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12.09.2003

Verborgenes vom Meister

Cecilia Bartoli, Verborgenes vom Meister

Nicht alles, was Antonio Vivaldi schrieb, war zum sofortigen Gebrauch bestimmt. Vielmehr war es im frühen 18. Jahrhundert durchaus üblich, Stücke auf Vorrat zu schreiben oder auch Erfolgreiches wieder zu verarbeiten. Als Cecilia Bartoli sich in die Archive der Bibliotheca Nazionale von Turin eingrub, förderte sie daher so manches unbekannte Notenblatt zutage, das Vivaldi für den eigenen Gebrauch geschrieben und aufbewahrt hatte. Das war der Anfang eines spannenden Repertoire-Abenteuers und des preisgekrönten "The Vivaldi Album".

Es war nicht das erste Mal, dass ein Blick in die Archive die Beurteilung des musikalischen Werkes von Antonio Vivaldi veränderte. Zwischen 1927 und 1930 wurden in einem piemontesischen Kloster und in Genua insgesamt rund 300 Konzerte, 19 Opern, zahlreiche Vokalwerke und ein Oratorium entdeckt. Daraufhin zählte man in etwa 770 Kompositionen und es ist noch lange nicht sicher, was weiterhin in verborgenen Winkeln mancher Bibliotheken lagert. Denn Vivaldi war nicht nur einer der bedeutendsten Violinvirtuosen seiner Epoche, sondern auch ein Workaholic, der permanent für verschiedene Auftraggeber aktiv war. Es entstanden allein 450 Konzerte, von denen rund die Hälfe erhalten ist, und 49 Opern, die allerdings auch nur ein gutes Drittel überliefert sind.

 

Insofern verwundert es wenig, dass Cecilia Bartoli in der Handschriftensammlung der Bibliotheca Nazionale in Turin fündig geworden ist. Die umtriebige und vor allem neugierige Mezzosopranistin hatte sich auf die Suche gemacht, um neben dem Erfolgsrepertoire, mit dem sie im Laufe der neunziger Jahre international Furore gemacht hatte, auch neue Melodien der Vergangenheit zu entdecken. Die Arien, die sie schließlich für das "Vivaldi Album" ausgewählt hat, entstammen Opern aus dem Zeitraum von "L'Orlando finto pazzo" (1714) bis "Griselda" (1735) und dokumentieren einen umfassend dramatisch und dramaturgisch wirkenden Komponisten mit sensiblem Gefühl für die sich verändernden Geschmäcker der Übergangsepoche vom Barock zum Rokoko. Manche der Arien sehen eine Besetzung für Streicher und Continuo vor, andere fordern obligate Instrumente oder sind gar nur zur Laute vorzutragen. Die inhaltlichen Aspekte reichen von Liebesliedern über beeindruckende "Sturm"-Arien (die die für einen Venezianer typischen Reminiszenzen an die Urgewalten des Meeres, übertragen auf die Feinheiten des Gefühls darstellen) bis hin zu der "Schatten"-Arie "Gelido in ogni vena", einem Trauergesang Farnaces am vermeintlichen Grab seines Sohnes, deren emotionale Intensität weit über die Gewohnheiten barocker Gestaltung hinaus reicht.

 

So ist beinahe alles dabei, glänzende Koloraturen und verhaltene Balladen, überraschende Expressivität und tändelnde Eleganz. Bartoli vermag über das gesamte Spektrum der Ausdrucksmöglichkeiten hinweg mit strahlender Stimme und nuancierter Dramatik zu brillieren und das nicht zuletzt wegen des hervorragenden Orchesters an ihrer Seite. Denn das 1985 in Mailand gegründete Il Giardino Armorico zählt zu den führenden Vivaldi-Ensembles und hat für seine Interpretationen auf Originalinstrumenten bereits zahlreiche Auszeichnungen vom Prix Cecilia bis zum Grammophone Award verliehen bekommen. Gemeinsam mit dem Arnold Schoenberg Chor gelingt auf diese Weise eine etwas andere Vivaldi-Aufnahme, neu in der Auswahl, aber historisch sorgsam und gestalterisch souverän in der Durchführung.

 

Die Referenz:

 

"Geliebt wird die Bartoli vom Publikum heiß und innig: das Vibrierende der Stimme, die substanzvollen Tiefen und die atemnehmende Gelenkigkeit, mit der die Sängerin die barocken Affekte mit lupenreinen gesungenen Läufen ziert. Das macht ihr so schnell niemand nach." (E. Bezold in Stereo 1/00)

 

Näheres zur Referenz-Reihe unter http://www.referenzaufnahmen.de


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