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24.09.2015

"Cantate Domino" – Erstmals Aufnahmen aus der Sixtinischen Kapelle

Der Chor der Sixtinischen Kapelle gehört zu den nobelsten Interpreten geistlicher Musik. Jetzt darf Deutsche Grammophon erstmals Aufnahmen aus der berühmten Kapelle des Vatikans veröffentlichen: mystische Gesänge von Palestrina u.v.m.

Sistine Chapel Choir, Cantate Domino – Erstmals Aufnahmen aus der Sixtinischen Kapelle © Osservatore Romano / Governatorato SCV - Direzione dei Musei

Jeder kennt Bilder aus der Sixtinischen Kapelle. Es ist ein Ort von magischer Ausstrahlung, ein Ort, an dem sich die größten Künstler Europas verewigt haben.

Tiefe Akustik: Die Sixtinische Kapelle

Die Wandgemälde der in den Jahren 1475 bis 1483 nach Plänen Baccio Pontellis errichteten Cappella Sistina stammen von Renaissancemalern wie Sandro Botticelli, Pietro Perugino oder Luca Signorelli. Sie zeigen Szenen aus dem Leben Jesu und Geschichten des Propheten Mose. Am berühmtesten dürften jedoch die Deckenfresken sein. Gemalt von Michelangelo, zeigen sie Szenen aus der Genesis, darunter die Erschaffung Adams mit den Zeigefingern Gottes und Adams, die fast einander berühren.

Der Bilderpracht entspricht eine überwältigende Akustik, die man beim Eintritt in die Kapelle sofort spürt. Man braucht nur ein paar Worte zu flüstern, und sogleich stellt sich ein Gefühl der Ehrfurcht vor der akustischen Tiefe des Kirchraums ein. Der Musikliebhaber fragt sich: Wie klingen hier wohl Chöre? Welche Mächtigkeit und Würde verschafft sich hier wohl Ausdruck, wenn mehrere Menschen singen? Die Wirkung ist unsagbar schön, und man kann sie jetzt auf dem Album "Cantate Domino" nur staunend bewundern.   

Ältestes Gesangsensemble: Chor der Sistina

Das Album ist eine Sensation. Der Vatikan hat erstmals die Türen für Aufnahmen des Päpstlichen Chors der Sixtinischen Kapelle geöffnet. Damit ist Deutsche Grammophon ein ungeheures Privileg zuteilgeworden, und das Gelblabel hat sich mit viel Sorgfalt und Respekt diesem Projekt gewidmet. Inmitten der Kapelle wurde ein Studio errichtet. Das Mischpult wurde in einem Vorraum positioniert, gleich neben der "Sala del Pianto", wo der jeweilige neue Papst nach dem Konklave eingekleidet wird.     

Die Grammy-nominierte Produzentin Anna Barry ist begeistert. Es sei ein "überwältigendes Privileg" gewesen, in der Sistina aufzunehmen, so die Britin. Und das mit dem ältesten Gesangsensemble der Welt, dem seit 1473 bestehenden Päpstlichen Chor der Sixtinischen Kapelle. Dieser Chor atmet noch das Erbe der Renaissancemusik, die hier in der Sistina seit jeher ihren Ort hatte, gehört sie doch zur regelmäßig vollzogenen Liturgie des Papstes und ist von Generation zu Generation weitergegeben worden.   

Zeitlos schön: Mystische Gesänge von Palestrina

Diese Nähe zu den Quellen vermittelt sich auch auf dem Album "Cantate Domino". Die Gesänge des Päpstlichen Chors, der aus 20 erwachsenen Sängern und 30 Chorknaben besteht, sind von geradezu mystischer Kraft. Man spürt allenthalben den heiligen Ort, in dem sie anklingen, und ist überwältigt von der zeitlosen Schönheit der Renaissancemusik. Einen prominenten Rang nimmt Giovanni Pierluigi da Palestrina auf dem Album ein. Der italienische Komponist hat selbst noch in der Sistina gesungen, und wenn der Chor sein "Ad te levavi" oder "Super flumina Babylonis" anstimmt, dann kommt eine zärtliche Ehrfurcht zum Vorschein, wie es sie wahrscheinlich nur in solchen Gesängen gibt.

Nicht minder eindrucksvoll sind die Gregorianischen Gesänge und die herrlichen Kompositionen von Orlando di Lasso, Gregorio Allegri, Felice Anerio und Tomás Luis de Victoria. Allegris berühmtes "Miserere", dargeboten in der Originalfassung aus dem Sixtinischen Codex von 1661, ist eine Welt-Ersteinspielung. Hier ist man überrascht, wie melodisch und freigiebig dieser liturgische Gesang klingt. Der Päpstliche Chor entfaltet sich hier mit voller Kraft und bringt eine atemberaubende Gesangsfreude zum Ausdruck. Darauf kommt es auch dem musikalischen Leiter des Päpstlichen Chors, Massimo Palombella, an. Das Erbe soll lebendig, soll wach gehalten werden, so der von seinen Choristen verehrte Maestro, und das ist mit "Cantate Domino" zweifellos gelungen. 


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