19.08.2015

Große Sinfonien – Sternstunden der Berliner Philharmoniker

Sie gelten als eines der ausdrucksstärksten Orchester weltweit. Jetzt veröffentlicht Deutsche Grammophon Schlüsselaufnahmen der Berliner Philharmoniker: Große Sinfonien in Meistereinspielungen Herbert von Karajans, Claudio Abbados u.a.

Die Berliner Philharmoniker, Große Sinfonien – Sternstunden der Berliner Philharmoniker © DG

Wie oft sind sie schon als das beste Orchester der Welt beschworen worden! Irgendetwas muss dran sein. Aber was bedeutet dieses Urteil eigentlich?

Leidenschaft und Perfektion: Die Berliner Philharmoniker

Simon Rattle, seit 2002 Dirigent der Berliner Philharmoniker, mag den Superlativ nicht. Es ginge bei der Bewertung von Orchestern nicht um einen Wettbewerb, so der britische Dirigent gegenüber dem Magazin concerti. Aber worum geht es dann? Es geht um den besonderen Geschmack, den typischen Ton eines Orchesters, der sich trotz wechselnder Dirigenten über einen längeren Zeitraum erhält. Die Dirigenten setzen individuelle Maßstäbe. Sie geben den Werken, die sie interpretieren, eine bestimmte Richtung.

Aber der Klang eines Orchesters ist eine Größe für sich. Er führt ein Eigenleben. Er bildet sich irgendwann heraus, und dann bleibt er. Das macht den Reiz großer Orchester aus, und bei den Berliner Philharmonikern ist es die rätselhafte Verbindung von Perfektion und Leidenschaft, die immer wieder Staunen auslöst. Es gibt wahrscheinlich kein Orchester, das so fein abgestimmt ist, so perfekt klingt und zugleicht doch gar nicht statisch wirkt, sondern überaus lebendig, ja entfesselt aufspielt.

Beeindruckende Ahnengalerie: Petrenkos Vorgänger

Das prädestiniert die Berliner Philharmoniker für romantische Orchestermusik, und es ist kein Zufall, dass sie in ihrer langen Geschichte oft mit Dirigenten zusammentrafen, die auf dem Terrain der romantischen Interpretationskunst große Persönlichkeiten waren: allen voran Hans von Bülow, der noch bei Richard Wagner lernte, später dann Wilhelm Furtwängler und in der zweiten Hälfe des 20. Jahrhunderts schließlich der unvergessene Herbert von Karajan.

Mit Abbado und Rattle folgten Persönlichkeiten, die den Klangkörper diskret modernisierten, und Kirill Petrenko, der 2018 das Erbe von Simon Rattle antreten wird, gilt als hochromantischer, akribisch arbeitender Dirigent. Das verbindet ihn mit vielen seiner Vorgänger, die als feste Größe oder als Gastdirigent bei den Berliner Philharmonikern wirkten, und wie fruchtbar diese Tradition war, welch eindrucksvolle Resultate sie im 20. Jahrhundert zeitigte, bestätigt jetzt einmal mehr die Edition "Berliner Philharmoniker – Great Symphonies".

Passendes Repertoire: Romantische Sinfonien

Die Sammlung umfasst 8 CDs und enthält Schlüsselinterpretationen romantischer und spätromantischer Sinfonien. Mit Beethovens Sinfonien Nr. 5 und Nr. 7 (Ferenc Fricsay), Bruckners Sinfonie Nr. 7 (Eugen Jochum), Mendelssohns Sinfonien Nr. 4 und Nr. 5 (Lorin Maazel), César Francks einziger Sinfonie in d-Moll (Carlo Maria Giulini) und Tschaikowskys Sinfonie Nr. 6 ("Pathétique", Igor Markevitch) finden sich romantische Klassiker in der Sammlung, die wie geschaffen sind für den sublimen Klangkörper des Traditionsorchesters.

Dass die Berliner Philharmoniker auch explodieren können, beweist Bernard Haitinks energische Aufnahme von Mahlers Sinfonie Nr. 5. Claudio Abbados Interpretation von Dvořáks berühmter Sinfonie Nr. 9 ("Aus der Neuen Welt") hinwiederum zeigt, wie blendend sich das Orchester auf die Entfaltung elegischer Melodien versteht. Ein Solitär in der Sammlung ist Karajans Aufnahme von Saint-Saëns' erhabener Orgelsinfonie. Hier kommt man in den Genuss der Orgel von Notre Dame, gespielt von Pierre Cochereau.

Den unverwechselbaren Ton des Orchesters hört man in allen Aufnahmen heraus, und das ist umso erstaunlicher, als sich die Einspielungen über einen Zeitraum von fünf Jahrzehnten erstrecken: von Jochums früher Bruckner-Aufnahme aus dem Jahre 1952 (noch in Mono) bis hin zu Abbados Dvořák-Aufnahme aus dem Jahre 1997. Doch bei aller klanglichen Kontinuität: Die Sammlung ist auch deshalb so reich, weil die vielen hier aufgebotenen und im Temperament höchst unterschiedlichen Dirigenten dem Orchester ihren persönlichen Stempel aufdrückten.    


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