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Bob Marley, Bob Marley BACKSTAGE EXCLUSIV

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15.07.2011

Bob Marley - Biografie

An Bob Marleys 25jährigem Todestag, dem 11. Mai 2006, ernannte die jamaikanische Regierung sein Haus in Kingston zum nationalen Denkmal. Längst wurde es zum Pilgerort. Die Ehrung geschehe in Anerkennung der Taten Marleys für sein Heimatland, erklärte unlängst die jamaikanische Kultusministerin Maxine Henry Wilson. Auch wenn Bob Marley zuhause kräftig den Tourismus ankurbelt, hat sich der jamaikanische Staat bisher offiziell damit zurückgehalten, seinem berühmtesten Bürger zu huldigen. Erst 1990 erklärte man Marleys Geburtstag am 6. Februar zum Feiertag. 2005 fand ein großes Konzert anlässlich Marleys 60. Geburtstags nicht in Kingston, sondern in Äthiopiens Hauptstadt Addis Abeba statt. Auch wenn die meisten Menschen beim Stichwort Jamaika automatisch an Bob Marley denken, bleiben der jamaikanischen Regierung Marleys Revoluzzertum und seine Marihuana-Leidenschaft ein Dorn im Auge.

"He wanted everything at the same time and he was everything at the same time: prophet, soul rebel, Rastaman, herbsman, wild man, natural mystic man, island man, family man, Rita´s man, soccer man, showman, shaman, human, Jamaican", rief 1994 Bono in einer Rede aus, mit der er Bob Marley posthum in die Rock´n´Roll Hall of Fame einführte (aufgrund des Sprachwitzes, lässt sich das Zitat schlecht übersetzen).

Am 11. Mai 1981 starb Bob Marley in Miami mit nur 36 Jahren an Krebs. "Er wusste um sein Schicksal. Marley war ein Visionär und sah es voraus", konstatierte der damalige jamaikanische Premier Edward Seaga. Bob Marley kam in einer bescheidenen Hütte im Stadtteil Nine Miles, St. Ann zur Welt. Er wuchs in Trenchtown, einem rauen Viertel im Westteil von Kingston auf und lernte dort die Überlebensstrategien des Ghettos. Mit unglaublichem Talent und unerschütterlichem Durchsetzungswillen wurde er der größte Star der dritten Welt. | Marley wird gern zur Pop-Ikone verklärt. Sein Konterfei ist heute - ähnlich wie das Che Guevaras - ein Symbol, manche würden sogar sagen: eine Marke. Viele Musikfans stören sich an dieser Stilisierung zum Reggae-Messias, zum Kiffer-Kaiser, zur billigen Jesus-Figur. Bob Marley war vor allem eines: ein gigantischer Musiker. Genau wie Che Guevara blieb er ein politischer Utopist, ein Popularisierer, der seine Utopie vorzeitig mit ins Grab nahm und deswegen ewig populär bleibt. Viel wichtiger als das, hat er dieser Welt einige der größten, unsterblichsten Songs hinterlassen: "Soul Rebel", "Concrete Jungle", "I Shot The Sherriff", "No Woman No Cry", "Lively Up Yourself", "Rat Race", "Exodus"...

1944 heiratet der britische Soldat Norval Sinclair Marley, damals weit über 50, die jamaikanische Teenagerin Cedalla Booker. Ein Jahr später kommt ihr Sohn Robert Nesta Marley zur Welt. Kurz darauf verlässt der Vater die Familie. Notgedrungen zieht die Mutter mit ihrem Kind ins stinkende Trenchtown im Westen Kingstons um. Hier wächst Bob auf. Mit 14 geht er von der Schule ab und lernt Schweißer. In dieser Zeit fängt er an, Gitarre zu spielen und Songs zu schreiben. Musik ist neben Sport und Kriminalität der einzige Ausweg aus dem Elend. Jimmy Cliff ist ein Star im Ghetto, er hat bereits mit 14 etliche Hits gelandet. In Trenchtown freundet sich Marley mit Neville "Bunny" Livingstone an, gemeinsam machen sie bei einem Musikworkshop des bekannten Sängers Joe Higgs mit. Dort treffen die beiden Peter MacIntosh (später Peter Tosh). Jimmy Cliff stellt Bob schließlich dem Plattenproduzenten Leslie Kong vor. Beim Casting macht Bob die beste Figur, 1962 nimmt er für Kong die Singles "Judge Not" und "One More Cup Of Coffee" auf. Sie floppen, Kong bezahlt nicht, und Bob macht sich auf die Suche nach neuen Möglichkeiten. Mit Bunny gründet er die Band The Wailing Rudeboys, später The Wailing Wailers. Sie spielen beim Skaproduzenten Clement "Coxsone" Dodd vor und nehmen mit ihm dann 70 bis 80 Tracks auf, unter ihnen die Single "Simmer Down". | Diese wird Bobs erster größerer Erfolg in Jamaika, als sie auf Platz 1 der JBC-Radiocharts steigt. Dennoch gelingt ihnen nicht so recht der Durchbruch. Am 11. Februar 1966, einen Tag nach seiner Hochzeit mit der jungen Rita Anderson, reist Bob in die USA, nach Delaware, wo er bei seiner Tante wohnt und als Gastarbeiter Geld verdient.

