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19.08.2005

Als Rom die Oper noch verbieten konnte...

Rom, anno 1677. Ein unbeschreiblicher Theaterskandal erschüttert die ewige Stadt, die sich gerade im alljährlichen Karnevaltaumel wiegt. Mit den üblichen musikalischen Aufführungen in Theatern, Tavernen und auf der Strasse. So unaussprechlich muss dieser Skandal gewesen sein, dass die Chronisten peinlich berührt den Mantel gnädigen Schweigens darüber ausbreiten. Einer jedoch in der Heiligen Stadt reagiert umgehend. Papst Innozenz XI., wegen seiner Tugend und Sittenstrenge berüchtigt und vom Volk wegen seines notorischen "nein" nur Papa Minga genannt, erlässt augenblicklich einen päpstlichen Bann gegen Opernaufführungen in der Stadt.

1686 dann bekräftigt er noch einmal das päpstliche Auftrittsverbot für Frauen in der Musik, das Klemens IX. bereits 1667 verhängt hatte. Innozenz XII. schließlich geht noch einen Schritt weiter und lässt gergen Ende des 17. Jahrhunderts die drei noch existierenden öffentlichen Theater Roms, das Teatro Tordinona, das Teatro Capranica und das Teatro della Pace zerstören, um Sittenverfall und Glaubensschwäche ein für allemal den Nährboden zu entziehen. Und in der päpstlichen Welt hat dieser Nährboden einen Namen: la musica profana. Erst 1717 öffnet das Teatro delle Dame wieder seine Pforten für die allgemeine Unterhaltung. Kein allzu günstiges Betätigungsfeld für die Grossen der kompositorischen Zunft jener Tage - Antonio Caldara, Georg Friedrich Händel und Alessandro Scarlatti.

 

Bis heute ist die Musikgeschichte in den Zeiten des päpstlichen Opernverbotes, der opera proibita, ein beliebter Tummelplatz für Musikarchäologen und Liebhaber italienischer Barockmusik. Daher überrascht es auch nicht wirklich, dass sich die Barockspezialistin Cecilia Bartoli, die darüber hinaus auch noch überzeugte Römerin ist, eines Tages dieses spannenden Themas annehmen würde. Ihr neues Album widmet sich unter dem Titel "Opera proibita" genau jenen Komponisten, die in der Hochzeit des päpstlichen Opernverdiktes unter zum Teil eigentümlichen Umständen einen Ausweg aus dem Dilemma fanden, pikanterweise sogar mit Hilfe des römischen Klerus. Oratorium heißt das Zauberwort, und wo Einfallsreichtum und Gespür für musikalische Zwischentöne und Subtexte gefordert war, haben viele Komponisten Erstaunliches zuwege gebracht.

 

Cecilia Bartoli, profunde Anwältin für Unbekanntes aus der Feder Vivaldis, Glucks und Salieris, hat sich auf ihrem neuesten Album diesem Thema verschrieben und entführt mit "Opera proibita" (Decca 475 692 4), die am 12.9. erscheint, zu einer musikalischen Reise in die Welt der verbotenen Oper in Rom am Beginn des 18. Jahrhunderts ein.


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