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20.06.2013

'A Walking Fire' ist das neue Album von Brooklyn Rider

Das Streichquartett ist im Jazzclub ebenso zu Hause wie im Konzertsaal und die Breite ihres Repertoires hat neue Maßstäbe dafür gesetzt, was man von einem Streichquartett erwarten darf.

Brooklyn Rider, 'A Walking Fire' ist das neue Album von Brooklyn Rider © Sarah Small / Mercury Classics

'Brooklyn Rider': Der Name ist klug gewählt. Schließlich gilt Brooklyn von jeher als die eigentliche kreative Keimzelle New Yorks. Für ein Streichquartett, das Grenzen überschreiten will, passt die Referenz daher perfekt. Und für so manchen gilt Brooklyn Rider inzwischen als Zukunft der Kammermusik überhaupt.  

Nur ein Beispiel: Brooklyn Rider war das einzige klassische Ensemble, das bereits beim SXSW-Festival, dem internationalen Klassentreffen der Pop-Musik in Austin, Texas, offiziell ins Programm genommen wurde. Mit seiner unkonventionellen, ungezwungenen Art schaffte es das Quartett, das Publikum dieser inhaltlich vollkommen anders ausgerichteten Veranstaltung zu begeistern, ohne es zugleich an der eigenen Ernsthaftigkeit fehlen zu lassen. Schließlich geht es Jonny Gandelsman, Colin Jacobsen, Nicholas Cords und Eric Jacobsen nicht um Crossover, sondern um eine Spielhaltung, die neue Möglichkeiten für eine traditionell über lange Jahre festgelegte Ensembleform eröffnet. Damit ist Brooklyn Rider Vorreiter einer bereits seit längerem sich entwickelnden Musikergeneration, für die die Grenzen zwischen den Gattungen und Stilformen längst gefallen sind. Es knüpft da an, wo das Kronos Quartet & Co aufgehört haben, und wird damit mehr und mehr zum Trendsetter der Szene.

Bartók als Zentrum

Dazu gehört es auch, Verbindungen herzustellen. Im Zentrum von „A Walking Fire“ steht beispielsweise Béla Bartóks Streichquartett Nr. 2, ein Klassiker des Genres, der auch ein knappes Jahrhundert nach seiner Entstehung nichts von seiner Kraft und Emphase verloren hat. „Bartóks Zweites Streichquartett entstand zwischen 1915 und 1917, in einer Zeit gewaltiger Umwälzungen in Europa“, kommentieren die Musiker selbst im Booklet die Faszination dieses Werks. „Der erste Satz vermittelt den Verlust einer Epoche, die der Erste Weltkrieg brutal hinwegfegte: Musikalische Überbleibsel dieser Zeit liegen unter melancholischen, klangvollen Schichten begraben. Der fiebrige rhythmische Anflug des zweiten Satzes ist wahrscheinlich durch Volksmusik beeinflusst, die Bartók während einer Reise nach Nigeria 1913 hörte. Die Ostinati der Schlaginstrumente wechseln in einem schier unaufhaltsamen Elan zwischen frenetischen Tanzrhythmen und eingeschobenem Geplauder. Das spröde Motiv in absteigenden Noten des letzten Satzes erinnert an ein traditionelles ungarisches Klagelied: ein Tribut an eine vom Krieg verwüstete Generation, aber auch eine zutiefst persönliche Aussage“

Kontinuum zur Gegenwart

Um dieses zentrale Opus der Kammermusik herum haben Brooklyn Rider zwei aktuelle Werke gruppiert. Als Einstieg fungiert Culai, ein fünfsätziges Widmungsstück an die Musik der Gypsy Culture, das der russische Komponist und Bratschist Ljova geschrieben hat. Es ist eine lose Erzählung der Geschichte eines Lebens vom schwungvollen The Game bis zum getragenen Funeral Doina, gedacht als Tribute an den Geiger Nicolae Neacşu des Ensembles „Taraf de Haïdouks“, dessen Spitzname „Culai“ der Komposition auch den Namen gab. Die Drei Miniaturen für Streichquartett wiederum stammen aus den eigenen Reihen des Ensembles. Der Geiger Colin Jacobsen versteht sie als eine  Hommage an den persischen Meistermusiker Kayhan Kalhor, mit dem ihn eine langjährige Freundschaft verbindet: „Mit diesen Stücken habe ich versucht, das, was ich von Kayhan und seiner musikalischen Kultur gelernt habe, noch stärker zu verinnerlichen. Ich wollte der Fantasie freie Hand lassen, die Richtung jedes Stücks zu bestimmen. Die Titel der einzelnen Miniaturen knüpfen an bekannte Themen der persischen Tradition an.“ Und so ist eine musikalische Reise entstanden, die ausgehend von einem Meisterstück der Vergangenheit die Faszination in Klänge und Kompositionen fasst, die von einer der ältesten und noch immer inspirierenden Kulturregionen der Erde ausgehen kann - „A Walking Fire“, ein wandelndes Feuer, das die gestalterischen Kräfte von Brooklyn Rider entfacht.


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