Als er wieder zurück nach Jamaika kommt, hat die Rocksteady-Welle dort den Ska abgelöst, das Tempo der Titel wird langsamer. Die Wailers springen auf den Zug auf, müssen sich darüber aber von Coxsone Dodd trennen, der sie nur als Skaband weiter produzieren will. Während Bobs Abwesenheit ist Rita zum Rastafari-Glauben übergetreten, nachdem sie der Besuch Jamaikas von Haile Selssie I, dem Kaiser von Äthiopien, tief beeindruckt hat. 1968 folgt ihr Bob in die Sekte, studiert die Rastalehre bei Mortimo Planno vom Divine Theocratic Temple of Rastafari in Kingston. Immer mehr findet der Rastaglaube in die Texte seiner Songs. Die Wailers gründen ihr eigenes Label, bringen dort die Single "Bend Down Low" heraus, sie floppt. Die Wailers vegetieren eine Weile vor sich hin, bis sie Lee "Scatch" Perry unter seine Fittiche nimmt. Die Zusammenarbeit mit Perry gilt vielen Hardcore-Reggaefans als früher Zenith Marleys, aus ihr gehen die kickenden Tracks: "Duppy Conquerer", "Soul Rebel", "400 Years" und "Small Axe" hervor. Im knallharten jamaikanischen Reggaebusiness kommen die Wailers immer mehr nach oben. 1970 erscheint ihr Debütalbum "Soul Rebel" in Jamaika. | Bereits 1967 ist Marley auf den amerikanischen R&B-Sänger Johnny Nash gestoßen, der später mit einer Version von Marleys "Stir It Up" die englischen Charts erklimmen soll. 1970 nimmt Nash Marley nach Schweden und nach London mit. In London singt Marley die Single "Reggae On Broadway" für CBS ein. Voller Hoffnung lässt er die Wailers nachkommen, doch Nash macht sich aus dem Staub. Die Wailers stranden ohne Geld in der englischen Hauptstadt, sie schlagen sich dort bis 1972 durch. Irgendwann geht Bob zu den Island Records Studios in der Basing Street und möchte den Chef sprechen. Bei Chris Blackwell rennt Marley eine offene Tür ein, zuvor schon lizensierte der Island-Chef verschiedene Singles der Wailers. Er nimmt die Wailers sofort unter Vertrag und zahlt ihnen einen Vorschuss von 4000 Pfund, damit sie nach Jamaika fliegen und dort ein Album für Island Records aufnehmen können. Marley und die Wailers produzieren elf Tracks in drei Kingstoner Studios. Diese sind großartig, doch Blackwell hat eine andere Vision, die er mit anderen Versionen der Songs umsetzen möchte. Zum Zeitpunkt ist außerhalb Jamaikas so gut wie noch kein Reggaealbum veröffentlicht worden. Reggae ist ein Phänomen, das sich auf Singles erschöpft, Reggae ist eine Tanzmode, außerhalb von Jamaika gibt es noch kein nennenswertes Publikum dafür.

Blackwell möchte das Debütalbum der Wailers auf Island-Records aber kompatibel zu Konzeptalben wie "Rubber Soul", "Blonde On Blonde", "Let It Bleed", "What´s Going On" oder "Ziggy Stardust" (jeweils von den Beatles, Bob Dylan, den Rolling Stones, Marvin Gaye und David Bowie) machen. Er lässt es noch einmal komplett überarbeiten. Blackwell macht auch bei der Promotion von "Catch A Fire" "alles richtig": Auf Konzerten in der Londoner Speakasy trifft sich der Rockjournalismus mit angesagten britischen Stars. BBC Radio One rotiert das Album rund um die Uhr. Mit "Catch A Fire" wird Bob Marley (noch ohne lange Dreadlocks, sondern mit Afro) zum Popstar. Sicherlich wäre sein großes Talent in jedem Fall durchgedrungen. Doch ohne die Zusammenarbeit mit dem Island-Labelchef hätte er möglicherweise niemals die Konzeptalben seiner Karriere gemacht. | Eine bereits erschienene De-Luxe-Edition von "Catch A Fire" hat kürzlich erstmals die Originalmixe der von den Wailers in Jamaika produzierten Songs auf CD präsentiert. In diesen Versionen kommt die Direktheit der für den jamaikanischen Markt produzierten Musik durch. Blackwell brachte diese Masterbänder dagegen in sein eigenes, topmodern ausgestattetes Studio in London, um ihnen nachträglich einen Sound zu geben, der dem Rock-Publikum der 70er gefallen konnte. Damals war das visionär. Heute, gut 30 Jahre später, stechen jedoch die Originalversionen hervor, und Reggaefans bewundern den Low-Fi-Faktor, die volleren Bässe und Marleys runder klingende Stimme auf diesen Aufnahmen.

