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Biografie

26.06.2017

Chris Cornell

Chris Cornell war eine Musiker-Ikone jenseits der Genre-Grenzen. Er war in den 1990er-Jahren der wichtigste Initiator der Grunge-Bewegung und gilt bis heute als einer der größten Rocksänger aller Zeiten. Mit drei legendären Bands verkaufte er weltweit über 30 Millionen Alben. Parallel hatte er sich in den letzten drei Jahrzehnten als Solokünstler, Singer-Songwriter, Gitarrist, Komponist und Lyriker einen einzigartigen Ruf aufgebaut. Im Mai 2017 nahm sich der Soundgarden Frontmann in einem Detroiter Hotelzimmer während einer Tour das Leben.

Cornells Karriere begann mit Soundgarden, den Vorreitern der Grunge-Szene in Seattle, deren wilde Klanglandschaften die rohe Attitüde des Punks mit künstlerischer Tiefe verbanden. Soundgarden waren 1989 die erste Seattler Band ihrer Generation, die bei einem Major-Label unterschrieb – ihre Arbeit dauerte über sieben unnachahmliche Alben hinaus. 2010 machten sie mit ihrer Rückkehr auf die Bühne Geschichte, ihr letztes Studio-Album "King Animal" schlug beim Erscheinen im Jahr 2012 hohe Wellen.

Immer wieder hat Cornell seinen Sound und seine künstlerische Vision neu definiert. 1990 experimentierte er in seinem Seitenprojekt Temple of the Dog, an der Seite der zukünftigen Mitglieder von Pearl Jam, mit etwas souligeren Spielarten. Zum Ende des Jahrzehnts verband er auf seinem von der Musikpresse gepriesenem Solo-Debütalbum "Euphoria Morning" samtene Melodien und Instrumentierung mit Lyrics, in denen es um Entfremdung und Verzweiflung ging.

Zur Jahrtausendwende gründete Cornell mit drei weiteren musikalischen Pionieren von Rage Against The Machine die Supergruppe Audioslave. Die Platinprämierte Band veröffentlichte drei Alben und tourte Stadien auf der ganzen Welt, insbesondere waren Audioslave die erste amerikanische Rockband, die in Kuba unter Castro ein phänomenales Gratis-Konzert gab. Nebenbei hatte Cornell mit den unterschiedlichsten Künstlern kollaboriert, unter anderem mit der Zac Brown Band auf der Single "Heavy Is The Head", die Platz 1 der US-amerikanischen Rock-Radio-Charts erreichte.

Seine Soundtrack-Arbeiten schlossen Riesenbudget-Produktionen, unabhängiges Kino, verschiedene renommierte TV-Produktionen und Videospiele ein. Cornell war der erste männliche amerikanische Künstler, der einen Song für die James-Bond 007-Filmreihe komponierte und einspielte. Dabei heraus kam "You Know My Name" für Casino Royale. Mit Soundgarden schrieb er mit "Live To Rise" den Abspanntitel des dritterfolgreichsten Films aller Zeiten: The Avengers. Joy Williams sang mit ihm im Duett, auf seinem Song "Misery Chain", aus dem mit einem Oscar prämierten 12 Years A Slave . Sein Song "The Keeper" aus Marc Forsters Machine Gun Preacher wurde 2012 für einen Golden Globe nominiert.

Als menschenfreundlicher Aktivist nutzte Cornell seine Musik, um verschiedene Projekte zu unterstützen. Die Chris and Vicky Cornell Foundation sammelt Spenden und kooperiert mit Wohltätigkeitsorganisationen, um Kindern zu helfen die unter Obdachlosigkeit und Armut, Misshandlung und Vernachlässigung leiden.

Entschlossen dazu, erneut seine Wurzeln als Songwriter und Sänger zu finden, ging Cornell 2009 auf eine internationale akustische Solo-Tournee, die weltweit von den Medien bejubelt wurde. Diese Konzerte bestanden aus abgespeckten Versionen von Songs seiner gesamten Karriere. Das enorme Presse-Echo und die ausverkauften Hallen inspirierten Cornell und gaben ihm den Impuls dazu, die auf kühne Weise innige Musik seines neuen Albums "Higher Truth" zu komponieren. "Ich wollte für die vielen Menschen, die mich so auf meiner akustischen Tour unterstützt haben, etwas Neues fertigbringen... das Album ist quasi ein Liebesbrief an sie."

Inspiriert von den schlichten Arrangements Nick Drakes, Daniel Johnstons und der Beatles in ihrer White-Album-Periode, verließ Cornell den von ihm zuvor betretenen Pfad und kreierte ein ungeahnt neues musikalisches Universum. Songs wie das sagenhaft eingängige "Dead Wishes" und das Mandolin-lastige "Nearly Forgot My Broken Heart" gleiteten in melodischer Pracht vorbei, ihre geschmackvollen Arrangements enthüllten eine neue Raffinesse.

"In den letzten Jahren habe ich mich vielen ganz verschiedenen Kollaborationen mit anderen Künstlern geöffnet, die mir viel Spaß gemacht haben und bei denen ich viel gelernt habe", sagte Cornell. "Gleichzeitig entstand irgendwann in dieser Phase bei mir das Gefühl, dass es wirklich erfrischend wäre, wenn ich versuchte, etwas zu machen, das zu 100% mein eigenes Werk- und nicht von den Erwartungen anderer beeinflusst wäre. Higher Truth habe komplett nur ich zur Welt gebracht. Der Albumtitel könnte anmaßend klingen, aber ich finde, dass die Idee einer höheren Wahrheit ganz geerdet ist."

Ende 2016 gab es ein langersehntes Treffen mit den Bandkollegen von Temple Of The Dog. Gemeinsam gaben sie, 25 Jahre nach der Veröffentlichung ihres ersten und einzigen Albums, vier restlos ausverkaufte Konzerte in Amerika. Im Januar 2017 trat Chris Cornell noch ein letztes Mal mit seiner Band Audioslave als Protest gegen US Präsidenten Donald Trump auf, bevor er mit Soundgarden auf US-Tournee ging.