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05.09.2007

Ein Star in Arbeit

Cecilia Bartoli, Ein Star in Arbeit

Aus heutiger Perspektive, in einer Zeit, in der jedes künstlerische Ereignis mühelos zumindest in archivarischer Qualität in Bild und Ton festgehalten werden kann, ist es ein Abenteuer, sich eine Epoche ohne mediale Omnipräsenz vorzustellen. Vor allem aber ist es eine wirkliche Herausforderung, die Kunst einer Sängerin wie Maria Malibran anhand von nichtakustischen Quellen zu vergegenwärtigen.

Als klar war, dass Cecilia Bartoli nach den Projekten, die sich mit Vivaldi, Händel, Caldara/Scarlatti, Gluck und Salieri beschäftigt hatten, schrittweise vom Barock über die Klassik an die romantische Epoche herantastete, und sie diese Ära nicht über die geläufigen Komponisten, sondern anhand der ersten wirklichen Diva der Musikgeschichte für sich erforschen wollte, begannen umfangreiche Recherchen. Zum einen galt es die Malibran-Rezeption zu durchforsten, Zeitungsberichte, Briefwechsel, Äußerungen von kompetenten Zeitgenossen zu sammeln, die die Kunst und speziellen stimmlichen Fähigkeiten der Sängerin beschrieben. So setzte sich ein Bild zusammen, das wohl auf eine brillante, präsente Stimme mit mehr als drei Oktaven Umfang zurück schließen ließ, eher Mezzo als Sopran, mit warmer, in den Höhen strahlender Färbung.

Dieser Eindruck nun wurde am Repertoire überprüft und verifiziert, anhand von Originalquellen und sorgfältigen historisch-kritischen Ausgaben. Maria Malibran sang in ihrer kurzen, gerade einmal rund 10 Jahre dauernden Karriere ein bunt gemischtes Spektrum der Klassiker, vor allem aber Werke, die für sie oder auch von ihr geschrieben wurden. Das wiederum harmonierte ideal mit Cecilia Bartolis eigener Vorstellung von vokaler Vielfalt. Denn neben den bekannten Belcanto-Opern von Rossini, Bellini und Donizetti gab es da vieles zu entdecken, was heute aus den Spielplänen verschwunden ist. Etwa "Ines de Castro" aus der Feder des neapolitanischen Komponisten Giuseppe Persiani (1799-1869), die zu Lebzeiten erfolgreichste Hommage an die Sängerin. Oder "Amalia ovvero Otto anni di constanza" des blutjungen Lauro Rossi (1812-1885), einem der zentralen italienischen Komponisten an der Schnittstelle zwischen Klassik und Moderne, der ebenfalls inzwischen zu den Karteileichen der Archive zählt. Natürlich waren da auch die Werke von Marias Vater Manuel Garcia, dessen Lied "Yo que soy contrabandista" so etwas wie ein Hit der 1830er Jahre war und der auch George Bizet beim Schaffensprozess seiner "Carmen" inspiriert haben soll.

Nicht zuletzt gab es schließlich die Kompositionen aus eigener Werkstatt der Sängerin. Maria Malibran hatte nicht nur das Talent zu singen von ihren Eltern geerbt, sondern war darüber hinaus eine ansehnliche Komponistin, deren Melodien wie etwa das charmante "Rataplan" zu den Glanzstücken ihrer Auftritte gehörten. Aus der Vielzahl der Quellen suchte sich Cecilia Bartoli nun ein dramaturgisch passendes Repertoire aus 17 Stücken heraus, das zu den eigenen Stimmqualitäten passte, und machte sich auf den Weg der ungewöhnlichen Hommage. Neben den Gemeinsamkeiten der Biografie - erster Auftritt mit acht Jahren, Sängerehepaar als Eltern, Bühnendebüt im "Barbiere di Siviglia" - fanden sich mindestens ebenso viele Unterschiede, was den Reiz des Projektes nur erhöhte. So wurde es möglich, ein Programm mit einem zu Unrecht vernachlässigten Repertoire auf die Beine zu stellen, das häufig nur als Vehikel zur Präsentation des Könnens der Primadonnen verwendet wurde, und doch weitaus mehr zu bieten hat: Das Album "Maria". (Fortsetzung folgt)


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