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29.02.2012

Elektronik-Hexer Bugge Wesseltoft mal ganz analog

Eigentlich kennt man den Norweger als musikalischen Grenzgänger zwischen Jazz und Elektronik. Nach einem Album mit Remixer Henrik Schwarz präsentiert sich Bugge Wesseltoft jetzt mal wieder ganz anders: als Solopianist mit klassischen Jazzstandards.

Bugge Wesseltoft, Elektronik-Hexer Bugge Wesseltoft mal ganz analog © Universal Music

Seit rund zwanzig Jahren genießt Bugge Wesseltoft den Ruf, einer der besten Jazzpianisten Norwegens zu sein. Das Paradoxe daran: er hat in all diesen Jahren nie ein Album mit Jazzstandards abgeliefert. Das heißt: bis jetzt! Denn mit dem ausgesprochen schlicht betitelten Album “Songs” legt er nun endlich sein Standard-Werk vor.

Als Bugge noch ein Möchtegern-Jimmy-Smith war

“Ich liebe Jazz! Ich wuchs mit den Jazzplatten meines Vaters auf und versuche seit meinem achten Lebensjahr, diese Musik zu spielen”, lautet Bugges durchaus glaubwürdiges Bekenntnis. “Erst auf unserem alten Heimpiano; dann stieg ich auf eine Yamaha-Electone-Orgel um (die wohl die idiotischste Drum-Machine besaß, die je erschaffen wurde) und tat so, als sei ich Jimmy Smith; später benutzte ich ein Fender Rhodes und einen Synthesizer, bis ich schließlich mit 22 Jahren endlich in der Lage war, mir ein richtiges Klavier zu leisten.”

Ehrfurcht vor Bill Evans, Erroll Garner, Art Tatum, Oscar Peterson, Ray Charles und Keith Jarrett

Nun darf man natürlich fragen, warum er diese Musik nie bei seinen Konzerten spielte. Dafür hat der Pianist eine gute Antwort parat: “Nun... es gibt so viele Interpretationen dieser wundervollen Songs. Fantastische Versionen von fantastischen Musikern wie Bill Evans, Erroll Garner, Art Tatum, Oscar Peterson, Ray Charles, Keith Jarrett - um nur ein paar der wahren Genies aufzuzählen. Andererseits gibt es mindestens ebenso viele furchtbar destruktive Versionen, die den Spielern offenbar nur dazu dienen, ihre technischen Fähigkeiten zur Schau zu stellen. Fast könnte man glauben, dass sie an einem bedeutungslosen, seltsamen, imaginären Wettbewerb teilnehmen würden. Nachdem ich nun also über so viele Jahre hinweg täglich Stunden damit verbracht habe, dieses fantastische Songmaterial zu spielen und zu umspielen, hatte ich endlich den Eindruck, dass meine Versionen persönlich genug seien, um aufgenommen zu werden... mit allem Respekt, aller Wertschätzung und Dankbarkeit für diese wunderschönen Lieder.”

“Late Night Music” im besten Sinne

Bugge beginnt das Album mit “Darn That Dream”, einem Klassiker von 1939, den Billie Holiday, Benny Goodman, Miles Davis (auf “Birth Of The Cool”) und sogar Doris Day im Repertoire hatten. Dass Bugge das Album gerade mit diesem Titel einläutet, ist natürlich kein Zufall: Denn was danach folgt, ist - so wie dieser Opener - “Late Night Music” im besten Sinne: mit dunklen, rauchigen Interpretationen von u.a. “Giant Steps”, “Moon River” und “My Foolish Heart”, die intensiv glimmen und immer wieder Flammen auflodern lassen. Mit “Songs” beweist Bugge Wesseltoft, dass er - obwohl man ihn vor allem als innovativen musikalischen Grenzgänger kennt - im Grunde ein Jazzpianist ist, der sich jedwedes Stück vorknöpfen und zueigen machen kann.


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