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Carolin Widmann BACKSTAGE EXCLUSIV

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22.05.2013

Carolin Widmann spielt Morton Feldmans „Violin and Orchestra“

Carolin Widmann, Emanzipation der Klänge © Marco Borggreve

Morton Feldmans Faszination galt dem reinen Klang. „Ich glaube, dass ich mich als Person dem Klang unterordne”, erklärte er. „Ich glaube, dass ich meinen Klängen zuhöre, und ich lasse mich dann von ihnen lenken; ich schreibe meinen Klängen nicht vor, wie sie zu wirken haben.“ Zentrale Idee in seinem Schaffen war die Befreiung der Klänge von allen formal-logischen Zwängen, ihrer Vereinnahmung durch Systeme, Konstruktionen und außermusikalische Ideen.

Text: KlassikAkzente | Fotos: Marco Borggreve

Feldman verstand sich weniger als Komponist, denn als Orchestrator. „Obwohl meine Musik für viele Leute im Grunde immer gleich klingt, ist sie aufgrund wechselnder Orchestrierungen für mich sehr vielfältig. Mein kompositorisches Interesse liegt im Bereich der vertikalen Qualität und nicht darin, was sich innerhalb eines horizontalen Schemas ereignet.“ Das Notenblatt bezeichnete er einmal als „Zeitleinwand“, auf die er seine Klänge auftrage.

Die ganz auf das Spiel mit Klangfarben fokussierte Musik Feldmans kennzeichnen eine eigentümliche Statik, eine eng umgrenzte Dynamik und der weitgehende Verzicht auf prägnante rhythmische oder melodische Gestalten. Subtile Variationen von Klangfeldern, die sich innerhalb großer zeitlicher Längen vollziehen, charakterisieren sein Schaffen ab Ende der 1970er Jahre, das von der Faszination für symmetrische Ungenauigkeiten orientalischer Teppiche geprägt war.

Den besonderen Herausforderungen dieser Musik stellt sich Carolin Widmann in ihrer neuen Aufnahme mit dem hr-Sinfonieorchester unter Leitung von Emilio Pomàrico. Für ECM New Series spielten sie „Violin and Orchestra“, Morton Feldmans längstes Orchesterstück aus dem Jahr 1979, ein, das kein konventionelles Konzert sein will, sucht man doch in dem einsätzigen und fast einstündigen Werk melodische Linien, schillernde Kadenzen, Solostimme und Orchesterbegleitung vergebens.


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