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24.06.2011

Schnittstellenmusik - "Duo" von Bugge Wesseltoft & Henrik Schwarz

Im Niemandsland zwischen Jazz und elektronischer Musik tummeln sich Keyboarder Bugge Wesseltoft und Henrik Schwarz mit seinen Computern auf ihrem ersten gemeinsamen Album “Duo”.

Bugge Wesseltoft, Schnittstellenmusik - Duo von Bugge Wesseltoft & Henrik Schwarz © Universal Music GmbH

Gegensätze ziehen sich an, sagt man. Und auf den ersten Blick scheint das Duo des norwegischen Jazzpianisten Bugge Wesseltoft mit dem deutschen Techno- und Deep-House-DJ/Produzent Henrik Schwarz die alte Binsenweisheit zu bestätigen. Wer die beiden Protagonisten des schlicht “Duo” betitelten Albums aber etwas besser kennt, weiß natürlich, dass sie so gegensätzlich gar nicht sind.

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Wesseltoft betrat Anfang der 1990er an der Seite von ECM-Künstlern wie Arild Andersen, Jan Garbarek, Sidsel Endresen und Tore Brunborg die internationale Szene. Doch wer dachte, er würde sich in einen typischen Verteter des mit Folkelementen durchsetzten Jazz nordischer Provenienz entwickeln, wurde bald eines Besseren belehrt. Denn seine Experimentierlust trieb ihn schnell in andere Gefilde. Mit seinem Band-Projekt New Conception Of Jazz setzte Bugge 1997 neue Maßstäbe bei der Fusion von jazzigen Improvisationen und groovelastiger elektronischer Musik. Mehr noch: mit seinem eigenen Label Jazzland avancierte er zum Spiritus Rector des sogenannten NuJazz. 2004 befand der Keyboarder, die Möglichkeiten seiner “New Conception Of Jazz” seien ausgereizt und die Zeit gekommen, eine neue Richtung einzuschlagen. So zog er sämtliche Stecker und widmete sich fortan dem Spiel auf dem akustischen Flügel, obwohl er schon kurze Zeit später klammheimlich auch wieder dezente elektronische Sounds ins Gesamtklangbild mischte. Nebenher machte er immer wieder stilistische Seitensprünge: mit Billy Cobham spielte er Fusion-Jazz, mit Gilberto Gil brasilianischen Pop, mit Laurent Garnier und François Kevorkian Techno und House. Kreativer Stillstand oder eine Festlegung auf einen Musikstil waren bei ihm nie Optionen.

Der in Berlin lebende Henrik Schwarz hat seine Wurzeln in der Techno- und Deep-House-Musik, die von Chicago und Detroit aus die Welt eroberte. Er genießt in der Szene den Ruf, einer der besten deutschen Live-DJs und Produzenten zu sein. Remixe fertigte er u.a. von Stars wie Michael Jackson, James Brown und Boy George. In den letzten Jahren wandte er sich zunehmend auch dem Jazz zu und erwarb sich so besondere Wertschätzung bei den Mitgliedern des Berliner Kollektivs Jazzanova und dem britischen Acid-Jazz-Papst Gilles Peterson.

Auf “Duo” bieten Wesseltoft und Schwarz nun acht Stücke, die zeigen, dass Jazz und elektronische Musik einander nicht ausschließen müssen und im Grenzbereich zwischen beiden Stilen noch längst nicht alle Tiefen ausgelotet sind. Im Gegenteil: Aus den Einflüssen beider Genres formulieren sie ihre eigene, höchst zeitgenössische Musik. Dabei greifen sie teilweise auf schon früher entstandene Kompositionen wie Wesseltofts “Dreamin’” oder Schwarz’ Club-Hit “Leave Me Alone, Brain” zurück oder kreieren ad hoc zusammen neue Nummern.

Unser Duo ist vollkommen organisch”, meint Bugge Wesseltoft. “Wir erschaffen Musik aus dem Stegreif, sowohl live als auch im Studio. Mit den heute zur Verfügung stehenden elektronischen Apparaten kann man wirklich improvisieren, und Henrik kennt sich mit ihnen fantastisch aus: er kann praktisch aus dem Nichts heraus wunderbare Musik erschaffen.” Auf “Duo” ist dies allerdings beiden ganz prächtig gelungen.


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