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21.09.2009

Richie Sambora: Was die Beatles mir bedeuten

Bon Jovi, Richie Sambora: Was die Beatles mir bedeuten

Eine meiner frühesten Erinnerungen ist, wie ich im Schneidersitz auf dem Boden im Wohnzimmer des Hauses sitze, in dem ich aufgewachsen bin, und mir auf dem Schwarz-Weiß Fernseher die Beatles in der Ed Sullivan Show ansehe.

Ich war fünf Jahre alt und ich weiß noch wie ich dachte: "Wow! Wow! Genau das will ich auch machen." Ich weiß, das klingt absurd – die meisten fünfjährigen Jungen wollen Feuerwehrmann, Polizist oder Baseball-Spieler werden, manche sogar Präsident. Nicht ich, ich wollte einer der Beatles werden.

Sie waren das Unglaublichste, was ich jemals gesehen hatte. Ich konnte es damals natürlich nicht in einen historischen Kontext bringen – beispielsweise in Verbindung mit dem Attentat auf Kennedy oder Ähnlichem – aber ich wußte, auch schon in dem jungen Alter, in dem man im Grunde so gut wie gar nichts weiß, dass ich soeben etwas sah, dass das Leben völlig veränderte. Und nicht nur für mich, sondern für alle anderen auch.

Natürlich war es auch immer ein riesiges Vergnügen. Die Beatles im Fernsehen zu sehen war damals das Größte. Jeder ihrer Auftritte bei der Ed Sullivan Show war ein Riesen-Event. All diese Mädchen schrien und sind total durchgedreht – ich schätze mit Elvis war es das gleiche, aber das vor meiner Zeit. Aber diese Reaktion der Mädels auf die Beatles zu sehen... Hey, welcher Kerl würde da nicht sagen: "Das will ich auch!"?

Ich wußte immer, dass ich ein Rock Star werden wollte, und die Beatles waren der Auslöser.

Meine ganze Familie ist total auf sie abgefahren. Ich erinnere mich an Eltern, die ihren Kindern nicht erlaubt haben die Beatles zu sehen oder ihre Platten zu kaufen. Sie durften sich auch nicht die Haare wachsen lassen. Meine Eltern waren zum Glück nicht so. Gott sei dank.

Ich denke, das liegt daran, dass meine Eltern Tänzer waren – Turniertänzer. Es lief immer Musik im Haus. Die Beatles gehörten sofort dazu. Was die "Fab Four" betraf, gab es keine Altersgrenzen zwischen meiner Familie und mir. Da habe ich echt Glück gehabt. Andere Kinder mussten sich irgendwo rumdrücken und heimlich die Beatles hören. Ich schätze, dadurch wurde das für sie eher zu einer Art Tabuthema.

Ich habe nie verstanden, warum die Beatles als etwas Verbotenes angesehen wurden. Das ist, als würde man ein tolles Bild verbieten, nur weil es Nacktheit oder ähnliches zeigt – warum sollte jemand so etwas wollen? Das war einfach verrückt.

Erst viel später bekam ich eine Gitarre und spielte in Bands. Da war ich schon ein Teenager. Aber mein Herz wußte immer, dass ich ein Rock Star werden wollte und die Beatles haben das in Gang gesetzt. Ich stand oft in meinem Zimmer vor dem Spiegel, hörte ihre Platten und spielte dazu Gitarre, lange bevor irgendwer es "Luft-Gitarre" nannte.

Ich hatte keinen Lieblings-Beatle. Wer auch immer den Song gerade sang, war der Beatle, der ich sein wollte. Bei "Help!" war ich John. Wenn es "Michelle" oder "Sgt. Pepper" war, war ich Paul. Ich war George während all der Gitarrensoli. Und ich glaube, ich habe mir auch vorgestellt, Ringo zu sein, sobald er sang oder irgendwas Außergewöhnliches an den Drums machte.

Die Beatles spiegelten die Zeit, und sie definierten die Zeit – sie machten etwas als Erste und alle folgten.

Noch viel wichtiger war: Sie schafften es, dass die Leute sich gut fühlten. Sie gaben ihnen Hoffnung. Sie brachten die Menschen zusammen. Vierzig, fast fünfzig Jahre später tun sie das immer noch. - Verleiht man für so etwas nicht den Nobel Preis? Wieso haben die Beatles keinen bekommen?

Ein Lieblingsalbum auswählen? Unmöglich. Wenn ich auf eine einsame Insel müsste, wo ich nur ein Beatles Album mitnehmen könnte, würde ich es ablehnen, auf diese Insel zu gehen.

Ihre Alben sind eigenartige, wunderschöne Dinge. Wenn du nicht hinschaust, scheinen sie sich zu verändern. Du hörst dir das Weiße Album an und legst es vielleicht für ein paar Monate zur Seite. Aber wenn du es dann wieder auflegst, ist es wie ein ganz neues Album. Du hörst all diese unterschiedlichen Passagen, die du zuvor nie gehört hast. Das passiert mit anderen Bands nicht.

Wie sie das gemacht haben? Das ist ein großes Geheimnis, wie diese vier Jungs so ein gewaltiges Werk in so kurzer Zeit schafften. Ich habe mich mit George Martin und Paul McCartney unterhalten, sie wissen auch nicht, wie sie das geschafft haben. Glaubt mir, ich habe wirklich versucht hinter das Geheimnis zu kommen!

Genialität passiert einfach, schätze ich. Sie kann nicht erklärt oder kopiert werden, nur geschätzt!

Quelle: MusicRadar.com


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