Nach "Catch A Fire" ist Marleys Karriere nicht mehr aufzuhalten. Sein zweites Album für Island: "Burnin" enthält die Klassiker "I Shot The Sherriff" und "Get Up Stand Up". 1974 erreicht Eric Clapton mit seiner Version von "I Shot The Sherriff" Platz 1 der US-Charts. Das dritte Album der Wailers bringt der Welt die Hymne "No Woman No Cry". An diesem Punkt verlassen Bunny Wailer und Peter Tosh die Band und starten ihre Solokarrieren, die Band heißt danach Bob Marley and the Wailers. Da Bob nun zwei Backgroundsänger fehlen, engagiert er seine Frau Rita, Judy Mowatts und Marcia Griffiths, die den Wailers als Backgroundtrio The I-Threes beitreten. Ihre Welttournee von 1975 geht in die Rockgeschichte ein, zwei ihrer Shows im Londoner Lyceum Ballroom verewigt das Doppelalbum "Live".

1976 tritt "Rastaman Vibration" eine internationale Reggaemodewelle los, der Rolling Stone kürt die Wailers zur Band des Jahres. Auf diesem Höhepunkt plant Marley ein Umsonst-Konzert in Kingston, im Zuge des jamaikanischen Parlamentswahlkampfs, in dem er den linken Kandidaten Michael Manley unterstützt. Zwei Tage vor dem Konzert dringen im Dezember 1976 zwei Attentäter in die Kingstoner Villa Marleys ein und schießen auf alle dort anwesenden Personen. | Bob, Rita und Bobs Manager Don Taylor werden verwundet. Verschwörungstheoretiker vermuten den Gegenkandidaten Edward Seaga hinter dem Mordversuch. Nichts desto trotz spielen Bob Marley and the Wailers vier Tage später auf dem "Smile Jamaica"-Konzert. Danach emigrieren sie nach London, wo sie 1977 ihr damals erfolgreichstes Album "Exodus" aufnehmen, das in England, Deutschland und in vielen anderen Ländern Platz 1 der Charts erreicht.

Kurz vor Start ihrer "Exodus"-Tour verletzt sich Marley beim Fußballspielen am Zeh. Später diagnostizieren Ärzte dort Krebs und raten, den Zeh zu amputieren. Aus religiösen Gründen lehnte Marley dies jedoch ab und besiegelt damit vielleicht selbst sein Schicksal. Sein folgendes Album "Kaya" widmet er 1978 ganz der Liebe und dem "heiligen Kraut". Es floppt bei den Reggae Hardcorefans. In den folgenden Jahren betätigt sich Marley mehr denn je als "Botschafter". Er verbrüdert die miteinander verfeindeten jamaikanischen Politiker Michael Manley und Edward Seaga.

Die Vereinten Nationen verleihen ihm die Friedensmedaille. Nach dem Album "Uprising", auf einer Tournee mit Stevie Wonder, geht es mit Marleys Gesundheit rapide bergab. Im September 1980, kurz nachdem er durch den New Yorker Central Park gejoggt ist, bricht er zusammen und wird ins Krankenhaus eingeliefert. Seine Frau will die Tour absagen, doch er besteht darauf, sie durchzuführen. Er spielt ein letztes unvergessliches Konzert in Pittsburgh, dann wird die Tour tatsächlich abgesagt. In einem frenetischen Versuch, sein Leben doch noch zu retten, fliegt man ihn ausgerechnet nach Bayern, in die Klinik des Arztes Dr. Josef Issels. Als sich abzeichnet, dass auch dies nichts mehr nützt, will Marley zum Sterben nach Hause geflogen werden. Es ist dafür aber zu spät. Er stirbt schließlich in Miami und liegt heute in einem Mausoleum in seinem Geburtsort St. Ann begraben.


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