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17.10.2003

Melodie im Ohr

Bryn Terfel, Melodie im Ohr

Erlaubt ist, was gefällt. Bryn Terfel hat seine Freude an den Melodien seiner walisischen Heimat, an Oper und Musical, Volkslied und Filmmusik. Also lud er ein paar prominente Freunde wie den italienischen Startenor Andrea Bocelli und die norwegische Sängerin Sissel ins Studio und nahm mit dem London Symphony Orchestra seine "Favorite Popular Classics" auf.

Terfel hat sich daran gewöhnt, den Lehrmeinungen und Gewohnheiten der anderen zu widersprechen. Genau genommen fing die Vorliebe für das Verbindende in der Musik schon in Kindertagen an. Terfel stammt aus dem Norden von Wales, geboren 1965 in eine Familie, die mit professionellem Gesang wenig vertraut war. Sein Vater hütete Schafe und Kühe. Die Mutter arbeitete als Sonderschullehrerin mit behinderten Kindern. Musik war für den kleinen Bryn daher zunächst einmal als Mittel der Therapie geläufig, das er von den Unterrichtsvorbereitungen kannte. Sie begeistere ihn trotzdem. Terfel war drei, als er seine ersten Gedichte aufsagte, vier, als der zu singen begann. Er hatte eine gute Stimme, also konnte man ihn bald bei regionalen Ausscheidungen und Wettbewerben hören. an der Diffryn Natlle Secondary School, einer musisch wenig ambitionierten Schule in seiner Heimatregion Caernarfon, fiel er dadurch auf, nicht nur in der Basketball-Mannschaft erfolgreich zu sein, sondern auch einen Knabenchor ins Leben gerufen zu haben, der bald über den ort hinaus bekannt wurde. Richtig professionell betrieb der die eigene Karriereplanung, als er 1984 in die Londoner Guildhall School of Music aufgenommen wurde und bei Arthur Reckless und Rudolf Piernay seine künstlerischen Kenntnisse verfeinerte. Terfel wurde Stipendiat, schloss sein Studium mit Auszeichnung ab und wurde prompt als walisischer Vertreter ausgewählt, um in Cardiff bei der "Singers Of The World Competition" sein Land zu vertreten.

 

So ließ auch die Oper nicht mehr lange auf sich warten. Anno 1990 gab es seine Einstände an der Welsh National Opera als Guglielmo (Cosi fan tutte) und Figaro (Le nozze di Figaro). Bald folgten Covent Garden, Wien, Salzburg, die Met. Und immer wieder große übergreifende Events, wenn er etwa im 'Millennium Stadium' mit seiner Stimme ein Rugby-Spiel eröffnet. Terfel versteht sich als Grenzgänger und deshalb war es ihm bereits seit längerem ein Anliegen, auch zwischen den einzelnen Gattungen der Musikstilistiken zu vermitteln. Seine "Favourite Popular Classics" sind ein Schritt auf dem Weg zum Star jenseits der Kategorisierungen. Da gibt es Melodien von Bizet und Tschaikowsky, Schubert und Brahms zu entdecken, aber ebenso Lieder von Carmichael/Mercer oder James Horner.

 

Seine Partner sind Andrea Bocelli ("C'était le soir / Au fond du temple saint", Bizet), die aus Titanic bekannte Sissel ("Ave Maria", Schubert) und die walisischen Harfenistin Catrin Finch ("Bugeilio'r Gwenith Gwyn", Hopcyn). Gemeinsam mit dem London Symphony Orchestra unter der Leitung von Barry Wordsworth entsteht auf diese Weise ein farbiges Panoptikum bewegender Melodien, die den hohen künstlerischen Anspruch Terfels mit dem Charme guter Unterhaltung verbinden. Wem es gefällt, der wird das Album lieben. Wem nicht, der kann Terfel im Oktober und November im "Falstaff" an der Wiener Oper oder im kommenden März an der Met in Strauss' "Salome" genießen. Oder auf zahlreiche andere Aufnahmen mit ernstem Repertoire zurückgreifen, die er für die Deutsche Grammophon bereits verwirklicht hat.


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