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08.11.2006

Viel Kunst, viel Ehr'

Die Berliner Philharmoniker, Viel Kunst, viel Ehr'

Für die Berliner Philharmoniker wird es ein wichtiges Jahr. Denn 2007 feiert das international als eines der Besten geltende Ensemble sein 125-jähriges Bestehen. Man wird viele Konzerte hören können, sich aber auch erinnern wollen an die erfolgreichen Dekaden der Vergangenheit, die Meister der Dirigierkunst wie Wilhelm Furtwängler, Herbert von Karajan oder Claudio Abbado prägten. Aus diesem Grund sichteten die Spezialisten der Deutschen Grammophon die Aufnahmen der Archive und stellten für die preiswerte Einsteigerserie eloquence eine Box mit 12 CDs zusammen: Die "125 Jubiläums-Edition der Berliner Philharmoniker"

Am Anfang standen finanzielle Probleme. Zwar hatten sich anno 1882 die 54 Musiker der "Früheren Bilseschen Kapelle" von ihrem knickrigen Orchesterleiter Benjamin Bilse verabschiedet. Es stellte sich jedoch als durchaus aufreibende Arbeit heraus, für das Ensemble einen Terminkalender zu füllen, der ein wenig Unabhängigkeit gewährleistete. So beschloss man fünf Jahre später, den Konzertagenten Hermann Wolff zu engagieren. Es war eine weise Entscheidung, denn der neue Mann im Boot sorgte dafür, dass das umbenannte "Berliner Philharmonische Orchester" den Weg in die internationale Welt der Klassik fand. Er kümmerte sich nicht nur um die Engagements, sondern auch um passende Dirigenten. Als erster kam Hans von Bülow, der zuvor bereits die Meininger Hofkapelle auf Vordermann gebracht hatte. Er blieb fünf Jahre und setzte Standards, die sein Nachfolger Arthur Nikisch von 1895 an über einen Zeitraum von 27 Jahren mit einem Repertoireschwerpunkt auf Tschaikowsky, Berlioz, Liszt, Strauss, Mahler und Bruckner hinweg ausbauen konnte. Nach seinem Tod kam 1922 mit Wilhelm Furtwängler ein weiteres Genie ans Pult der Berliner Philharmoniker, der durch seine Vorliebe für klassische, romantische und aktuelle Komponisten das Orchester zum Spezialisten für Beethoven, Brahms und Bruckner machte, zugleich aber auch zeitgenössische Klänge etwa von Strawinsky, Schönberg, Hindemith oder Prokofjew auf den Spielplan nahm. Mit ihm zog das Ensemlbe um die Welt und machte sich international bekannt als eine der Referenzgrößen sinfonischer Interpretation. Zugleich sorgte jedoch der Rassenwahn der nationalsozialistischen Machthaber im damaligen Deutschland dafür, dass zahlreiche großartige Musiker des Orchesters ins Exil gingen. Furtwängler selbst, der immer versuchte, die Kunst über die Politik zu stellen, musste direkt nach dem Krieg den Taktstock abgeben.
 
Was kam, war eine Phase schnellen Wechsels, von Leo Borchard zu Sergiu Celibidache, schließlich 1952 zurück zu Furtwängler, der allerdings bereit 1954 starb. Wiederum stand das Orchester vor der Frage, wer es nun in eine aussichtsreiche Zukunft würde führen können. Es entschied sich für Herbert von Karajan, der es schaffte, die Berliner Philharmoniker bis zu seinem Tod 1989 als ein Ensemble von Weltgeltung im Gespräch zu halten. Als Nachfolger trat Claudio Abbado an dessen Stelle, selbst bereits ein arrivierter Maestro, der bereits 1966 zum ersten Mal mit den Philharmonikern arbeitete. Ihm gelang es, die von Perfektion und Virtuosität geprägte Ära Karajan durch emotionale und zeitgenössische Komponenten souverän weiterzuführen, darüber hinaus das Orchester sinnvoll zu verjüngen und es auf diese Weise fit für das nächste Jahrhundert zu machen. Mit dem Ende der Spielzeit 2001/2 schließlich übergab Abbado die Leitung an den derzeitigen Chef des Orchesters Sir Simon Rattle.
 
So sind die Berliner Philharmoniker mit 129 Musikern, zahlreichen Förderprojekten und der zeitgemäßen Organisationsform als öffentlich-rechtliche Stiftung eines der fortschrittlichsten Orchester der Welt, das in der kommenden Saison rund 140 Konzerte (davon 99 in Berlin) spielen wird. Und das mit Recht auf seine Geschichte stolz sein kann. Im kommenden Jahr feiern die Berliner Philharmoniker ihr 125-jähriges Bestehen und so liegt es nahe, eine Box zusammenzustellen, die viele der musikalische Höhepunkte zu einem konkurrenzlosen Preis präsentiert. Die Jubiläums-Edition der eloquence-Reihe umfasst 12 CDs und ein Defilee der Maestros, das kaum noch prominenter sein könnte. Neben den Hausherren Furtwängler (der mit einem Wagner-Album gewürdigt wird), Karajan und Abbado standen unter anderem Karl Böhm, Ferenc Fricsay, Carlo Maria Giulini, Eugen Jochum, Rafael Kubelik, Lorin Maazel und Seiji Ozawa an der Spitze des Orchesters. Sie dirigierten ein Repertoire von Beethoven, Brahms, Bruckner, Dvorak, Händel, Liszt, und Mendelssohn Bartholdy bis hin zu Mozart, Schubert, Smetna, Richard Strauss und Tschaikowsky. Die vorbildlich edierte und mit Bildern vom Stammhaus des Ensembles in Berlin geschmückte Jubiläums-Box ist daher der perfekte Überblick über die Darstellungskunst eines Weltklasse-Orchesters und darüber hinaus ein Einstieg in die Welt der Sinfonik auf höchstem Niveau.


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