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12.09.2007

Ein großer Wurf

Cecilia Bartoli, Ein großer Wurf

Es ist soweit. Ein Opernstar der Gegenwart trifft einen Mythos der Musikgeschichte. Die römische Mezzosopranistin Cecilia Bartoli präsentiert ihre Hommage an eine der schillerndsten Figuren der Opernwelt, die Diva der europäischen Romantik Maria Malibran. Es ist nicht nur einfach ein Tribut, sondern das Resultat der umfangreichen Beschäftigung mit einer Epoche, in der die Oper mit dem Belcanto eine ihrer melodiös reizvollsten Zeiten erlebt hat. Und es wäre kein Album von Cecilia Bartoli, würde die neugierige Künstlerin nicht auch einige musikalische Perlen zutage fördern, die wie Arien von Manuel Garcia oder Lauro Rossi seit langem bereits der Wiederentdeckung harrten.

Vincenzo Bellini war begeistert: "Ich war der erste, der aus vollem Halse schrie: 'Viva! Viva! Brava! Brava!' und in die Hände klatschte, bis ich nicht mehr konnte", schrieb der Komponist an einen Freund anno 1833, nachdem er Maria Malibran in London auf der Bühne als Amina in seiner "La sonnambula" erlebt hatte. Umgehend wurde Bellini zu einem glühenden Verehrer der größten Opern-Diva seiner Zeit, auch wenn er ihrer berühmtesten Konkurrentin Giuditta Pasta (1797-1865) ebenfalls Bewunderung entgegenbrachte. Maria Malibran, die durchaus den Ehrgeiz an den Tag legte, alle ihre Konkurrentinnen zu überflügeln, nahm indirekt die Herausforderung an und avancierte schnell zur umschwärmten Bellini-Sängerin, so dass man beispielsweise wenige Tage nach ihrem Rollen-Debüt in Neapel in einer Zeitung der Stadt lesen konnte, sie sei "Norma und kann die Norm für jede andere Norma sein". Als schließlich die Pariser Uraufführung von "I puritani" auf dem Spielplan stand, arbeitete der Komponist im Auftrag des Teatro San Carlo in Neapel sogar eine Version für die von ihm so verehrte Sängerin um.

Maria Malibran eroberte die Herzen ihrer Zeitgenossen im Sturm. Ihre Karriere war rasant, ihre Kunst und Persönlichkeit beeindruckte nicht nur Vincenzo Bellini. Auch der neapolitanische Kollege Giovanni Pacini (1796-1867), mit immerhin 89 Opern einer der produktivsten Bühnenkomponisten der Belcano-Ära, schrieb beispielsweise mehrere Werke ihr zu Ehren. So lag es für Cecilia Bartoli nahe, mit zwei Arien aus Pacinis heute vergessener "Irene o L'assedio di Messina" ihr Hommage-Album an Maria Malibran zu beginnen. Es sind dramatische, emphatische Melodien, die mit dem nötigen Nachdruck präsentiert bereits am Anfang einen Einblick geben, mit welch eindrucksvollen Rollen die Diva der 1830er Jahre ihr Publikum gefesselt haben muss. Überhaupt ist es unüberhörbar, wie leidenschaftlich Cecilia Bartoli sich ans Werk gemacht hat. Hier geht es nicht nur darum, eine historische Urahnin ihrer Zunft in Erinnerung zu rufen, sondern auch um die Nachempfindung der Seelenlage einer weit vor vielen ihren Zeitgenossinnen sich als eigenverantwortliche und selbstbewusste Individualistin verstehenden Künstlerin, die schon dadurch eine Art Prototyp für die Nachfolgerinnen der folgenden Jahrhunderte wurde.


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Und so ist das Spektrum weit, mit dem Cecilia Bartoli die musikkulturelle Welt der Maria Malibran rekonstruiert. Melodien ihres Vaters, des ebenfalls erfolgreichen Sängers und Komponisten von über 50 Bühnenwerken, Pòpulo Vincente Garcia (1775-1832), gehören ebenso zu der Sammlung wie das Lied "Rataplan" und das zu Donizettis "L'elisir d'amore" hinzugefügte "Frendi, per me sei libero" aus eigener Feder der Sängerin. Fünf Arien stammen von Vincenzo Bellini ("Ah! Non credea mirarti", "Ah! Non giunge" aus "La sonnambula"; "O rendetemi la speme ... qui la voce", "Vien, diletto" aus "I puritani" und "Casta Diva" aus "Norma"), dazu kommen Melodien von Giovanni Pacini, dem weitgehend vergessenen, zu seiner Zeit aber hoch angesehenen Lauro Rossi, aus der selten gespielten Oper "Clari" von Jacques Fromental Halévy, die "Air à la Tirolienne avec Variations" von Johann Nepomuk Hummel und sogar das innige "Infelice" von Felix Mendelssohn.

Auf diese Weise setzt sich ein Programm zusammen, das nicht nur an die Stärken von Cecilia Bartolis großartiger Stimme anschließt und ihre Variationsbreite, ihre Farbvielfalt, Kraft und Interpretationsgabe dokumentiert, sondern darüber hinaus ein Hörbild einer Epoche rekonstruiert, das auch für den erfahreneren Opernkenner viele Überraschungen zu bieten hat. Kongenial mit dem Orchestra La Scintilla unter der Leitung von Adam Fischer und Gästen wie dem Geiger Maxim Vengerov, dem Tenor Celso Albelo und dem Bass-Bariton Luca Pisaroni umgesetzt, ist mit "Maria" ein Meisterwerk der Gesangskunst entstanden, das zu den Sensationen des Opernherbstes gehört.


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